Vor einer Woche gab es bei Audi den großen Knall: Teamchef Jonathan Wheatley verließ das Team nach nicht einmal einem Jahr "aus persönlichen Gründen", wie es vom Konzern hieß, mit sofortiger Wirkung. Mattia Binotto, Chef des Audi F1-Projekts und jetzt zusätzlich Teamchef, ergänzte die offizielle Kommunikation nun um ein entscheidendes Detail.

"Letzten Freitag sagte Jonathan zu uns, dass er sich aus persönlichen Gründen nicht langfristig bei Audi engagieren könne. Das können wir nicht beurteilen, das müssen wir respektieren. Als Konsequenz haben wir als Team entschieden, ihn von seinen Aufgaben zu entbinden", verriet Mattia Binotto im Interview mit dem PayTV-Sender Sky. Es war also kein ganz freiwilliger Abschied.

Audi CEO Gernot Döllner hatte bei der Bekanntgabe von Wheatleys Abschied schon angekündigt, dass die neue Audi-Struktur nicht in Stein gemeißelt ist: "Wir konzentrieren uns mit aller Kraft darauf, ein Hochleistungsteam aufzubauen, das ab 2030 um Weltmeisterschaften in der Formel 1 fährt. Dafür werden wir unsere Organisationsstrukturen kontinuierlich weiterentwickeln, um unser gemeinsames Ziel nachhaltig zu erreichen."

Verstärkung für Audis Formel-1-Team noch im April?

Änderungen könnte es sogar schon bald geben, wie Binotto andeutet: "Wir denken nun nach, wie wir uns reorganisieren. Wir haben jetzt den April frei, das ist eine gute Gelegenheit, uns da neu aufzustellen. Wir haben dafür viele Ideen."

Die Idee der Doppelspitze wurde aber wohl endgültig verworfen. Audi verrannte sich schon mit der Ernennung von Oliver Hoffmann vom Entwicklungsvorstand zum Generalbevollmächtigten für das Formel-1-Projekt. Dort kam er nur dem de-facto-Teamchef Andreas Seidl in die Quere.

Die Nachfolge-Doppelspitze mit Wheatley und Binotto sahen viele von Anfang an als Geburtsfehler. Erst mit der Ernennung Binottos zum Head of Audi F1 Project im Mai 2025 schienen die Fronten wieder geklärt. Doch offenbar blieb das Verhältnis nicht ganz einfach. Wheatley berichtete nicht an Binotto, sondern parallel mit ihm an Audi-Boss Döllner.

Zwei Versuche gescheitert: Kein Doppelspitze mehr bei Audi

Aus zwei gescheiterten Doppelspitzen hat man bei Audi gelernt. "Wir schauen nicht nach einem neuen Teamchef", stellt Binotto klar. Trotzdem braucht er jemanden, der ihm den Rücken freihält - aber ihm eben nicht in selbigen fällt, wenn es um Machtfragen geht.

"Ich muss mich jetzt neu organisieren und die Strukturen des Teams näher analysieren. Es gibt so viel zu tun in der Fabrik, jemand muss mich dabei unterstützen. Wir müssen das Team und das Auto entwickeln und ich muss voll auf meinen Job fokussiert sein", so Binotto. Denkbar ist die neue Position eines Einsatzleiters oder Sportdirektors, der das Team an der Strecke leitet, in Hinwil und Neuburg aber nicht dazwischenfunkt.