Seit Wochen zeichnete es sich schon ab, dass die Formel 1 in diesem Jahr auf ihre beiden Nahost-Rennen im Frühjahr verzichten muss. Jetzt ist es offiziell. Am Samstagabend deutscher Zeit gab die Königsklasse bekannt, dass die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien nicht wie geplant über die Bühne gehen werden.

Grund dafür ist der Krieg am Persischen Golf, in dessen Zentrum der Iran steht. Am 28. Februar hatten Israel und die USA mit koordinierten Luftschlägen den Iran angegriffen, der daraufhin mit einer Welle an Konter-Luftschlägen auf zahlreiche umliegende Staaten reagierte. Auch Saudi-Arabien und vor allem Bahrain waren bzw. sind von iranischen Angriffen betroffen. Der beidseitige Raketenbeschuss hält nach wie vor an, was eine längerfristige Planung für sämtliche Großevents in der Region unmöglich macht.

Formel-1-Kalender 2026: Werden Bahrain und Jeddah im Herbst nachgeholt?

Der Rennkalender der Formel-1-Saison 2026 umfasst somit nach jetzigem Stand nur 22 Grands Prix. Wie es in der Pressemitteilung heißt, wurden Alternativen in Betracht gezogen, aber letztendlich entschied man sich gegen Ersatz-GPs. In den Medien kursierten etwa Portugal, Imola oder die Türkei als Optionen. Wohl vor allem aus logistischen Gründen entschloss sich die Königsklasse gegen einen Ersatz. Damit klafft zwischen dem Großen Preis von Japan am 29. März und dem Miami-GP Anfang Mai eine beinahe fünfwöchige Pause im Rennkalender.

Allerdings behält sich die Königsklasse eine Hintertür offen, die Rennen doch noch in diesem Jahr durchzuziehen. In der Presseaussendung ist explizit nur davon die Rede, dass Bahrain und Saudi-Arabien nicht im April stattfinden werden. Das Zeitfenster für einen potenziellen Nachholtermin ist allerdings äußerst knapp.

Denn in den Sommermonaten ist aufgrund der klimatischen Voraussetzungen an Formel-1-Rennen in den Golf-Staaten nicht zu denken und im Herbst ist der Rennkalender mit Übersee-Terminen dicht gefüllt. Zwischen Oktober und dem Saisonfinale im Dezember stehen gleich zwei Tripleheader auf dem Programm, voneinander getrennt mit nur einem freien Wochenende.

Den aktuellen Formel-1-Kalender nach der Absage von Bahrain und Saudi-Arabien findet ihr hier:

Formel-1-CEO Stefano Domenicali wurde in der Mitteilung folgendermaßen zitiert: "Während uns die Entscheidung schwer gefallen ist, ist es leider die richtige zu diesem Zeitpunkt, wenn man sich die aktuelle Situation im Nahen Osten ansieht." Der Italiener bedankte sich bei der FIA und den betroffenen Promotern für die Zusammenarbeit.

FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem sagte: "Die FIA wird immer die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Gemeinschaft und Kollegen an die erste Stelle setzen. Nach sorgfältiger Überlegung haben wir diese Entscheidung getroffen, wobei wir uns dieser Verantwortung voll und ganz bewusst waren."

"Bahrain und Saudi-Arabien sind für das Gesamtbild unserer Rennsaison von unschätzbarer Bedeutung, und ich freue mich darauf, in beide Länder zurückzukehren, sobald es die Umstände zulassen", so Ben Sulayem weiter. Die Absage betrifft natürlich nicht nur die Formel 1 selbst, sondern auch alle geplanten Rahmenrennen. Darunter die Formel 2, die Formel 3 und die F1 Academy.

WEC-Rennen auf Oktober verschoben - Was macht die MotoGP?

Die Formel 1 folgt mit ihrer vorläufigen Absage auf die WEC. Die Langstrecken-WM hatte bereits wenige Tage nach dem Aufflammen des Konflikts die Testfahrten und den für das letzte März-Wochenende geplanten Saisonauftakt in Katar abgesagt. Das 1812-km-Rennen wird im Oktober nachgeholt. Noch nicht bekanntgegeben wurde, was mit dem MotoGP-Rennen in Katar passiert. Dieses ist für den 12. April geplant. Also für jenes Wochenende, an dem die Formel 1 in Bahrain hätte fahren sollen.

Die Königsklasse ließ sich bei der Absage etwas mehr Planungszeit als die Langstrecken-WM, wohl auch um die vertraglichen Rahmenbedingungen rund um die Absage mit den betroffenen Promotern zu klären. Die Nahost-Rennen zählen zu den zahlungskräftigsten Veranstaltungen im Rennkalender. Die Antrittsgebühren, welche die Formel 1 pro Jahr pro Rennen kassiert, sollen jenseits der 50 Millionen Euro liegen. Wer die finanziellen Einbußen für die Absage trägt, falls das Rennen nicht nachgeholt werden kann, wurde natürlich nicht kommuniziert.

Es ist bei beiden betroffenen Rennen nicht das erste Mal, dass sie aufgrund der Sicherheitslage in die Schlagzeilen geraten. 2011 verhinderten Proteste auf der Wüsteninsel eine Abhaltung des Bahrain-GPs. 2022 kam es am Wochenende des Saudi-Arabien-GPs unweit der Strecke zu einem Raketenangriff durch die jemenitischen Huthi-Rebellen auf ein Öllager. Damals wurde zwar über eine Absage diskutiert, das Rennen aber schließlich durchgezogen.