Neben Energiemanagement lautet das Unwort des Formel-1-Jahres 2026 ADUO. Die Additional Developent and Upgrade Opportunities sollen es Motorenherstellern, die sich im Hintertreffen befinden, durch zusätzliche Entwicklungskapazitäten ermöglichen, aufzuholen. Das führte nach der ersten Beobachtungsperiode bereits zu größeren Unstimmigkeiten. Nach der zweiten Beobachtungsperiode kommuniziert die FIA erstmal öffentlich Ergebnisse - doch die werden die Wogen nicht glätten.
In einer Pressemitteilung erklärte der Automobilweltverband am Mittwoch, dass in der zweiten Beobachtungsperiode, die mit dem Ungarn GP vor der Sommerpause endete, keinem Hersteller zusätzliche Kapazitäten zugestanden werden. Somit bleibt Red Bull Powertrains der einzige Hersteller, der mit dem ursprünglichen Etat an Prüfstandsstunden und Homologationen auskommen muss.
Die ersten Diskussionen rund um ADUO hatte es bereits gegeben, weil die im Reglement eigentlich festgeschriebenen Beobachtungsperioden durch Verschiebungen im Rennkalender nicht mehr sinnvoll waren. Weil Bahrain und Saudi-Arabien im April nicht stattfinden konnten, fand Rennen sechs erst viel später statt. Als Kompromiss wurde nicht das ursprüngliche Datum von Rennen sechs als Referenz herangezogen, sondern der Beobachtungszeitraum auf fünf Rennen verkürzt.
Nach FIA-Messungen: Red Bull mit stärkstem V6-Motor
Nach Rennen fünf, dem Kanada GP, begannen die Diskussionen erst so richtig. Denn Red Bull war mit der Beurteilung durch die FIA nicht einverstanden. Nach den von der FIA gesammelten Daten hatte der Neueinsteiger auf Anhieb den stärksten Verbrennungsmotor gebaut, der sogar das Mercedes-Aggregat in den Schatten stellte, das eigentlich als Klassenprimus angesehen wurde.
Nach den Messungen der FIA lag Mercedes bei der Leistung sogar mehr als 2 Prozent hinter Red Bull, weshalb der Erzrivale von der ADUO-Regelung profitiert. Weil Red Bull das Ergebnis anzweifelte, prüfte die FIA die Daten noch einmal. Die Ergebnisse der ersten Beurteilungsperiode wurden deshalb nie offiziell kommuniziert - bis heute.
In der Bekanntgabe der zweiten Periode nennt die FIA erstmals die Einstufungen aus ADUO 1, die im Fahrerlager aber längst bekannt ist, nur eben nie offiziell verkündet wurde. Die FIA bestätigt demnach, dass Mercedes in ADUO 1 zwischen 2 und 4 Prozent hinter Red Bull Powertrains lag und deshalb jeweils eine zusätzliche Spezifikation in 2026 und 2027 homologieren darf.
Audi, Ferrari und Honda lagen alle über 4 Prozent zurück und erhalten deshalb zwei zusätzliche Homologations-Joker für 2026 und 2027. Dazu gibt es mehr Prüfstandsstunden und die Erlaubnis, innerhalb des Budget Caps mehr Geld auszugeben. Das Reglement stuft noch deutlich genauer ab, die FIA will aber keine weiteren Details zu den Einstufungen geben. Dass Audi in die Kategorie zwischen 4 und 6 Prozent fällt und Honda noch deutlich schlechter war, ist allerdings ein offenes Geheimnis.
| Rückstand auf beste ICE | Zusatz-Upgrades | Prüfstandszeit | Budget |
|---|---|---|---|
| unter 2 Prozent | - | - | - |
| 2 bis 4 Prozent | 1 dieses Jahr, 1 nächstes Jahr | 70 Stunden/Periode | 3.000.000 $ |
| 4 bis 6 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 110 Stunden/Periode | 4.650.000 $ |
| 6 bis 8 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 150 Stunden/Periode | 6.350.000 $ |
| über 8 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 190 Stunden/Periode | 8.000.000 $ |
| über 10 Prozent | 2 dieses Jahr, 2 nächstes Jahr | 230 Stunden/Periode | 11.000.000 $ |
"Bei der Weitergabe von Details aus den Ergebnissen müssen wir zudem die Vertraulichkeit und die geistigen Eigentumsrechte der Teams und ihrer Antriebshersteller wahren", verteidigt FIA-Formel-1-Chef Nikolas Tombazis.
Der Ingenieur sieht mit dem Ergebnis von ADUO 2 keinen Grund für Diskussionen: "Die FIA hat im Rahmen unseres ADUO-Überprüfungsprozesses eine gründliche und umfassende Analyse durchgeführt. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse der zweiten Phase sind wir zuversichtlich, dass die Analyse aufgrund der Qualität der Daten äußerst fundiert ist, was uns ein hohes Maß an Vertrauen in unsere Ergebnisse gibt."
Alle einig: AUDO-Regeln noch nicht gut genug
Wie kann es aber sein, dass Red Bull den stärksten Motor haben soll, wenn zuletzt auch Mercedes selbst davon sprach, den besten Antrieb zu haben? Bei der ADUO-Auswertung hatte man sich darauf geeinigt, lediglich die Verbrenner-Leistung als Grundlage zu nehmen. Neben dem Verbrenner ist aber vor allem die Batterie in den Power Units ein großer Performance-Treiber.
Dazu werden auch die Betriebs-Parameter in der Beurteilung nicht berücksichtigt. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur gab im Interview mit Motorsport-Magazin.com offen zu, dass man sich diese Lücke im Reglement bei der Fahrzeugauslegung zunutze machte. Das Interview ist in der neuen Print-Ausgabe #110 zu lesen.
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"Da dies das erste Jahr des ADUO-Programms ist, gibt es natürlich Bereiche, die wir im Laufe der Zeit in Absprache mit allen Antriebseinheitenherstellern weiterentwickeln können", gesteht FIA-Mann Tombazis. In der dritten und letzte Beobachtungsperiode 2026, die nach Rennen 18 in Mexiko endet, wird aber noch nach den gleichen Regeln gespielt.
Dass es in ADUO 2 keine weiteren Zugeständnisse gibt, bedeutet nicht, dass jetzt alle Hersteller in etwa auf dem gleichen Niveau sind. Pro Saison kann jeder Hersteller nur einmal von den Extra-Kapazitäten profitieren. Das Ergebnis aus Runde 2 sagt lediglich aus, dass sich Red Bull Powertrains nicht mehr als 2 Prozent im Hintertreffen befindet.
Ferrari bringt zweites Motoren-Upgrade in Monza
Audi, Ferrari und Honda machten bereits Gebrauch von einer zusätzlichen Homologation. Audi brachte in Spanien einen kleineren Turbolader, Ferrari ging beim Update in Österreich in die gegengesetzte Richtung. Honda brachte erst kürzlich in Zandvoort ein großes Update. Ferrari soll in Monza bereits die zweite Ausbaustufe zünden. Von Mercedes gibt es noch keine Informationen darüber, ob man 2026 noch am Motor nachlegen wird.



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