Einen simplen, problemfreien ersten Formel-1-Test hat sich Neueinsteiger Audi in Barcelona sicher nicht erwartet. Dementsprechend ist noch keine Alarmstimmung angesagt am Freitag, selbst wenn der neue R26 auch am dritten Tag einen technischen Defekt erleidet. Projektleiter Mattia Binotto liefert am Nachmittag eine entsprechend nüchterne Bilanz.

An allen drei erlaubten Test-Tagen erlag der Audi R26 in Barcelona technischen Gebrechen. Am Montag musste Gabriel Bortoleto gar nach nur 27 Runden abstellen. Der Mittwoch war ein Schritt nach vorn, Nico Hülkenberg verlor nur durch einen wenig dramatischen Hydraulik-Defekt am Vormittag Zeit.

Audi meldet am letzten Test-Tag wieder Technik-Probleme

Am Freitag musste Bortoleto wieder länger aussetzen, wie er am Nachmittag verrät: "Wir haben ein paar Stunden mit ein paar Problemen verloren. Aber nachdem wir die gelöst haben, hatten wir eine solide Anzahl Runden." Nähere Details zur Natur des Problems will Audi nicht verraten.

Bortoleto schloss den Vormittag mit 66 Umläufen ab, ehe er für den Nachmittag an Hülkenberg übergab, der keine weiteren Probleme meldete und starke 81 Runden ergänzte. Trotzdem mahnt Bortoleto: "Es sind nicht so viele Runden wie ich gerne hätte."

Gabriel Bortoleto bei den F1-Testfahrten in Barcelona
Gabriel Bortoleto auf der Strecke beim Test in Barcelona, Foto: Audi Revolut F1 Team

Erst recht, wo Bortoleto - der eigentlich den ganzen Montag hätte fahren sollen - der größte Leidtragende der Probleme ist. "Ich würde sagen, das Team ist happy, dass wir ein paar Runden am Vormittag geschafft haben. Und hoffentlich am Nachmittag mit Nico, dass er ein paar Kilometer schafft und ein paar Themen verbessern kann, die aktuell anfällig sind."

Audi-Boss Mattia Binotto: Die längste F1-Problemliste meiner Karriere

Denn die Problem-Liste ist lang. Diesbezüglich nimmt Projektleiter Mattia Binotto kein Blatt vor den Mund: "Viel Arbeit steht an für die Fahrer, die Ingenieure in der Fabrik, um alle Probleme zu lösen, in Sachen Design, Operation, was auch immer wir gefunden haben. Für uns heißt es: Kein Stein bleibt auf dem anderen. Wir haben eine sehr lange Liste. Eine sehr, sehr lange Liste. Ich habe noch nie eine so lange Liste gesehen."

Das ist eine klare Ansage von einem Mann wie Binotto, der vor seinem Einstieg bei Audi auf eine über zwei Jahrzehnte lange Karriere bei Ferraris Formel-1-Team zurückblicken kann. Das heißt aber auch, dass er sich in seiner F1-Karriere noch nie in so einer Situation wiederfand, in der ein Team wie Audi ein Motoren-Projekt von Grund auf neu aufbaut.

"Ich würde zusammenfassen, dass es da viel zu lernen gibt, und dass wir viel lernen", meint Binotto also. "Wir wissen, dass es viel aufzubauen gilt. Die drei Test-Tage waren sehr wichtig, und ich denke, wir liegen gut im Rennen, wenn man bedenkt, an welchem Punkt in unserer Reise wir sind."

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Natürlich haben die Probleme Fahrtzeit gekostet. 243 Runden schaffte Audi insgesamt. Nur die verspätet angereiste Aston-Martin-Mannschaft (65) und das komplett neue Cadillac-Team (164) haben weniger. Benchmark Mercedes fuhr in drei Tagen 499.

Binotto benennt die Probleme aber letztendlich als "kleine, nicht dramatisch. Das ist erneut positiv, wenn wir nach vorn blicken." Sein Cheftechniker James Key erinnert: "Bei diesem Test ging es nie um Performance - es ging um das Validieren der Basis und um das Sicherstellen, dass unsere Kernsysteme zuverlässig funktionieren. Diesbezüglich haben wir gute Fortschritte und eine gute Basis für Bahrain geschaffen."

Die Audi-Fabriken in Hinwil und Neuburg haben jetzt gute eineinhalb Wochen Zeit, um möglichst viel auszusortieren, ehe es ab dem 11. Februar in Bahrain in die nächste Runde der Testfahrten geht. Auch für andere läuft der Barcelona-Test aber holprig. Etwa für Aston Martin - dafür hinterlässt der verspätet angereiste AMR26 einen spektakulären Eindruck wie wir in unserem ersten schnellen Technik-Check am Donnerstag feststellten: