Für Thomas Preining hätte das Sonntagsrennen der DTM auf dem Nürburgring selbst in den kühnsten Träumen nicht besser laufen können. Mit seinem vierten Podium in Folge rückte der Porsche-Fahrer in der DTM-Gesamtwertung 2026 bis auf einen Punkt an Maro Engel heran. Kaum 24 Stunden zuvor hatte er das noch für eine Utopie gehalten. Und zwei Monate zuvor hatte er nach seiner BoP-Meuterei noch mit dem DTM-Rücktritt gedroht. Jetzt muss der Österreicher einsehen: Manthey ist auch dieses Jahr wieder mittendrin im Titelkampf.
"Auf jeden Fall sind wir jetzt im Rennen", sagt Thomas Preining nach dem zwölften von 16 Saisonrennen mit Blick auf den Meisterschaftskampf 2026. Der dritte Platz am Sonntag auf dem Nürburgring war für ihn das vierte Podest in Serie und das fünfte in dieser Saison. Je zwei Siege und zweite Plätze hatte er zuvor eingefahren. In der Tabelle hält er damit bei 159 Punkten, einen Zähler hinter Maro Engel. - etwas, das er noch einen Tag zuvor für ein Ding der Unmöglichkeit gehalten hatte.
"Wir liegen 17 Punkte zurück. Theoretisch kannst du das in einem Rennen aufholen, aber realistisch betrachtet wird das nicht passieren. Es wäre dumm, sich einzubilden, dass die Rennen jetzt nur noch so laufen, dass wir vorne landen und immer nur aufholen", sagte Preining nach dem Samstagsrennen in der Eifel. Doch Kraft seines Mercedes-AMG-Rivalen Maro Engel trat genau das ein. Der Championship-Leader nahm sich und Markenkollege Lucas Auer (zuvor P3 in der Gesamtwertung, jetzt P4) am Sonntag gleich in der zweiten Kurve aus dem Rennen.
DTM-Rennen und Mercedes-Kollision am Nürburgring beschenken Thomas Preining
"Wir hatten am Start extrem viel Glück. Alle unsere Meisterschaftskonkurrenten waren direkt raus aus dem Kampf und wir haben die Chance ergriffen", so Preining, der selbst der markeninternen AMG-Kollision vor ihm gerade noch ausweichen konnte. Er war von Startplatz acht ins Rennen gegangen und rückte dadurch auf P6 vor. Im weiteren Rennverlauf profitierte er außerdem von den Horror-Boxenstopps bei Ferrari-Pilot Matteo Cairoli und McLaren-Fahrer Ben Dörr sowie einer Penalty-Lap für Jules Gounon, der im Mercedes bis dahin geführt hatte. "Es lief irgendwie alles für uns, muss ich sagen. Unglückliche Ausfälle, Strafen und auch andere Situationen im Rennen."
In der vorletzten Runde musste sich Preining um Platz zwei lediglich dem Mercedes von Tom Kalender geschlagen geben, der nach seinem Ausfall am Samstag einen frischen Reifensatz für den letzten Stint aufgespart hatte. "Ich konnte Tom einfach nicht halten, der Mercedes war unaufhaltbar", so Preining, der sich in seinem Porsche zuvor einige Runden mit konsequenter Kampflinie hatte verteidigen können. "Ich wollte da nicht zu viel Risiko eingehen, da ich in der Meisterschaft auch so schon viel aufholen würde."
Maro Engel stichtelt gegen Manthey-Porsche: Eher danke sagen als beschweren
Nach dem Rennwochenende auf dem Norisring Anfang Juli hatte das noch ganz anders ausgesehen. Der Sieg beim Saisonauftakt am Red Bull Ring war längst vergessen, denn nur 44 Punkte holte Preining in den darauffolgenden sieben Rennen. In der Punktewertung lag er an achter Stelle, 47 Punkte hinter dem damaligen Tabellenführer Nicki Thiim. Der DTM-Champion von 2023 hatte die Schnauze voll und beklagte sich lautstark über die Balance of Performance. An den beiden darauffolgenden Rennwochenenden wendete sich das Blatt für den Teamleader von Manthey-Porsche.
In Oschersleben und am Nürburgring war Preining Stammgast auf dem Podium und holte 89 Punkte. Auf die Erfolgsserie des Porsche-Fahrers angesprochen, konnte sich Maro Engel schon nach dem zweiten Qualifying auf dem Nürburgring am Sonntagmorgen eine Stichelei nicht verkneifen. "Ganz ehrlich, ich bin kein Freund davon, zu viel darüber zu sprechen", so der 40-Jährige am ProSieben-Mikrofon über die BoP-Kritik seines Konkurrenten. "Und wenn es einen oder eine Mannschaft gibt, die sich nicht so sehr darüber beklagen sollte, dann sind es die Kollegen mit zwei Titeln in drei Jahren. Die haben letztes Jahr sieben Rennen gewonnen, die sollten eher danke sagen als sich zu beschweren."
Thomas Preining hofft auf mehr Porsche-Magic in der heißen Phase
Im Vorjahr holte Preinings damaliger Teamkollege Ayhancan Güven den Titel mit fünf Laufsiegen aus 16 Rennen - darunter zwei am Sachsenring, und zwar mit unfreiwilliger Hilfe von Preining. Der war in beiden Rennen im Kampf um den Sieg in eigenverschuldete Kollisionen verwickelt und verspielte damit seine Chancen. Im DTM-Kalender 2026 steht der Sachsenring vom 11. bis 13. September als nächste und vorletzte Station auf dem Programm, im Oktober steigt das Finale traditonell auf dem Hockenheimring.
"Die nächsten beiden Strecken liegen uns auf jeden Fall und wir haben da in der Vergangenheit schon überall gewonnen. Da wäre es nicht ehrlich von mir, wenn ich sage, dass wir nicht im Titelrennen sind", sagt Preining mit Blick auf die beiden ausstehenden Veranstaltungen. 2023 gewann er auf dem Weg zum Titel in Hockenheim beide Läufe, im Vorjahr siegt er im Samstagsrennen, Güven am Sonntag. "Aus meiner Sicht ist noch alles offen, denn es werden noch insgesamt 112 Punkte vergeben", sagte Manthey-CEO Nicki Raeder zu Motorsport-Magazin.com. "Ziel ist, dass wir bei der Titelentscheidung in Hockenheim noch dabei sind. Wenn wir es schaffen, fehlerfrei zu bleiben, haben wir sicher eine gute Chance."
Der dritte Platz vom Sonntag am Nürburgring könnte sich am nächsten Rennwochenende dabei noch besonders auszahlen. "Wir haben im ersten Rennen am Sachsenring nur 5 Kilogramm Erfolgsballast, das hilft dort auch", so Preining. Maro Engel hingegen hat dann eine Hypothek im Gepäck: Für die Kollision mit Lucas Auer kassierte er für den Samstag am Sachsenring eine Grid-Penalty von drei Positionen.


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