Schlimmer geht immer. McLaren war mit dem bisherigen Saisonstart der Formel 1 ohnehin nicht zufrieden. Die Rolle als dritte Kraft deutlich hinter den beiden Topteams Mercedes und Ferrari erfüllt nicht den Anspruch des Weltmeister-Rennstalls. Doch beim Rennen in China versank das Papaya-Team in ungeahnte Tiefen. Nicht nur eines, sondern gleich beide Autos konnten gar nicht erst zum Start antreten.
Ein Fall, der in der modernen Formel 1 seinesgleichen sucht. Wie McLaren mitteilte, laborierte sowohl der MC47 von Lando Norris als auch jener von Oscar Piastri an einem Elektronik-Problem an der Power Unit. Allerdings war es bei beiden Autos ein anderes Gebrechen, wie McLaren mit Bezug auf Mercedes-Motorentechniker erklärte.
Dramatische Minuten vor dem Formel-1-Start: McLaren-Teamchef erklärt
Die Probleme stehen laut dem Team auch nicht miteinander in Verbindung. "An Landos Auto sahen wir bei der Vorbereitung auf die Runden zum Grid, dass es ein Problem mit der elektrischen Seite der Power Unit gab. Wir konnten mit der Komponente nicht kommunizieren", erklärte Teamchef Andrea Stella den Problemfall am Auto mit der Nummer 1.
Doch den Mechanikern ging die Zeit aus, um die betreffende Stelle direkt anzugehen, stattdessen versuchte man eine indirekte Fehlerbekämpfung. Stella erklärte den Ablauf: "Wir versuchten so viele Teile wie möglich zu tauschen, ohne dieses spezifische Teil zu wechseln, denn das hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen und wir hätten den Rennstart nicht geschafft." Konkret wurde unter anderem die elektronische Steuereinheit getauscht. Doch diese Behelfslösungen erwiesen sich schließlich nicht als ausreichend.
Während sich dieses Drama in der Garage abspielte, stand der Bolide von Piastri noch unbehelligt auf der Startaufstellung. Renningenieur Tom Stallard zeigte sich bei einem kurzen TV-Interview noch in bester Laune und zunächst deutete nichts darauf hin, dass der Australier sein zweites Rennen in Folge verpassen würde. Doch dann der Nackenschlag: "Als er auf dem Grid stand, konnte das Auto nicht starten, ähnlich wie bei Lando. Aber tatsächlich ließ sich Oscars Problem leichter diagnostizieren und es scheint ein Problem mit derselben Power-Unit-Komponente zu sein. Aber ein Problem einer anderen Natur."
In den wenigen Minuten vor dem Start fehlte aber auch bei Piastri die Zeit, um noch Hand daran anzulegen. Die Mechaniker konnten den Boliden nur an die Garage zurückrollen und hilflos dabei zuschauen, wie die 18 verbleibenden Fahrer das Formel-1-Rennen in Angriff nahmen - der Audi von Gabriel Bortoleto und der Williams von Alex Albon waren ebenfalls vor dem Start einem technischen Defekt erlegen.
Hier könnt ihr den gesamten Rennbericht lesen:
Spurensuche bei McLaren: Ist wirklich der Mercedes-Antrieb schuld?
Nach diesem Desaster steht bei McLaren die Spurensuche nach dem jeweiligen Ausgangspunkt auf dem Programm. "Im Moment verstehen wir die Probleme in Bezug darauf, was das Problem ist. Aber es gibt noch kein Verständnis über die Grundursache. Das wird eine genaue physische Inspektion erfordern. Denn aus den uns vorliegenden Daten und der oberflächlichen äußeren Begutachtung geht nichts hervor, das auf eine spezifische Grundursache hindeutet", führte Stella aus.
Es ermangelt nicht einer gewissen Ironie, dass die Ursache für das Doppel-Aus bei der Power Unit liegt. Denn ausgerechnet der McLaren-Teamboss äußerte sich nach dem Auftaktrennen in Melbourne ungewöhnlich kritisch über die Zusammenarbeit mit Motorenpartner Mercedes. Kritik, die er an diesem Wochenende zurücknahm.
Vor allem weil ersten Analysen zufolge das Problem nicht irgendwie mit dem Chassis in Verbindung zu stehen scheint. "Es sieht nicht danach aus", sagte Stella, wollte aber mit einem abschließenden Urteil noch warten: "Wir sind bei der Diagnose der betroffenen Teile noch nicht sehr tief vorgedrungen. Sobald wir ein bisschen tiefer graben, werden wir eine umfassendere Einschätzung vornehmen können."
Norris und Piastri konnten nach diesem Tiefschlag gegenüber der Presse nicht viel mehr sagen, als ihre Enttäuschung in Worte zu fassen. Vor allem für den Australier ist es ein weiterer Tiefschlag, nachdem er bereits beim Saisonauftakt vor seinem Heimpublikum nicht am Rennen teilnehmen konnte. In Melbourne hatte er auf dem Weg zur Startaufstellung seinen Wagen in der Wand versenkt.
Für Lando Norris war es hingegen das erste Mal überhaupt, dass er in einem Rennen ein DNS ('Did not start') zu Buche stehen hat. Der Formel-1-Weltmeister konnte seine Frustration kaum verbergen: "Ich bin einfach enttäuscht, das ist alles. Ich bin enttäuscht, dass ich heute nicht rausgehen und meinen Job erledigen konnte. Es frustriert mich nicht nur wegen mir, sondern wegen des gesamten Teams."



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