Die Test-Saison der Formel 1 ist vorbei. Am Freitag endete in Bahrain die letzte Test-Woche, nächster Stopp ist der Saisonstart in Australien am 8. März. Dafür scheint Audi bestens gerüstet. Die deutschen Neueinsteiger haben nach einer Serie an Etappensiegen im ersten F1-Winter vielleicht noch nicht Grund zum Feiern, aber sicher Grund zur Zuversicht.
Am letzten Tag in Bahrain mischte Gabriel Bortoleto auf P7 erneut gut im F1-Mittelfeld mit und verlor nur drei Zehntel auf Mittelfeld-Benchmark Alpine. In den letzten Tagen scheint sich herauszukristallisieren, dass Audi performance-technisch vielleicht noch kein Top-Team sein mag, aber durchaus mit den etablierten Mittelfeld-Projekten Alpine und Haas um den Titel "Best of the Rest" kämpfen könnte.
Damit muss sich Audi nicht verstecken. Klar, das Team an sich ist nicht neu, sondern im Kern immer noch die im schweizerischen Hinwil beheimatete Sauber-Mannschaft, welche letztes Jahr schon vorn im Mittelfeld mitzukämpfen vermochte. Aber das heißt nicht, dass Audi automatisch dort wieder weitermachen sollte.
Audi jubelt: Riesen-Projekt Formel 1 erfüllt alle 2026-Deadlines
Teamchef Jonathan Wheatley erinnert am Freitag: "Über den Winter haben wir mehrere hundert Leute nach der Erneuerung unserer Fabrik umgesiedelt, zahlreiche neue Partner gewonnen, jedes Element unserer streckenseitigen Infrastruktur erneuert - vom Boxenequipment über Boxenmauern und Hospitality -, alles wurde im Zeitplan geliefert."
Audi hat über die letzten Monate in Hinwil komplett umgebaut, und obendrauf steckt im Heck des R26 der erste eigene Formel-1-Motor. Dass man nach den drei gemeinsamen Test-Wochen in Barcelona und Bahrain schon mit arrivierten Teams mithält, welche obendrauf Kundenmotoren von Ferrari und Mercedes nutzen, ist da nicht selbstverständlich. Genauso wenig die 4.980 gefahrenen Kilometer. Das sind nur 68 weniger als Red Bull.
| Team | Barcelona | Bahrain I | Bahrain II | Gesamt |
|---|---|---|---|---|
| Mercedes | 2.324 km | 1.526 km | 2.338 km | 6.188 km |
| Haas | 1.821 km | 2.111 km | 2.186 km | 6.118 km |
| Ferrari | 2.044 km | 2.278 km | 1.753 km | 6.076 km |
| McLaren | 1.355 km | 2.284 km | 2.138 km | 5.777 km |
| Racing Bulls | 1.486 km | 1.770 km | 2.203 km | 5.458 km |
| Alpine | 1.621 km | 1.721 km | 1.943 km | 5.285 km |
| Red Bull | 1.411 km | 1.856 km | 1.781 km | 5.048 km |
| Audi | 1.132 km | 1.916 km | 1.932 km | 4.980 km |
| Williams | 0 km | 2.284 km | 1.992 km | 4.275 km |
| Cadillac | 764 km | 1.732 km | 1.434 km | 3.930 km |
| Aston Martin | 303 km | 1.115 km | 693 km | 2.110 km |
Der Motor hält, er läuft, er und das Auto liefern zusammen eine beeindruckend solide Basis. "Wir waren auch das erste Team, das ein 2026er-Auto nach erfolgreichen Crashtests in der zweiten Januarwoche auf der Strecke hatte", erinnert Wheatley an den sehr frühen Filmtag. Da schon bewies man, wie gut man im Zeitplan lag, auch wenn es bei den ersten drei Test-Tagen in Barcelona noch stockte.
Audis Problemliste beim Test? Haben - noch - nicht alles gelöst
Erst am dritten Tag hatte man in Barcelona einen Tag ohne größere Garagenpause geschafft. Projektleiter Mattia Binotto sprach danach von der längsten Problemliste, die er je gesehen habe. In Bahrain sah es nun jedoch anders aus. Am ersten Tag kam schon ein großes Aero-Update, dann stellte sich Zuverlässigkeit ein, und in der zweiten Testwoche folgte die Pace.
"Schritt für Schritt haben wir viele dieser Punkte abgearbeitet und signifikante Fortschritte gemacht", bilanziert Binotto nun nach Bahrain. "Wir haben - noch - nicht alles gelöst, aber die Entwicklung und die Haltung im Team stimmen sehr zuversichtlich. Wenn wir uns anschauen, wo wir jetzt stehen, bin ich im Hinblick auf den Saisonstart positiv eingestellt."
Nichtsdestotrotz spricht Teamchef Wheatley von einer "immer noch substanziellen Jobliste" vor dem Saisonstart: "Wir haben starke Fortschritte über die letzten zwei Wochen erzielt, aber wir machen uns nichts vor, was die anstehenden Aufgaben oder das Niveau der Konkurrenz in Melbourne angeht."
Audi-Fazit: Sind dort, wo wir vor Formel-1-Saisonstart sein wollten
Von technischer Seite hat Audi bei den Testfahrten effektiv die Ziele erfüllt, meint der Technische Direktor James Key: "In Summe haben wir überwiegend das erreicht, was wir uns an diesem Punkt in der Saison und in der Entwicklung des Teams erhofft haben." Am Freitag schaffte Gabriel Bortoleto mit einer durchgängigen Simulation einer kompletten GP-Distanz am Stück auch diesen Meilenstein, nachdem Nico Hülkenberg am Vortag noch seinen Versuch hatte abbrechen müssen.
"Die Fahrer fühlen sich im Auto komfortabel, und es ist eine gute Plattform", sagt Key. "In Sachen Zuverlässigkeit und Performance gibt es Bereiche, die wir verbessern können, aber nichts davon ist an diesem Punkt unerwartet." Um die WM will Audi 2026 schließlich noch nicht mitfahren - mehr zur Timeline gibt es von Binotto hier:



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