Williams galt für die Formel-1-Saison 2026 als Geheimtipp. Die Teamführung sowie die Fahrer hegten nach einem positiven Trend und starken Einzelresultaten im Jahr 2025 ebenfalls hohe Erwartungen. Ihre Ziele sind nach den ersten drei Rennen mit dem neuen Reglement jedoch in weite Ferne gerückt. Der FW48 ist ein Problemfall, der trotz Mercedes-Motor keine Ergebnisse bringt. Für Carlos Sainz ist die Krise ein Schock mit Ansage.

"Natürlich ist es ein Schock für mich, für das gesamte Team, James [Vowles, Teamchef], Alex, alle Ingenieure", erklärt der 31-jährige Spanier, der 2025 von Ferrari zum britischen Traditionsrennstall nach Grove wechselte. In seinem ersten Jahr für das Team ließ er mit dritten Plätzen in Baku und Katar aufhorchen. Die Vorboten eines wiedererstarkten Williams, mit neun WM-Titeln statistisch immer noch das dritterfolgreichste Formel-1-Team hinter Ferrari und McLaren, waren jedoch schon im Winter längst verstummt.

"Ich habe das im Dezember, Januar schon kommen sehen und mich auf den Aufprall gefasst gemacht, weil man bei uns begann, von Verspätungen zu sprechen", so Sainz. Ende Januar hatte Williams den ersten Barcelona-Test mit dem 2026er Reglement absagen müssen, weil das neue Auto nicht bereit war. Bald darauf wurde das eklatante Übergewicht des Chassis publik, das mehr als vier Kilogramm über dem neuen Mindestgewicht von 768 Kilogramm lag.

Carlos Sainz traute Williams-Trend schon 2025 nicht

In der seit 2014 bestehenden Hybrid-Ära durchlief Williams eine sportliche Achterbahnfahrt. Als Mercedes-Kunde war das Team mit Felipe Massa und Valtteri Bottas zunächst zwei Jahre lang die dritte Kraft. Danach begann ein schleichender Abstieg. Zwischen 2018 und 2022 belegte Williams vier Mal den zehnten und letzten Platz in der Konstrukteursweltmeisterschaft. Im August 2020 wurde das krisengebeutelte Familienteam von Gründertochter Claire Williams an Dorilton Capital verkauft.

Mit den neuen Eigentümern setzte 2025 erstmals ein spürbarer Aufwärtstrend ein. 2024 noch Neunter mit 17 Punkten, holten Alex Albon und Carlos Sainz im Vorjahr Platz fünf und 137 Punkte. Der Spanier traute diesem unverhofften Durchbruch schon damals nicht über den Weg. "Ich wusste, dass Williams an einem Punkt stolpern wird. Nicht alle Wege zum Erfolg verlaufen linear", so Sainz. Rückblickend habe Williams über den eigenen Verhältnissen gelebt und sich vom schnellen Erfolg blenden lassen.

"Wir waren nicht wo wir hingehören oder überhaupt auf dem Level, von dem wir dachten, auf dem wir als Team wären", so der viermalige GP-Sieger. "Vor drei, vier Monaten, als wir Fünfter in der Weltmeisterschaft waren und in der zweiten Saisonhälfte Podien hatten, war das Momentum stark, das Selbstvertrauen hoch. Du kannst die Fehler des Teams dann fast nicht mehr wahrnehmen. So läuft es im Sport generell. Wenn es gut läuft, verstehst du nicht, dass du manche Dinge immer noch nicht wirklich richtig machst."

Formel-1-Krise soll Williams-Virus abtöten

Durch die Krise hofft Sainz, dass Williams nun wirklich das Fundament für nachhaltigen Erfolg legen kann: "Es geht jetzt um Widerstandsfähigkeit und darum, wie du dich von diesem Rückschlag erholst. Es kommt darauf an, dass dieser Rückschlag all die schlechten Eigenschaften, die sich im Team, ins Design des Autos, in die Fertigung eingeschlichen und für ein übergewichtiges Chassis gesorgt haben, zu beseitigen. Wenn wir diesen Virus abtöten, den wir als Team in uns getragen haben, können wir uns gut davon erholen. Das könnte dann den gegenteiligen Effekt haben, also einen großen Schritt in der Performance."