Am Samstag in Zandvoort noch Formel-1-Weltmeister Lando Norris die Hand geschüttelt und zur Pole Position gratuliert, am Sonntag schon wieder im Rennauto beim DTM-Test am Sachsenring: Maro Engel sammelte in diesen Tagen wieder einmal reichlich Flugmeilen und Streckenkilometer.
Zwischendrin nahm sich der Mercedes-AMG-Star und DTM-Spitzenreiter dennoch Zeit für ein Interview mit Motorsport-Magazin.com, erklärte den Grund seines Besuchs beim Niederlande Grand Prix, blickte zurück auf die folgenschwere Kollision mit Lucas Auer auf dem Nürburgring und nach vorne auf den ultra-spannenden Titelkampf in der DTM.
Maro, was steckt hinter deinem Besuch hier bei der Formel 1 in Zandvoort?
Maro Engel: Durch die Kooperation zwischen Pirelli und der DTM wurde ich gefragt, ob ich den Pirelli Pole Award übergeben möchte. Das ist eine coole Sache und etwas Neues für mich. Insofern ist es schön, hier zu sein, und eine besondere Ehre, die Trophäe zu übergeben.
Du hast dich auch in der Startaufstellung umgeschaut. Wie gefällt dir die Formel 1 momentan?
Maro Engel: Super-cool, und Zandvoort ist natürlich schon von der Atmosphäre her etwas Besonderes. Die Formel 1 ist momentan unglaublich populär. Das ist schön, weil das natürlich auch auf uns abstrahlt. Wir merken es gerade in der DTM: Jedes Jahr, bei jedem Event, steigen die Zuschauerzahlen, es gibt immer mehr Interesse.

Hat die Formel 1 einen direkten Anteil daran?
Maro Engel: Es ist ein generelles Motorsport-Thema. Die Formel 1 als Speerspitze des Motorsports strahlt natürlich ab, auch das Interesse der F1-Fahrer am GT-Sport. Der Start von Max (Verstappen) am Nürburgring, oder auch Lance (Stroll), der dieses Jahr GT World Challenge gefahren ist. Solche Sachen strahlen auch positiv auf uns ab. Das zeigt einfach auch, dass die Zuschauer Bock und Lust auf Motorsport haben.
Zurück zur DTM: Beim letzten Rennen auf dem Nürburgring hast du im Nachgang eine Grid-Strafe wegen der Kollision mit Lucas Auer kassiert. Nachvollziehbar für dich?
Maro Engel: Die Strafe akzeptieren ich. Natürlich war es eine schwierige Situation in Turn 2, aber unterm Strich war es mein Fehler. Dementsprechend muss ich die Strafe akzeptieren, und wir schauen nach vorne.
Was hat eure Analyse hervorgebracht, wie es zur Kollision mit Auer kommen konnte?
Maro Engel: Es ist immer diese Challenge, beim Start den Grip richtig einzuschätzen. Ich hatte mehr Grip auf der Vorderachse erwartet, konnte die Linie nicht halten, und letztendlich kam dann der Kontakt mit Lucas.
Wäre es nicht möglich gewesen, am Nürburgring weiterzufahren und eine mögliche Strafe schon in diesem Rennen abzusitzen?
Maro Engel: Wir hatten einen Schaden vorne an der Radaufhängung. Insofern war es nicht möglich, weiterzufahren. Das Einzige, was effektiv für uns zählt, ist akzeptieren, abhaken, nach vorne schauen.

Du bist ausgerechnet mit deinem Markenkollegen und Titelrivalen Lucas Auer zusammengestoßen, mit dem du dir einen Mercedes in der GT World Challenge teilst. Ist zwischen euch alles okay?
Maro Engel: Ja, klar. Ich war sofort bei ihm und habe mich entschuldigt, bei ihm und auch bei seinem Team. Sehr unglücklich, dass es ausgerechnet Lucas getroffen hat. Ich glaube, alle wissen um unsere sehr gute und auch freundschaftliche Beziehung. Aber alles ist gut, und von seiner Seite hat er es sofort akzeptiert, auch wenn es für ihn sicher genauso enttäuschend war.
Nicht nur du hast dich beim Landgraf-Team entschuldigt, sondern auch deine Ehefrau Steffi. Teamchef Klaus Landgraf zog im Interview mit uns den Hut vor dieser Aktion...
Maro Engel: Ich bin 2023 selbst für Landgraf in der DTM gefahren. Insofern haben wir eine sehr gute Beziehung zu Klaus und zum ganzen Team. Das ist ein Szenario, das keiner gerne möchte. Deswegen war waren wir dort und haben uns für die Situation entschuldigt. Jetzt geht der Blick nach vorne, und so wurde es auch von ihrer Seite aufgenommen. Nun geht es darum, das Beste aus einer nach wie vor sehr guten Ausgangssituation zu machen.
Beim nächsten Rennen wirst du allerdings um drei Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt. Und das ausgerechnet auf dem Sachsenring, wo das Qualifying wegen mangelnder Überholmöglichkeiten noch wichtiger ist. Wie sehr schmerzt das?
Maro Engel: Unser Fokus liegt nicht auf der Strafe. Sondern darauf, möglichst gut zu performen, das Mögliche aus unserem Paket herauszuholen. Und im Idealfall auf Pole zu fahren, von Platz vier zu starten und dann zu schauen, was möglich ist.
Porsche mit deinem Titelrivalen Thomas Preining zählt nach dem letztjährigen Sachsenring-Doppelsieg zu den Favoriten. Was rechnest du dir für das nächste Rennwochenende aus?
Maro Engel: Klar, letztes Jahr waren sie sehr, sehr stark dort. Aber auch da tun wir gut daran, uns auf unsere Stärken zu konzentrieren. Ich habe mit dem Mercedes-AMG GT3 ein sehr starkes Auto und ein wahnsinnig starkes Team hinter mir. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir noch vieles erreichen können in den letzten vier Rennen.
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