Die Formel 1 erwacht aus ihrem Aprilschlummer und befindet sich gerade auf dem Weg zum vierten Saisonlauf - dem Restart in Miami nach der durch den Irankrieg erzwungenen einmonatigen Pause. Natürlich war es für kein Team ein Schlummer. Überall wurde fleißig gearbeitet, die in den ersten drei Rennen von 2026 entdeckten Probleme auszuräumen. Für einige war dieses Timing ein klarer Vorteil.

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Daher analysiert Motorsport-Magazin.com jetzt wenige Tage vor dem Start ins Miami-Wochenende am 1. Mai die Hintergründe und schätzt ein, wem der April potenziell am meisten geholfen hat - und wem es am meisten schaden konnte, dass die Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien nicht gefahren wurden.

Für diese zwei Top-Teams kam die Formel-1-Pause perfekt

Über die Updates von McLaren wurde schon vor der Pause viel gesprochen, und der April hat das bloß weiter angeheizt. Das Team schwört seit den Testfahrten darauf, dass man mit einem recht spät fertiggestellten MCL40 eine hervorragende, aber noch unterentwickelte Plattform hat, der es eben noch an Abtrieb mangle. Ein Update in Miami war immer der Plan gewesen, inzwischen steht fest, dass es verteilt auf Miami und Kanada kommen wird.

Bei keinem Team ist der Glaube außerdem so hoch, dass ein großes Update-Paket wirklich sitzt. McLaren war in den letzten Jahren Meister des Zusammenstellens großer Pakete ohne Korrelationsprobleme. Wer seine Werkzeuge so gut im Griff hat, den fürchtet die Konkurrenz.

Durch das Wegfallen zweier Rennen hat McLaren potenziell weniger Punkte mit der schwachen A-Version des Autos liegengelassen. Außerdem hatte man Zeit, drei Rennen an Motor-Daten zu zerpflücken und herauszufinden, wie das Mercedes-Werksteam den identischen Motor bislang besser nutzte.

Zumindest in Sachen Chassis mit klaren Defiziten sitzt Red Bull in einem ähnlichen Boot. Wenn es auch nicht so ein klarer Vorteil ist wie für McLaren. Die ersten Updates kamen hier schon in Japan und waren alles andere als ein Erfolg. Potenziell mit diesen Teilen in Bahrain am Ort der Testfahrten Daten zu sammeln und die Korrelation von Windkanal und Strecke zu überprüfen, wäre sicher kein Schaden gewesen.

Nichtsdestotrotz bringt Red Bull in Miami wohl auch ein Update-Paket. Das suggerieren Spyshots von einem geheimen Filmtag in Silverstone, welche Spekulationen um größere Umbauten beim Seitenkasten und sogar um eine Kopie von Ferraris berühmt-berüchtigtem "Macarena"-Heckflügel auslösten. Da der Red-Bull-Motor gar nicht mal so schlecht scheint, hilft wie McLaren jedes nicht gefahrene Rennen in der Frühphase. Vorausgesetzt, die Updates sitzen.

Was hat Audi im April alles finden können?

Bei Audi freute sich Teamchef Mattia Binotto zuletzt, endlich einmal durchatmen zu können. Viel Kleinkram war an den ersten drei Wochenenden zu lösen gewesen, mitten im Stress der Rennwochenenden kam man einfach nicht dazu, größere Projekte anzugehen. Die Pause war genau richtig. Ob jetzt auf technischer Seite, oder auch beim Personal, wo Allan McNish zu Binottos zweitem Mann ernannt wurde:

Technisch ist ein Update für Miami angekündigt, auch Audi fuhr vor kurzem einen Filmtag. Die Zeit half auch, die Probleme der ersten Wochen mit dem Antriebsstrang zu zerpflücken. Binotto zog erst vor kurzem das Fazit, dass nur die Hälfte des Motor-Defizits reine Leistung sei, der Rest sei Fahrbarkeit. Ein Monat Zeit, um den Einfluss von Getriebe und Elektro-Deployment und potenzielle Änderungen hier zu eruieren, ohne sich permanent aufs nächste Rennen konzentrieren zu müssen, kommt genau richtig.

Wenn es darum geht, möglichst wenige Rennen mit einem schlechten Starterpaket zu fahren, muss schließlich noch Williams genannt werden. Die haben sehr klar umrissene Probleme, und um Gewicht zu verlieren, muss man nicht unbedingt Daten auf der Strecke sammeln. Jedes nicht gefahrene Rennen in der ersten Saisonhälfte ist ein Rennen weniger mit signifikantem Übergewicht.

Droht den zwei besten Formel-1-Teams ab Miami Ungemach?

Jedes nicht gefahrene Rennen ist für Mercedes dafür ein Rennen weniger, in dem sie ihren aktuellen Vorteil ausspielen können. Zwei Rennen weniger schmerzen, erst recht, wo die Lücke doch groß, aber nicht gigantisch ist. Würden sie später im Jahr mit potenziell geändertem Kräfteverhältnis nachgeholt, wäre es doppelt bitter. Die für Kanada angekündigte Updates sind also gar nicht einmal so unwichtig.

Natürlich war der Vorsprung der ersten Wochen dennoch beträchtlich. Hier gilt es am Rande aber anzumerken: Auch Red Bulls 2024-Vorsprung auf die späteren Konstrukteurs-Weltmeister McLaren war anfangs beträchtlich. Vor Miami lag man damals im Qualifying ungefähr vier Zehntel vor McLaren. McLarens 2026-Rückstand auf Mercedes in China und Japan? Rund vier Zehntel. Und mit einem neuen Reglement wie 2026 sind große Sprünge durch Update-Entdeckungen auf dem Papier sogar einfacher.

Ferrari weiters auf der Liste der Risiko-Teams zu finden, mag bei dem Update-Hype der letzten Wochen ungewöhnlich anmuten. Müsste die Scuderia nicht in einem Atemzug mit McLaren genannt werden? Das Problem ist: Der Ferrari hat nicht nur eine solide Basis, sondern war auf Chassis-Seite seit den Testfahrten sehr gut aussortiert und hinter dem Mercedes zweitbestes Auto im Feld.

Der Rückstand soll vor allem von einem Leistungs-Defizit kommen, Zahlen im Bereich von 20 PS kursieren. Dass man potenziell die vom Reglement erlaubten Entwicklungs-Zugeständnisse bekommt, wird wenn überhaupt erst in Monaten Auswirkungen zeigen. Daher ist es schon ein Muss, dass das angekündigte große Miami-Paket mit Macarena-Flügel und so weiter liefert. Ein geupdateter McLaren mit aussortiertem Energie-Deployment könnte den SF-26 sonst schnell aus dem Podiumskampf kegeln.

Charles Leclerc testet den Macarena-Heckflügel beim Ferrari-Filmtag in Monza
Ferrari testete in Monza einen neue Version des Macarena-Flügels, Foto: IMAGO / NurPhoto

Was kann im Formel-1-Mittelfeld ab Miami passieren?

Im gleichen Boot sitzt Motorkunde Haas. Im Mittelfeld ist die Lage sogar noch prekärer, weil die Lücken hier ohnehin stets kleiner sind. Die Konkurrenz, besonders die Mercedes-motorisierte von Alpine, scheint genau zu wissen, wo man Performance holen kann, egal ob im Chassis-Bereich gegen eine stumpfe Vorderachse besonders in schnellen Kurven oder im Motoren-Bereich am Mercedes-Deployment zu arbeiten.

Eine philosophische Frage stellt sich bei Aston Martin. Ein Monat Pause als idealer Moment, um die Vibrations-Probleme des Honda-Motors nachhaltig anzugehen, das leere Ersatzteil-Lager endlich aufzufüllen und ein erstes großes Update-Paket für das mit Verspätung gesattelte Chassis zu produzieren? Klingt schlüssig, aber es gibt auch Gegenargumente.

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Aston Martin ist mit dem AMR26 4.801 Kilometer plus einen Filmtag gefahren. Acht der anderen zehn Teams reisten schon mit mehr Kilometern zum Saisonauftakt. Immer noch ist es schwierig, eine Renndistanz zu beenden. Echte Kilometer sind letztendlich durch nichts zu ersetzen.

Wenn das Team und Honda recht haben und sie die Vibrationen nach Japan bereits im Griff gehabt hätten, so wären zwei zusätzliche Rennen für mehr Daten alles andere als schlecht gewesen.

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