Kein Jahr hielt die neue Doppelspitze bei Audi in der Formel 1. Am 1. April 2025 hatte Jonathan Wheatley als Teamchef angefangen, am 20. März 2026 trennten sich die beiden Parteien wieder. Mattia Binotto bleibt als Alleinherrscher zurück. Für F1-Experte Christian Danner eine schwierige Angelegenheit, denn es ist sicher ein Verlust, muss aber kein Fehler sein.
Strukturell wäre es natürlich besser gewesen, wenn bei Audi mit der Doppelspitze Ruhe einkehren hätte können. Mit dem Ex-Ferrari-Teamchef Binotto als Projektleiter mit Fokus auf das große Ganze und auf die Fabriken in Hinwil und Neuburg an der Donau, während der ehemalige Red-Bull-Sportdirektor Wheatley ihm die Last der Leitung des Rennteams an der Strecke abgenommen hätte.
"Das war auf jeden Fall ein sehr guter Move, denn der Mann hat eine irrsinnige Erfahrung, ist extrem kompetent und wäre natürlich für Audi ein ganz wichtiger Baustein gewesen, dieses Team eben zu dem zu machen, was man haben will", meint Danner im 'AvD Motorsport Magazin' über Wheatley. "Nämlich ein echtes Team, was funktioniert, wo die Kommunikationskanäle funktionieren, wo man sich austauschen kann, wo man eben weiß, dass man gemeinsam eine Entwicklung betreibt."
"Das hat aber offensichtlich nicht funktioniert", stellt Danner fest. Auf den ersten Blick mag das für Außenstehende recht schwer nachzuvollziehen sein. Seit Wheatley im April 2025 seinen Dienst antrat, machte das Team kontinuierlich Fortschritte. Es schien auch endlich Stabilität da, was in der vorangegangenen Ära mit Querelen im Projektmanagement nicht der Fall gewesen war.
Konflikt um Ex-Teamchef Jonathan Wheatley bei Audi?
Deswegen hatte Audi ja 2024 auch durchgegriffen und Binotto und Wheatley quasi für einen Management-Reset angeworben. Doch hinter den Kulissen lief es auch bei der neuen Partnerschaft ab 2025 nicht harmonisch, meint Danner: "Laut meinen Informationen war es durchaus so, dass Jonathan Wheatley sich da nicht besonders, ich sag's mal, diplomatisch angestellt hat, als er in Hinwil das Zepter in der Hand hatte." Das komplette AvD Motorsport Magazin gibt es hier im Video:
Wheatleys Abschied in eine voraussichtlich monatelange Sperrfrist, an deren Ende er Gerüchten zufolge bei Aston Martin andocken könnte, muss also bei weitem nicht nur damit zusammenhängen, dass er vom kriselnden Team von Lawrence Stroll ein Millionenangebot erhalten haben könnte.
"Letztendlich ist es glaube ich aber so, dass einzig Mattia Binotto derjenige ist, der den Hut aufhat", fürchtet Danner einen weiteren internen Konflikt als Ursache für Wheatleys Abgang. "Wenn in irgendeiner Art und Weise zwischen den beiden etwas nicht gestimmt hat, ist es wurscht, welcher Seite zu welcher Seite, dann ist klar, dass hier dieses Thema nicht weitergeht."
Audi-Harmonie gewahrt? Gemischte Sache für Christian Danner
Die Folgen sind so kurz nach der Trennung noch nicht abzusehen. Binotto stellte am Rande des Japan-Wochenendes klar, dass er ab jetzt den Teamchef-Posten bekleiden wird. Zusätzlich zu seiner bisherigen Rolle aber - das macht es schwierig für ihn, etwa bei jedem Rennen vor Ort zu sein. Daher will Binotto evaluieren, wie man sich für die Zukunft optimal aufstellen kann, und welche Änderungen oder potenziell Neuverpflichtungen nötig werden.
Ob das klappt? Wheatleys Verlust bleibt "eine gemischte Sache" für Danner: "Auf der einen Seite tut es mir leid für Audi, weil das ein ganz, ganz kompetenter Mann ist. Auf er anderen Seite - wenn er da halt nicht reinpasst, dann ist er dann doch der falsche Mann. Ich würde mal so sagen: Kompetenz hat man mit ihm verloren, aber vielleicht hat man ein wenig Harmonie gewonnen. Aber das kann einzig Mattia Binotto beurteilen und verhackstücken letztendlich."
Mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bei Audi landen wird also Christian Horner. Für ihn scheint es zunehmend schwierig, einen seinen Ansprüchen gerecht werdenden F1-Job zu ergattern. Sein alter Rivale Toto Wolff ahnt warum:



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