Die Formel 1 testete 2026 erst fünf Tage in Barcelona, dann sechs in Bahrain. Von beiden Strecken reiste am Ende Ferrari mit Bestzeiten ab. Hat das im Fahrerlager das Gerede von wegen "Mercedes ist in einer neuen Ära nicht zu schlagen" abgestellt? Mitnichten. Die Test-Analyse von Motorsport-Magazin.com versucht, dem auf den Grund zu gehen, und die Favoriten zu benennen.

Dem vorausgeschickt seien wie jedes Jahr die üblichen Einschränkungen bei Test-Analysen: Jedes Team kann nur für sich selbst beurteilen, mit wie viel Benzin es auf welcher Runde unterwegs war, und welche Motormodi es schon eingesetzt hat. Vorteil 2026: Wegen der neuen Regeln gab es sehr viele Test-Tage, die für eine große Datenmenge sorgten.

TeamBarcelonaBahrain IBahrain IIGesamt
Mercedes2.324 km1.526 km2.338 km6.188 km
Haas1.821 km2.111 km2.186 km6.118 km
Ferrari2.044 km2.278 km1.753 km6.076 km
McLaren1.355 km2.284 km2.138 km5.777 km
Racing Bulls1.486 km1.770 km2.203 km5.458 km
Alpine1.621 km1.721 km1.943 km5.285 km
Red Bull1.411 km1.856 km1.781 km5.048 km
Audi1.132 km1.916 km1.932 km4.980 km
Williams0 km2.284 km1.992 km4.275 km
Cadillac764 km1.732 km1.434 km3.930 km
Aston Martin303 km1.115 km693 km2.110 km

Trotz komplett neuer Autos und Power Units wurde sehr viel gefahren. Die modernen Prüfstände sorgen dafür, dass selbst bei so einem Umbruchsjahr die Autos kaum mehr große Defekte erleiden. Nur zwei Teams hinken daher in der Kilometerwertung deutlich hinterher.

Defekte in den drei Test-Wochen der Formel 1 2026

TeamBarcelonaBahrain 1Bahrain 2
McLaren101
Mercedes022
Red Bull011
Ferrari011
Williams-00
Racing Bulls111
Haas100
Aston Martin124
Audi311
Alpine120
Cadillac033

Aston Martin kann schon froh sein, wenn man eine Renndistanz überlebt. Aktuell ist vor allem der Honda-Motor eine gigantische Baustelle. Bei Cadillac fährt das erste selbst gebaute Auto zwar, aber kein Team wird so oft von Kleinigkeiten eingebremst. Von den anderen 9 Teams hatte niemand über Gebühr Defekte zu verzeichnen, auch nicht die neuen Power-Unit-Hersteller Audi und Red Bull Ford.

Nur 6 Runden! Honda-Fiasko verschärft Aston Martins F1-Krise (14:21 Min.)

Ferrari brennt Bahrain-Feuerwerk ab - weil Mercedes & Co. nicht wollen?

Ohne Umschweife können wir also auf die Rundenzeiten zu sprechen kommen, beginnend mit den Qualifying-Simulationen. Der letzte Tag in Bahrain war die große Show des Charles Leclerc. Mit 1:31,992 setzte er ein klares Ausrufezeichen in der kühlen Nachtluft. Die besten Zeiten von Mercedes und McLaren waren über acht Zehntel langsamer.

FahrerTeamZeitRückstandReifenTag
1LeclercFerrari01:31,992 C4Freitag
2AntonelliMercedes01:32,803+ 0,811C3Donnerstag
3PiastriMcLaren01:32,861+ 0,869C3Donnerstag
4NorrisMcLaren01:32,871+ 0,879C3Freitag
5VerstappenRed Bull01:33,109+ 1,117C3Freitag
6RussellMercedes01:33,197+ 1,205C3Freitag
7HamiltonFerrari01:33,408+ 1,416C3Donnerstag
8GaslyAlpine01:33,421+ 1,429C5Freitag
9BearmanHaas01:33,487+ 1,495C4Freitag
10BortoletoAudi01:33,755+ 1,763C4Freitag
11ColapintoAlpine01:33,818+ 1,826C5Donnerstag
12HülkenbergAudi01:33,987+ 1,995C4Donnerstag
13LindbladRacing Bulls01:34,149+ 2,157C4Freitag
14OconHaas01:34,201+ 2,209C3Donnerstag
15HadjarRed Bull01:34,260+ 2,268C4Mittwoch
16SainzWilliams01:34,342+ 2,350C5Freitag
17LawsonRacing Bulls01:34,532+ 2,540C3Donnerstag
18AlbonWilliams01:34,555+ 2,563C5Donnerstag
19BottasCadillac01:35,290+ 3,298C3Freitag
20PerezCadillac01:35,369+ 3,377C5Mittwoch
21StrollAston Martin01:35,974+ 3,982C3Mittwoch
22AlonsoAston Martin01:36,536+ 4,544C3Mittwoch

Leclerc wurde am Freitagabend aber alleingelassen. Lando Norris und Max Verstappen spielten so halbherzig mit. Als Leclerc auf den weicheren C4-Reifen wechselte, stiegen sie aus. Mercedes zeigte sich gar nicht mehr, ihre beste Zeit ist eine von Kimi Antonelli vom Donnerstagabend. Aber beim Durchgehen der Rundenzeiten stellt man schnell fest: Leclerc war in Bahrain auch schnellster Mann auf dem C3-Reifen (1:32,655, immer noch eineinhalb Zehntel schneller).

Gerade hier stellen sich die ersten Mercedes-Fragen ein. Punkt eins: Ist George Russell nicht der schnellere Pilot? Russell ließ eine echte Zeiten-Attacke vermissen, seine beste Zeit des Tests fuhr er am Freitag in der wenig aussagekräftigen Mittagshitze. Darüber hinaus ortet die Konkurrenz bei Mercedes weiteres Versteckspiel durch mehr Benzin oder schwächeren Motormodi.

Wer fuhr welchen Mercedes-Motor in Bahrain - und mit wie viel Leistung?

Was sagen also die Geschwindigkeiten? Ferrari fiel in der zweiten Testwoche jedenfalls mit deutlich unterschiedlichen Geschwindigkeitsprofilen zu den Mercedes- und Red-Bull-Ford-Teams auf. Das lässt sich schon bei den Geschwindigkeitsmessungen an den Sektor-Linien sehen. Der Ferrari scheint etwa raus aus Kurve 4 weniger Elektro-Power zu nutzen. Auf schnellen Runden waren andere dort regelmäßig bis zu 10 km/h schneller. Dafür zeigte Leclerc merklich höhere Topspeeds.

Geschwindigkeitsmessungen sind in Bahrain 2026 nur mit Vorsicht zu genießen. Mit den neuen Power Units ist es teilweise noch unklar, wie man Energie-Rückgewinnung und Einsatz am besten ausbalanciert. Wie hoch die Varianz sein kann, zeigt McLaren. Lando Norris und Oscar Piastri fuhren zwei fast identische Rundenzeiten - mit völlig anderen Geschwindigkeitsprofilen. Norris kam 15 km/h schneller durch die Tempo-Messung nach der für die Energierückgewinnung kritischen Kurve 12.

Bis zum Ende der Testfahrten stieg das Ferrari-Ansehen trotzdem. Ja, die Lücke scheint für Mercedes schließbar zu sein, aber klare Favoriten sind sie auf einer Runde nicht mehr. "Dieser Test hat bestätigt, dass Ferrari und Mercedes die sind, die es zu schlagen gilt", bilanzierte McLaren-Teamchef Andrea Stella am Freitagabend.

Aber was ist dann mit diesen eigentlich guten McLaren-Zeiten? Norris und Piastri lagen nur Hundertstel hinter Antonelli. Im Fahrerlager wird weiters spekuliert, dass McLaren beim Test noch nicht die finale Ausbaustufe des Mercedes-Motors im Einsatz gehabt hätte. Eine Frage, die Stella am Freitag umschiffte. Und schließlich kamen die Rennsimulationen.

Mercedes bei Rennsimulationen abgängig - McLaren führt?

Nichts bietet bei einem Test bessere Vergleichbarkeit, als wenn Teams volltanken und einen theoretischen Bahrain-GP über 57 Runden mit regulären Boxenstopps durchfahren. Die Variable Benzin fällt dann raus. Tatsächlich sitzt der Leclerc-Ferrari auch hier an der Spitze - aber mit einem bizarren Dreistopper in der Mittagshitze.

Drei Stopps bedeuten weniger Reifenmanagement als die regulären Zweistopper, die Hitze verlangt dafür wieder mehr. So lässt sich die Leclerc-Simulation vom Freitag schwer einordnen. In der Zweistopper-Wertung führt der McLaren von Oscar Piastri. Aber das gilt es einzuschränken. Piastri fuhr zu perfekten Abendbedingungen am vorletzten Tag.

FahrerWann?ZeitReifenVerlust/RundeAnm.
LECT2 FR vorm.01:38,142C3-C2-C3-C2-3-Stopper
PIAT2 DO nachm.01:38,489C3-C2-C1+ 0,347- 2 Runden
VERT2 DO nachm.01:38,659C3-C2-C2+ 0,517-
NORT1 DO nachm.01:38,896C3-C1-C2+ 0,753nach 1x rot neu gestartet
LECT1 DO nachm.01:38,913C3-C2-C1+ 0,771-
HAMT1 FR nachm.01:39,044C3-C1-C2+ 0,902auf Auslaufrunde ausgerollt
BORT2 FR nachm.01:39,415C3-C2-C1-C3+ 1,2733-Stopper
PIAT1 FR nacm.01:39,465C3-C2-C1+ 1,323-
RUST1 FR vorm.01:39,868C3-C2-C1+ 1,726-
BEAT2 FR nachm.01:40,306C3-C1-C2+ 2,164-
OCOT2 FR vorm.01:40,393C3-C2-C1+ 2,251- 2 Runden, rot
LAWT2 DO nachm.01:40,501+ 2,359- 4 Runden, rot
LINT2 FR nachm.01:40,694C3-C2-C2+ 2,552-
BOTT2 DO vorm.01:42,343C3-C2-C1+ 4,201- 6 Runden
PERT2 FR vorm.01:42,446C3-C2-C1+ 4,304- 5 Runden

Tatsächlich fuhr auch Leclerc eine reguläre Zweistopp-Abendsimulation - in der ersten Testwoche, als die Strecke noch weniger Grip hatte. Dabei war er vier Zehntel pro Runde langsamer als Piastri eine Woche später. Das galt allerdings auch für eine fast zeitgleich stattfindende Simulation von Norris.

Wo ist hier Mercedes? Die sparten sich die vergleichbare Rennsimulation. Sie waren so gut aussortiert schon nach Barcelona gekommen, dass sie dort bereits eine hatten fahren können. In Bahrain fuhr George Russell noch eine in der ersten Woche am Vormittag. Wenig Grip, viel Hitze - perfekt für ein Team, das sich verstecken will. Russell war im Schnitt 1,4 Sekunden langsamer als Piastri eine Woche später bei Idealbedingungen.

Auch Red Bull zeigt sich nicht - Audi als Überraschung?

Red Bull wurde hier noch gar nicht genannt, denn sie fuhren einen maximal unscheinbaren Test. Am ersten Tag in Bahrain machte Mercedes noch viel Wind - das Energie-Management des Red-Bull-Motors sei eine Sekunde besser. Doch die große Runde von Max Verstappen kam nie, er knackte nicht einmal die 1:33er-Marke. Aus der Mercedes-Ecke tönte es prompt, Red Bull habe nach dem Wirbel des ersten Tages die Sandsäcke zugeladen.

Mit einer Rennsimulation knapp hinter der Piastri-Benchmark wagte sich Verstappen schließlich am vorletzten Tag leicht aus der Deckung. Das fördert die Theorie, dass Red Bull und McLaren auf ähnlichem Niveau unterwegs sind. Dass die vermeintlichen Favoriten Mercedes und Ferrari die ernsthaften Rennsimulationen in der zweiten Woche ausfallen ließen, verwässert das Bild dafür.

Die 11 Formel-1-Teams gereiht: Erstes Kräfteverhältnis 2026

An der Spitze hat Mercedes erfolgreich so wenig gezeigt, dass man ihnen den Favoritenstatus schwerlich wegnehmen kann. Die Souveränität von Barcelona und der ersten Bahrain-Woche tut da aber viel Arbeit. Ferrari sah in Bahrain auch besser aus, weil man bereit war, mehr zu zeigen. Ähnlich McLaren, die dank Runden bei Idealbedingungen etwas besser aussehen mögen, als sie es sind. Bei Red Bull müssten es wohl ordentliche Sandsäcke gewesen sein, um doch ganz vorn mitzuspielen.

Hinter den vier Top-Teams klafft eine riesige Lücke. Alpine und Haas lagen auf die einzelne Runde auch mit weicheren Reifen immer noch drei Zehntel hinter Verstappen. Audi fehlte noch ein kleines Stück. Man fuhr zwar beachtliche Rennsimulationen, aber zur besten Uhrzeit. Gabriel Bortoleto absolvierte außerdem drei Stopps. Nico Hülkenberg musste seine Simulation am Vortag vorzeitig abbrechen. Davor war er nur knapp schneller gewesen als das, was Esteban Ocon im Haas bei schlechteren Bedingungen zeigen konnte.

Alpine und Williams beendeten keine Rennsimulationen. Die Racing Bulls fuhren viele Runden, ohne dabei irgendwas Nennenswertes zu zeigen. Klar scheint nur, dass Cadillac abgeschlagen ist. Und Aston Martin aktuell wohl nicht einmal eine Renndistanz schafft. Vielleicht könnte das Auto sogar schneller - aber man ist so wenig gefahren, dass alles andere als ein elfter Platz in dieser Analyse nur schwer vertretbar ist.

P.Team
1Mercedes
2Ferrari
3McLaren
4Red Bull
5Haas
6Alpine
7Audi
8Racing Bulls
9Williams
10Cadillac
11Aston Martin