Isack Hadjar sicherte sich am Rennsonntag in Kanada das beste Ergebnis seiner noch jungen Red Bull-Laufbahn in der Formel 1. Bisher hatte er nur einen achten Platz zu Buche stehen, in Montreal fuhr er auf die fünfte Position. Doch der Franzose fiel nach der Zielankunft trotzdem in alles andere als Jubelstimmung.

Denn auch wenn sich ein Top-5-Resultat grundsätzlich einmal positiv liest, ist die Art und Weise, wie er dorthin gekommen ist, alles andere als ein Grund zur Freude. Der ausschlaggebende Punkt waren der strategische Totalausfall bei McLaren und der Defekt bei George Russell. Da blieb von den vier Topteams keine Konkurrenz mehr für Hadjar übrig. Auch dass mit Arvid Lindblads Racing Bull der schnellste Mittelfeld-Fahrer des Formel-1-Wochenendes vor dem Start mit einem Defekt stehenblieb, spielte Hadjar in die Karten.

Isack Hadjar entschuldigt sich bei Leclerc: War zu grob

Dadurch konnte sich der Teamkollege von Max Verstappen sogar zwei Strafen leisten, ohne seine Position zu gefährden. Zunächst erhielt Hadjar eine 10-Sekunden-Zeitstrafe für den Zweikampf gegen Charles Leclerc, gegen den er zunächst zu spät abdeckte und sich dann ein zweites Mal bewegte. Eine Aktion, die Hadjar rückblickend betrachtet leidtut: "Ich war zu grob. Wenn überhaupt, dann war es nicht einmal mit Absicht, ich wurde einfach verwirrt davon, wo er hinfuhr."

Leclerc hatte aber da schon zum Manöver angesetzt und geriet kurz neben die Strecke. "Ich beabsichtigte natürlich nicht, ihn aufs Gras zu drücken. Er ist ein sehr sauberer Fahrer", so Hadjar. "Da muss ich mich einfach entschuldigen, denn das war ein bisschen dumm", nimmt er sich selbst in die Kritik.

Die zweite Strafe erhielt er dafür, dass er in Runde 34 zu schnell unter doppelt geschwenkten gelben Flaggen gefahren war. Eine Kardinalsünde in der Formel 1, bei der mit der Sicherheit das höchste Gut gefährdet wird. Dementsprechend ließen die Stewards auch keine Milde walten und verhängten eine Stopp-and-Go-Strafe mit 10 Sekunden Stehzeit. Durch eine solche verliert man circa 30 Sekunden Zeit.

Ärger nach Formel-1-Rennen: "Wohin ist meine Pace verschwunden?"

Auch gegen diese Bestrafung hatte Hadjar nichts einzuwenden. "Die Strafen machen mir nichts aus. Ich denke, dass sie in Ordnung sind", war sein Statement dazu. Teamchef Laurent Mekies rügte den Racing-Bull-Aufsteiger vorsichtig, machte ihm aber keine großen Vorwürfe für die beiden Vergehen. "Er hat wahrscheinlich knapp eine Minute an Strafen bekommen. Aber in Bezug auf den grundlegenden Speed war er auf dem richtigen Level", so das Urteil des Bullen-Chefs.

Genau in diesem Punkt widersprach ihm aber sein eigener Fahrer. Denn Hadjar selbst war mit seiner Pace im Rennen alles andere als zufrieden: "Ich verstehe nicht ganz, wohin die Pace verschwand. Gestern hat sich das Auto großartig angefühlt, heute war es sehr schwierig zu fahren." Im Qualifying am Samstag war Hadjar noch ganz knapp hinter Verstappen gelandet, im 68 Runden andauernden Grand Prix enteilte ihm sein hochdekorierter Teampartner aber meilenweit.

Die Reifentemperatur, die auf dem Circuit Gilles Villeneuve immer ein heikler Faktor ist, sei es jedenfalls nicht gewesen. "In den ersten Runden schon. Aber dann war null Reifenverschleiß, es war sehr konstant. Aber selbst als ich sie ins Fenster bekommen hatte, hatte ich nicht die Pace. Ich habe keine Ahnung [warum]", rätselte Hadjar.

Falsche Reifenwahl! Strategie-Fail von McLaren nicht schlimm? (17:47 Min.)

Für Max Verstappen lief es beim siebten Rennen der Formel-Saison wie schon erwähnt besser. Der Niederländer sicherte sich das erste Podium im laufenden Jahr nach einem Duell mit Lewis Hamilton. Den Dank für dieses Podest schickte er mit einem Augenzwinkern an McLaren, ohne die falsche Reifenwahl des Weltmeister-Teams wäre P3 wohl kaum möglich gewesen.