Auch wenn die Formel 1-Saison 2026 erst drei Rennen alt ist, so lässt sich eine Entwicklung bereits feststellen: Weltmeister McLaren – zuletzt der Gejagte – ist erneut in die Rolle des Jägers geschlüpft. Ob es trotz desaströsen Saisonstart und Mercedes-Dominanz mit der Titelverteidigung klappen kann? Motorsport-Magazin.com begibt sich auf die Suche nach einer Antwort.

McLaren 2026: Die Liste an Problemen ist lang

Kinderkrankheiten sind zu Beginn einer neuen Regelperiode nichts Untypisches, doch McLaren kämpfte an den ersten Rennwochenenden mit ungewohnt vielen Zuverlässigkeitsproblemen. Der negative Höhepunkt erfolgte in China mit einem Doppel-DNS. McLaren verzeichnete an den Boliden von Oscar Piastri und Lando Norris einen Defekt an derselben Komponente der Power Unit, jedoch mit zwei unterschiedlichen Ursachen.

Doch damit nicht genug: In Australien verlor Norris wertvolle Trainingszeit (FP1) aufgrund eines Getriebeproblems. In Japan gab es an Norris' Boliden in FP1 ein Hydraulikproblem, in FP3 musste eine Komponente am Energierückgewinnungssystem getauscht werden. Damit hat der amtierende Weltmeister bereits im dritten Rennen alle Batterien für die Saison aufgebraucht. D.h. braucht er 2026 eine weitere Batterie, kassiert er eine Strafversetzung von zehn Startplätzen.

Sollte es McLaren jedoch gelingen, die fehlerhafte Batterie aus Japan zu reparieren, dürften sie das gebrauchte Teil wieder einsetzen, ohne abgestraft zu werden. "Mir ist ein schnelles, aber unzuverlässiges Auto lieber, denn es ist leichter ein schnelles Auto zuverlässig zu machen als ein zuverlässiges schnell." Diesen Satz hörte man in den 90er Jahren des Öfteren aus dem Mund von McLaren-Teamchef Ron Dennis.

Doch was würde er 2026 sagen? Denn McLaren ist weder zuverlässig noch schnell. Das böse Erwachen erfolgte im Qualifying von Melbourne, als Mercedes demonstrierte, wie stark sie den Motor optimiert hatten. Piastri fehlten 0,862 Sekunden auf den Polesetter George Russell, bei Norris waren es 0,957 Sekunden. Die Grafik vom Australien-Q3 zeigt, dass Norris und Piastri auf der Start-Ziel-Geraden zunächst schneller als Russell sind. Sie verlieren aber schon in der ersten Kurvenkombination eine knappe Zehntelsekunde.

McLaren verfügt zwar als Mercedes-Kundenteam über die identische Power Unit wie das Werksteam, doch in Australien offenbarten sich deutliche Wissensdefizite auf Seiten von McLaren, was die optimale Nutzung der Power Unit betraf. Über die nächsten Wochenenden gelang es McLaren den Abstand auf die Spitze schrittweise zu verkürzen. Im Sprint-Qualifying (China) war Lando Norris sechs Zehntel langsamer als Russell, im GP-Qualifying fehlten Piastri auf Antonelli 0,486 Sekunden.

In Japan waren es drei Zehntel respektive sechs Zehntel, die Piastri und Norris auf die Pole-Zeit fehlten. Die Analyse vom Q3 in Japan zeigt genau, wo das McLaren-Duo auf ihren jeweiligen Runs die Zeit gegenüber Antonelli verlieren. Aber auch wenn McLaren auf Motorenseite den Wissensrückstand aufzuholen scheint, bleibt ein zentrales Problem bestehen: das Chassis.

Dem MCL40 fehlt es an aerodynamischer Effizienz und Abtrieb. Das führt dazu, dass es den Piloten in den Kurven an Grip mangelt, und das wirkt sich wiederum negativ auf die Energierückgewinnung aus. Der stabilere Mercedes kann in Kurven effizienter Energie zurückgewinnen, während McLaren länger um Grip kämpft und dadurch an Effizienz verliert. Ein möglicher Faktor für den geringeren Abtrieb könnte im Fahrzeugkonzept des MCL40 begründet sein - der McLaren ist das kürzeste Auto im Feld.

F1-Saison 2026: McLaren wieder Entwicklungsweltmeister?

In der Konstrukteurswertung liegt McLaren auf Platz drei, der Rückstand auf Mercedes ist bereits auf 87 Punkte angewachsen. Trotzdem ist Norris davon überzeugt, dass McLaren das Ruder noch herumreißen kann. "Ich kann mich gar nicht erinnern, wie viele Punkte wir 2024 hinter Mercedes, Red Bull und Ferrari waren. Aber wir kamen zurück und gewannen die Konstrukteurs-Meisterschaft", erinnert Norris.

Tatsächlich gelang es dem Rennstall 2023 und 2024 mit großen Entwicklungssprüngen sich innerhalb von 18 Monaten vom Mittelfeldteam zum Weltmeister zu entwickeln. Doch das lässt 2026 nicht zwangsläufig so einfach wiederholen, auch wenn die ungewollte Pause durch die Absagen von Bahrain und Saudi-Arabien McLaren entgegenkommt.

2024 startete das Team ebenfalls nicht mit dem besten Auto in die Saison, doch sämtliche Updates, beginnend mit dem Miami GP schlugen ein und führten dazu, dass McLaren im Titelrennen der Konstrukteure Red Bull besiegen konnte. 2023 mussten die Designer sogar zurück ans Reißbrett, das Strömungskonzept neu denken und die Geometrien umfassend überarbeiten.

Laut Andrea Stella gibt es beim aktuellen Boliden kein grundlegendes Designproblem. "Es geht vielmehr darum, die Entwicklung entlang eines grundsätzlich richtigen Konzepts zu beschleunigen", betonte Stella. Entsprechend heißt es abwarten. Erst in Miami wird sich zeigen, ob McLaren wieder In-Season-Entwicklungsweltmeister ist oder ob die Titelverteidigung einen entscheidenden Dämpfer erhält. Piastri hofft auf einen historischen Turnaround, mehr dazu erfährst du hier: