In der Formel 1 sind 2026 die politischen Spielchen im vollen Gange. Im Zentrum zahlreicher Diskussionen standen in den vergangenen Wochen die Zugeständnisse für im Rückstand befindliche Motorenhersteller, ADUO (Additional Development and Upgrade Opportunities) genannt. Vor allem Toto Wolff verschaffte sich Aufmerksamkeit, indem er wenig verklausuliert vor einer taktischen Aushöhlung der Nachbesserungs-Gelegenheiten warnte. Seiner Ansicht nach sollte nur Honda in den Genuss der zusätzlichen Motor-Entwicklungsmöglichkeiten kommen.

Trickst jemand am Motor? FIA erklärt Joker-Bemessung

Diese Ansage richtete sich vor allem an Ferrari, die chassismäßig als ebenbürtig gelten, aber eben aufgrund ihres schwächeren Motors im bisherigen Saisonverlauf gegen Mercedes unterlegen waren. Mit einem kleineren Turbo genießen die Roten Vorteile am Start, im Gegenzug dazu soll sich dieser mit einem Leistungsdefizit gegenüber dem Mercedes-Antrieb bemerkbar machen.

Außerdem sorgten Ferrari und Kundenteam Haas schon bei den Testfahrten mit einem Blech hinter dem Auspuff für Verwunderung. Dieses soll angeblich Abtrieb generieren, aber aufgrund des Auspuff-Drucks könnte es ebenfalls Leistung kosten. Es machen sogar Spekulationen die Runde, dass es die Aufgabe dieses Flügels sei, die wahre Motorleistung zu verbergen und möglichst viele ADUOs abzugreifen.

Konkret erlauben es die ADUOs Herstellern, welche mehr als zwei Prozent Rückstand haben, je eine zusätzliche Entwicklung am Motor in der laufenden Saison vorzunehmen und eine im Folgejahr. Teams mit mehr als vier Prozent Rückstand kommen sogar in den doppelten Genuss. Verkompliziert wird das Thema dadurch, dass der ADUO-Index, auf dem die Berechnung hätte basieren sollen, bisher nicht öffentlich zugänglich gemacht wurde.

ADUO nicht zu kompliziert gestalten: FIA erhält Absage von Formel-1-Teams

FIA-Techniker Nikolas Tombazis verschaffte in diesem Punkt jetzt Abhilfe. Er ließ bei einer Medienrunde in der Aprilpause wissen, dass die Berechnung auf Basis einer reinen PS-Messung erfolgt, und andere Aspekte wie etwa die Turbogröße nicht mit einbezieht. Und das, obwohl die FIA das damit verbundene Problempotenzial durchaus im Blick gehabt habe: "Es war natürlich bekannt, dass Motorleistung nicht nur eine Zahl ist."

2025 sei das Teil der Diskussionen zu den ADUO-Regeln gewesen, allerdings erhielt der Weltverband von den Teams dabei eine Absage: "Wir fragten, ob wir bestimmte Aspekte wie beispielsweise die Turbodrücke, die Turbodurchmesser oder die Temperatur im Ansaugkrümmer berücksichtigen sollten, und die allgemeine Haltung der PU-Hersteller lautete damals, dass wir es einfach halten sollten."

Deshalb geht es jetzt nur noch um die PS. "Es ist Fakt, dass die aktuellen Pferdestärken-Messungen des Verbrennungsmotors von Anfang an gut aufgenommen wurden", erklärte Tombazis. "Ich persönlich wäre ziemlich offen für die Idee, die Parameter ein bisschen komplizierter zu gestalten, aber diese Diskussion hatten wir vor mehr als einem Jahr und sie kam zu einem ziemlich klaren Ergebnis", sagte er weiter.

Ist Ferrari der große Profiteur?

Das bedeutet natürlich, dass Ferrari beispielsweise gut aussteigen könnte. Offizielle Zahlen zur Motor-Leistung sind nicht öffentlich zugänglich, deshalb lässt sich an dieser Stelle nur mutmaßen. Gerüchte und Berechnungen verorten den Ferrari-Antrieb im Bereich eines Defizits von etwa 20 PS und damit in einem ähnlichen Fenster wie Audi. Unter der Annahme, dass die Motorleistung auf Verbrenner-Seite bei etwa 500 PS liegt, würden damit beide mindestens in die 2-Prozent-Gruppe fallen und könnten am Motor nachbessern.

Die ADUOs unterteilen die Saison in drei Perioden von jeweils sechs Rennen. Das heißt, laut dem Reglement soll nach dem sechsten, zwölften und 18. Grand Prix jeweils der Rückstand bemessen werden und anhand dessen werden etwaige ADUOs ausgegeben. Im Moment ist allerdings unklar, wie das in Bezug auf die abgesagten Nahost-Rennen gehandhabt wird.

Laut Reglement würde sich die erste Periode bis nach den Monaco-GP Anfang Juni hinziehen. Im März liefen laut Informationen von Motorsport-Magazin.com Diskussionen darüber, den Termin nach vorne zu verlagern, um doch schon nach Miami die erste ADUO-Periode abzuschließen. Offizielle Informationen darüber, ob dieses Vorhaben abgesegnet wurde, gibt es allerdings keine.

Unabhängig davon dauert es aber ohnehin seine Zeit, bis Motorentwicklungen auch auf der Strecke in Form von Leistungen ankommen. Denn verglichen mit dem Chassis benötigen Updates an der Power Unit deutlich mehr Vorlaufzeit. Ob also ein absichtliches Einbremsen, um diese abzugreifen, tatsächlich zielführend ist, lässt sich bezweifeln.

Tombazis betonte im Zuge derselben Medienrunde erneut nochmal, dass es sich bei den ADUOs keineswegs um eine Balance of Performance handelt, wie diese in verschiedenen Sportwagen-Klassen zu finden ist. Was genau das System der Motor-Zugeständnisse in der Formel 1 von solch einer unterscheidet, könnt ihr hier nachlesen: