Während im Titelkampf der DTM-Saison 2026 derzeit alle Augen auf Spitzenreiter Maro Engel und Verfolger Thomas Preining gerichtet sind, bleibt Matteo Cairoli die große Unbekannte. Der Neuzugang von Emil-Frey-Ferrari belegt den sechsten Platz mit 33 Punkten Rückstand, weist mit seinem Gesamtpaket aber ein riesengroßes Potenzial auf und könnte im Schlussspurt der Saison noch ganz vorne mitmischen.

Cairoli errang zuletzt am Nürburgring bereits seinen dritten Saisonsieg und hat damit die meisten aller Fahrer auf dem Konto. Aber: Beim Italiener wechseln sich bockstarke und schwache Rennen in ähnlicher Regelmäßigkeit ab wie bei seinem Vorgänger Jack Aitken, der die DTM mit sechs Siegen aus 46 Rennen verlassen hat. Irre Zwischenbilanz: Cairolis beste Ergebnisse neben den drei Siegen waren zwei achte Plätze!

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Matteo Cairoli: Licht und Schatten beim DTM-Debüt

Bestes Beispiel auf dem Nürburgring: Cairoli gewann das Samstagsrennen von der Pole Position mit einem gigantischen Vorsprung von mehr als 10 Sekunden auf Preining und sackte die volle Punkteausbeute ein. Am Sonntag hingegen gingen seine beiden Boxenstopps schief und warfen den 30-jährigen GT3-Routinier aus dem Rennen um den Sieg - nur Platz 13 für den von P3 gestarteten Cairoli, der sichtlich frustriert war.

"Ich geben niemandem die Schuld, aber wir haben eine gute Gelegenheit weggeworfen", sagte Cairoli. "Wenn man sieht, was mit meinen Hauptgegnern in der Meisterschaft passiert ist, wären wir noch weiter vorne gelandet. Aber jetzt habe ich wieder einen Rückschritt gemacht, was sehr frustrierend ist. Bis zum Boxenstopp sah alles gut aus, aber Shit happens!"

Was Cairoli meinte: Einige seiner Titelrivalen erlebten ein schwieriges Wochenende in der Eifel und nahmen nur wenige Punkte mit: Maro Engel 10, Nicki Thiim 14 und Lucas Auer 12. Die Gewinner im Meisterschaftskampf waren stattdessen Preining mit 38 Punkten und Marco Wittmann, der mit 41 Zählern die meisten aller Piloten sammelte. Cairoli reiste mit 32 Punkten (28 am Samstag, 4 am Sonntag) vom drittletzten Event der Saison ab, wobei deutlich mehr drin gewesen wäre.

Pannen-Stopp kostet Cairoli möglichen Doppelsieg am Nürburgring

Am Sonntag konnte er sich sogar Chancen auf einen weiteren Sieg ausrechnen, der ihm praktisch auf dem Silbertablett serviert wurde, weil seine Vordermänner Ben Dörr (Rad nach Boxenstopp lose) und Pole-Setter Jules Gounon (Penalty Lap wegen Speeding) in Schwierigkeiten geraten waren. Dann erwischte es aber Cairoli selbst, dessen erster Boxenstopp schier unendlich lange 24 Sekunden dauerte.

Grund für den Pannen-Stopp: Eine Radmutter klemmte wegen einer nicht stark genug gespannten Feder und fiel auf den Boden. Die gleiche Feder kostete auch beim zweiten Boxenstopp (9 Sekunden) mehr Zeit als nötig. "Riesengroßes Pech für uns und natürlich vor allem Matteo, das wir so noch nie erlebt haben und meines Wissens auch noch nicht so vorgekommen ist", sagte Emil-Frey-Technikdirektor Jürg Flach. "Die Radmutter ist aus der Felge gesprungen, weshalb wir dadurch rund 18 Sekunden und den möglichen Sieg verloren haben."

Dabei gelten die Boxenstopps bei Emil Frey Racing mit dem Ferrari 296 GT3 Evo als große Stärke: Der Rennstall aus der Schweiz führt die interne Boxenstopp-Wertung der DTM vor Manthey-Porsche und Comtoyou-Aston-Martin an und schaffte in vier der zwölf Rennen den schnellsten Reifenwechsel.

Matteo Cairoli bei der DTM
Matteo Cairoli bestreitet seine Debütsaison in der DTM, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Cairoli-Appell im DTM-Titelkampf: "Keine Fehler mehr!"

Patzer wie am Nürburgring darf sich das Ferrari-Team aber nicht mehr leisten, will es noch ein Wörtchen bei der Titelvergabe mitreden. "Wir müssen den Reset-Knopf drücken und dürfen an den letzten beiden Wochenenden keine Fehler mehr machen", forderte Cairoli. "Sonst wird es unmöglich, den Job zu erledigen."

Der langjährige GT3-Fahrer weiß, dass der DTM-Titelzug noch nicht abgefahren ist. Mit dem Sachsenring und dem Finale auf dem Hockenheimring warten zwei Strecken, die dem Ferrari auf dem Papier gut liegen - abhängig von der Balance of Performance, mit der das Team vor allem auf dem Norisring sowie in Oschersleben haderte. Am Norisring warfen Cairoli ein Frühstart und eine unverschuldete Kollision mit Landsmann Marco Mapelli obendrein zurück.

Matteo Cairolis Zwischenbilanz in der DTM-Saison 2026

RennenStartaufstellungErgebnis
Red Bull Ring IP8P8
Red Bull Ring IIP11P14
Zandvoort IPoleSieg
Zandvoort IIP6P11
Lausitzring IP7P8
Lausitzring IIP2Sieg
Norisring IP10P11
Norisring IIP10Ausfall
Oschersleben IP8P11
Oschersleben IIP8P9
Nürburgring IPoleSieg
Nürburgring IIP3P13

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