Das DTM-Rennen auf dem Nürburgring war am Samstag eines der ganz turbulenten Sorte - doch die Titelaspiranten blieben von den Turbulenzen in der Eifel nahezu völlig unbeeinträchtigt. In der DTM-Gesamtwertung 2026 kristallisierten sich mit diesem Ergebnis am sechsten von acht Rennwochenenden fünf klare Favoriten heraus. Sieger Matteo Cairoli und der Zweitplatzierte Thomas Preining zählen spätestens jetzt zum engen Favoritenkreis, und auch Lucas Auer machte mit Platz vier Punkte gut. Meisterschafts-Leader Maro Engel zog sich als Sechster mit Erfolgsballast inmitten des Chaos noch gut aus der Affäre. Einzig für Nick Thiim ging die Talfahrt gnadenlos weiter. Der Aston-Martin-Star verliert mit jedem Wochenende weiter an Boden - und langsam auch die Nerven.

"Realistisch betrachtet wird es schwierig. Die letzten zwei Events waren für uns ziemlich hart. Wir hatten dabei auch einen Ausfall, also null Punkte", will sich Matteo Cairoli nach seinem dritten Saisonsieg nicht der Euphorie hingeben. Der Italiener gewann zuvor bereits in Zandvoort und am Lausitzring, holte dann am Norisring und in Oschersleben jedoch nur 17 Punkte. "Ich denke da nicht allzu sehr an die Meisterschaft. Ich konzentriere mich auf uns, denke von Rennen zu Rennen und am Ende sehen wir dann", so Cairoli, dem die Misserfolge der vergangenen Wochen noch im Hinterkopf herumgeistern.

"Ich habe vielleicht etwas zu sehr versucht, die Dinge zu erzwingen", sagt er am DTM-Mikrofon. Auf dem Nürburgring machte er es diesmal anders. "Ich habe mir gesagt, dass ich nicht will, dass das wieder passiert. Ich habe also mein Bestes gegeben, ohne das Auto zu überfahren." Mit dem Sieg auf dem Nürburgring hat er sich in der Tabelle nicht einmal verbessert. Er ist weiterhin Fünfter, nur der Rückstand auf Maro Engel, der bei 160 Punkten steht, ist von 55 auf 37 geschrumpft. Die Titelchance lebt, aber unter Vorbehalt: "Maro hat einen ziemlich großen Vorsprung und es wird schwer, ihn abzufangen. Aber so lange wir eine mathematische Chance haben, werde ich nie und nimmer aufgeben."

Thomas Preining traut jüngster DTM-Form nicht

Beim Blick auf die Tabelle sieht Thomas Preining nach seinem vierten Podium in der laufenden Saison - je zwei Siege sowie zweite Plätze - deutlich gefährlicher aus. Doch obwohl der DTM-Champion von 2023 am Samstag zwölf Zähler gegenüber Engel aufholte und jetzt Zweiter ist, will er lieber der Außenseiter bleiben. Titelchancen? "Mit Blick auf die Position in der Meisterschaft, ja. In Sachen Punkte, nein. Wir liegen 17 Punkte zurück. Theoretisch kannst du das in einem Rennen aufholen, aber realistisch betrachtet wird das nicht passieren", so der Porsche-Fahrer.

Auch er hat in der Saison 2026 schon eine Durststrecke hinter sich. Nach dem Auftaktsieg am Red Bull Ring kam lange Zeit nichts. Die Ausbeute der Rennwochenenden zwei bis vier: Nur 41 Punkte. In der Gesamtwertung war er vor Oschersleben nur Achter. Erst in der Magdeburger Börde kam mit einem Sieg und einem zweiten Platz wieder Schwung rein. "Es wäre dumm, sich einzubilden, dass die Rennen jetzt nur noch so laufen, dass wir vorne landen und immer nur aufholen", mahnt der Österreicher am DTM-Mikrofon. "Wir müssen weiter daran arbeiten, und den Aufwärtstrend fortsetzen, um konstant vorne dranzubleiben. Dann ist alles möglich. Aber generell ist es noch zu früh, uns voll im Titelkampf zu sehen."

Mercedes-AMG-Fahrer diesmal konstant genug für den DTM-Titel?

Konstant vorne dabei ist das dritte Jahr in Folge Mercedes-AMG. 2024 und 2025 ging Maro Engel jeweils mit Chancen ins Finale, und beide Male wurde es am Ende nichts. Im Vorjahr war Lucas Auer sogar als Meisterschaftsführender nach Hockenheim gereist und verlor alles am letzten Rennsonntag. Dieses Jahr sind die beiden Erfolgsgaranten aus dem Hause AMG wieder am Drücker, so auch am Samstag in der Eifel.

"Wir schauen nur auf unser Rennen. Heute haben wir das Maximum herausgeholt mit den 20 Kilogramm", erklärt Engel am DTM-Mikro. Nach der Disqualifikation von Oschersleben-Sieger Mirko Bortolotti war der 40-Jährige auf den ersten Platz vorgerückt und bekam für das erste Rennen auf dem Nürburgring dementsprechend den Erfolgsballast verpasst. Von Starplatz sechs ins Rennen gegangen behauptete er die Position bis zur Zielflagge, die er nur zweieinhalb Sekunden nach dem drittplatzierten Marco Wittmann sah.

Lucas Auer hingegen musste am Start von Position drei zwei Plätze an Marco Wittmann und Ben Dörr abgeben, die er im Rennverlauf über 39 Runden nicht mehr zurückholen konnte. "Ich habe mich in der ersten Kurve verbremst. Ich wollte Thomas [Preining] attackieren", erklärt der Österreicher im Interview mit der DTM und gibt sich selbstkritisch. "Die habe ich nicht zurückgewonnen, das war also kein guter Job von mir." Doch nicht nur seine eigene Leistung zweifelt er nach Platz fünf und diesem Rennverlauf an: "Andere Hersteller waren mit Zusatzgewicht trotzdem schneller, was verwundert". Dennoch steht er in der Meisterschaft an dritter Stelle, 24 Punkte hinter Markenkollege Engel.

Nicki Thiim kotzt nach nächster Pleite am Nürburgring wieder ab

Als einziger der Favoriten hatte Nicki Thiim im Samstagsrennen so gar nichts zu lachen. Nach Startplatz elf versuchte er mit aller Gewalt nach vorne zu kommen, und fuhr in der Schikane dabei Tom Kalender beim Überholversuch ins Auto. Es folgte eine Penalty-Lap. Im zweiten Stint brach dann noch die Pace und es wurde nur P11. "Das war das absolute Ziel von ihm: uns nicht vorbeizulassen, damit er seinem Kollegen da schön helfen kann. Super frustriert. Absolut null Pace, null Chance", schimpft der Däne am DTM-Mikrofon.

Nach seinem Doppelsieg am Norisring war für Thiim bereits das Wochenende in Oschersleben mit zwei zwölften Plätze ein herber Rückschlag. Die Meisterschaftsführung ging verloren, aus neun Punkten Vorsprung gegenüber Engel wurde ein Rückstand von 25. "Ich dachte, Oschersleben wäre schlimm, aber das ist absolut Next Level", so Thiim, der nach dem Samstagsrennen heute jetzt 30 Punkte zurückliegt und von der zweiten auf die vierte Position abrutschte. Er fühlt sich von der BoP schachmatt gesetzt: "Ich merke schon, wie das hier in der DTM funktioniert. Die anderen Hersteller kriegen so ihre "Glory-Momente" am Norisring und Lausitzring, und wir werden komplett abgedreht. Heute bekommt Ferrari seinen Moment, und morgen geht es so weiter.

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