Nicht wenige Beobachter waren beim DTM-Sonntagsrennen am Sachsenring verblüfft, dass Jack Aitken plötzlich wieder am Rennen teilnahm - obwohl der Emil-Frey-Pilot zuvor nach einer unverschuldeten Kollision mit Thomas Preining im Kiesbett gelandet war und von einem Streckenfahrzeug geborgen werden musste.

Wäre ihm das 2024 passiert, wäre das Rennen für Aitken vorzeitig vorbei gewesen, denn: Laut dem Sportlichen Reglement ist das Rennen für einen Fahrer beendet, wenn er Hilfe durch Fahrzeuge der mobilen Streckensicherung in Anspruch nimmt. Er darf dann nicht mehr weiterfahren, und falls doch, bekommt er die schwarze Flagge gezeigt.

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Neue DTM-Regel rettet Jack Aitken

Aber: Für die laufende Saison 2025 hat die DTM das Sportliche Reglement in diesem Passus angepasst. Im Artikel 30.6 findet sich jetzt erstmals der Zusatz: "Ist der betreffende Fahrer nach Auffassung des Rennleiters unverschuldet in eine Kollision verwickelt und muss deshalb mechanische Hilfe in Anspruch nehmen, kann der Renndirektor im Rahmen seiner Entscheidungsbefugnis von der Regelung abweichen."

Einfach ausgedrückt: DTM-Rennleiter Sven Stoppe entschied, dass Aitken die Fahrt trotz der Abschlepphilfe fortsetzen darf, weil er zuvor ohne Schuld von Manthey-Pilot Preining ins Kiesbett befördert worden war. Das klingt nach einer fairen Regelung, die dem 'Opfer' zumindest in der Theorie die Fortsetzung des Rennens ermöglicht.

So einen Fall hatte es bisher noch nicht in der DTM gegeben, weshalb für eine ganze Weile Konfusion im Fahrerlager herrschte. "Wir waren auch zuerst der Meinung, dass das Rennen für Jack beendet ist, aber dann hat es der Renndirektor so entschieden", war Jürg Flach, Technikdirektor von Emil Frey Racing, im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com ähnlich verblüfft.

Jack Aitken mit Ferrari beim DTM-Rennen am Sachsenring
Für Jack Aitken ging es nach der Kollision mit Thomas Preining weiter, Foto: IMAGO/Eibner

Aus dem Kiesbett in die Punkte, aus den Punkten raus und wieder zurück

Aitken wurde für den Aufwand belohnt und konnte zumindest ein wenig Schadensbegrenzung betreiben, nachdem sich der Pole-Setter zuvor mit Preining um die Führung duelliert hatte: Er holte im Sonntagsrennen immerhin einen Punkt für die Meisterschaft.

Aitken hatte sich nach der Kiesbett-Befreiung hinter dem Safety Car (Mirko Bortolottis Unfall war der Auslöser) zurückgerundet und die Ziellinie auf Platz 15 überquert. Zunächst erhielt er eine 1-Sekunden-Zeitstrafe für eine späte Kollision mit Maximilian Paul, die ihn auf P16 zurückwarf - profitierte aber viele Stunden später von der Disqualifikation des Zweitplatzierten Ben Dörr (Dörr-McLaren).

Das eine Pünktchen für Aitken könnte im irre engen Kampf um die Meisterschaft den Ausschlag geben. Der Brite belegt den zweiten Platz in der DTM-Tabelle mit 149 Punkten und nur zwei Zählern Rückstand zu Spitzenreiter Lucas Auer (Landgraf-Mercedes). Sachsenring-Doppelsieger Ayhancan Güven, der sich wie aus dem Nichts in den Titel-Fight eingemischt hat, teilt sich den dritten Gesamtplatz mit Jordan Pepper (GRT-Lamborghini, beide 145 Punkte).

Die Kollision zwischen Titelanwärter Jordan Pepper und Emil-Frey-Rookie Ben Green hat für Diskussionen gesorgt. Wir haben die Reaktionen der beteiligten Team-Verantwortlichen eingeholt, die ihr in diesem Artikel lesen könnt: