Das erste Formel-1-Auto von Audi ist da! Am Dienstagabend präsentierte die Marke mit den vier Ringen in Berlin das finale Design für den Einstieg in die Königsklasse zur Saison 2026 auf einem Showcar. Dazu sorgten nicht veröffentlichte Renderings, die im Hintergrund auf der Bühne zu sehen waren, für Rätsel, was es mit dem echten Auto auf sich hat.

Knapp 400 geladene Gäste erlebten in der Eventlocation Kraftwerk den ersten öffentlichen Auftritt des Formel-1-Werksteams von Audi. Neben Audis F1-Boss Mattia Binotto und Teamchef Jonathan Wheatley sowie den beiden Fahrern Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto ließ es sich auch Gernot Döllner, der Vorstandsvorsitzende der Audi AG, nicht nehmen, dem Event beizuwohnen.

Nur ein Showcar bei der Präsentation? Unser Christian war beim Launch live in Berlin vor Ort und untersucht, was Audi zu verbergen hatte:

Rätsel um 2026er Formel-1-Auto - was verbirgt Audi? (07:36 Min.)

F1-Launch in Berlin: Audi-Puzzle fügt sich zusammen

Im November 2025 hatte Audi in München mit dem R26 Concept bereits einen Ausblick auf die Lackierung des Autos gegeben. Das radikale Design mit der Farbgebung Titanium, Audi-Rot und Karbon-Schwarz und der klaren Trennung der Farbbereiche ist geblieben. Damit die Sponsorenlogos nicht auf unterschiedlichen Farben verlaufen, musste das Layout geringfügig angepasst werden.

"Heute fügen sich viele Puzzleteile zusammen", sagte Audi-Boss Gernot Döllner. "Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich die intensive Vorbereitung auszahlt und die Leistung der Beteiligten sichtbar wird. Zum ersten Mal zeigt sich das gesamte Projekt in seiner vollen Kraft. Wir sind startklar und freuen uns darauf, mit unserem Auftritt in der Formel 1 Menschen auf der ganzen Welt zu begeistern."

Dass der erste Ingolstädter F1-Bolide den Namen R26 trägt, ist nach der Präsentation des Konzepts keine Überraschung. Auch die Sportprototypen wurden mit dem Buchstaben R und einer Zahl benannt.

Traurig macht die Typenbezeichnung Peter Sauber, der das Sauber-Team gegründet hatte, und jedes Auto mit dem Anfangsbuchstaben seiner Frau Christiane ehrte. Audi übernahm im vergangenen Jahr das Sauber-Team in Hinwil und damit auch den Startplatz in der Formel 1.

Der Audi ist allerdings das zweite Auto der Formel-1-Geschichte mit der Bezeichnung R26. Renault startete 2006 mit dem R26 - und wurde Fahrer- und Konstrukteursweltmeister. Ein gutes Omen? Davon dürfte Audi beim Formel-1-Debüt weit weg sein. Der Angriff auf die Titel ist für 2030 geplant, 2026 ist der Startschuss für Mission 2030.

Audi zeigt nur Showcar: Echtes Formel-1-Auto noch auf dem Prüfstand

Bei der Technik sorgte Audi für reichlich Verwirrung. Das Design wurde auf einem Showcar präsentiert. Dabei gäbe es eigentlich schon ein echtes Auto. Die Jungfernfahrt hat der R26 bereits erfolgreich absolviert. Im Rahmen eines geheimen Filmtags fuhr Audi als erstes Team überhaupt mit einem Formel-1-Auto der Generation 2026. Nico Hülkenberg fuhr die historischen ersten Kilometer am 9. Januar in Barcelona in einem komplett schwarz gehaltenem Audi.

Mehr als Funktionstests waren dabei nicht möglich. Jedem Team stehen pro Saison nur zwei Filmtage zur Verfügung. Dabei dürfen maximal 200 Kilometer pro Tag zurückgelegt werden. Pirelli liefert spezielle Reifen, damit keine Rückschlüsse auf die Performance gezogen werden können. Hülkenberg ließ sich zu keinerlei Aussagen zu seinen ersten Kilometern hinreißen.

Dass das echte Auto nicht gezeigt wurde, hat zwei Gründe. Der Bolide läuft gerade auf dem Gesamtfahrzeugprüfstand bei AVL in Graz. Außerdem wollen die Ingenieure keine Informationen preisgeben. Das zeigte sich leider auch daran, dass keine Renderings, also Computer-generierte Bilder veröffentlicht wurden.

Im Hintergrund der Präsentation waren allerdings Renderings zu sehen. Die dort gezeigte Variante unterscheidet sich stark vom Showcar. Allerdings, so hörte Motorsport-Magazin.com, soll es sich nicht um ein repräsentatives Rendering handeln. Das Auto, das in Barcelona den geheimen Filmtag abspulte und auch beim F1-weiten Shakedown im Einsatz ist, sieht gänzlich anders aus. Auch die Ausbaustufe für den Bahrain-Test soll dem Rendering nicht ähnlich sehen.

Unsichtbar ist die erste Power Unit der Ingolstädter, die unweit des Hauptsitzes Ingolstadt in Neuburg an der Donau entwickelt und gebaut wird. Der Motor trägt die Typenbezeichnung AFR 26 Hybrid. AFR steht dabei für Audi Formula Racing.

Das offizielle Rennstrecken-Debüt gibt der R26 beim Shakedown aller Teams in der kommenden Woche in Barcelona. Im Februar finden anschließend zwei Testfahrten in Bahrain statt, ehe am 8. März die Saison im australischen Melbourne startet.

Audis Weg in die Formel 1: Vom Projektteam zum ersten F1-Rennen

  • Frühjahr 2022: Audi baut ein Projektteam auf, das ein Konzept für die Power Unit entwickelt und den Einstieg in die Formel 1 vorbereitet.
  • Juli 2022: Gründung der Audi Formula Racing GmbH (AFR).
  • August 2022: Auf einer Pressekonferenz beim Belgien GP in Spa verkündet Audi seinen Einstieg als Power-Unit-Hersteller zur Saison 2026 - damals noch mit CEO Markus Duesmann und Entwicklungs-Vorstand Oliver Hoffmann.
  • Ende 2022: Audi gibt Sauber als künftigen strategischen Partner für das Formel-1-Projekt bekannt, die Schweizer Mannschaft geht damit ab 2026 als Audi Werksteam an den Start.
  • Ende 2022: Mit bp wird eine strategische Partnerschaft vereinbart, die die gemeinsame Entwicklung des ab 2026 vorgeschriebenen nachhaltigen Kraftstoffs vorsieht.
  • Dezember 2022: 3.000 Quadratmeter großer Neubau am Kompetenz-Center Motorsport in Neuburg an der Donau als Erweiterung für die Formel 1 wird angekündigt.
  • 13.12.2022: Andreas Seidl kündigt als McLaren-Teamchef und wechselt als CEO zu Sauber.
  • Frühjahr 2023: In Neuburg beginnt der Bau des neuen Gebäudes F10. Die Erprobung der einzelnen Komponenten der Audi F1 Power Unit auf dem Prüfstand beginnt.
  • Mai 2023: Im Neubau in Neuburg werden die ersten Prüfstände mittels Containerbauweise installiert.
  • Juni 2023: Neel Jani wird Simulatorfahrer für die Antriebsentwicklung im Audi F1-Projekt.
  • 29.06.2023: Audi-CEO Markus Duesmann, der das F1-Projekt maßgeblich gestaltet hat, muss vorzeitig gehen. Unter Nachfolger Gernot Döllner wird der Einstieg noch einmal geprüft.
  • Herbst 2023: Der V6-Motor läuft erstmals auf dem Prüfstand.
  • März 2024: Audi gibt die vorzeitige vollständige Übernahme von Sauber bekannt. Oliver Hoffmann übernimmt Gesamtverantwortung für das Formel-1-Engagement, Andreas Seidl wird CEO des Audi F1 Teams.
  • April 2024: Nico Hülkenberg unterzeichnet einen Vertrag, wechselt 2025 zu Sauber und ist ab 2026 Audi-Werksfahrer.
  • Mai 2024: Die komplette Audi F1 Power Unit läuft als Einheit auf dem Prüfstand und legt simulierte Renndistanzen zurück.
  • 23.07.2024: Andreas Seidl und Oliver Hoffmann müssen gehen, Mattia Binotto übernimmt am 1. August als COO und CTO bei Sauber.
  • 01.08.2024: Jonathan Wheatley wird als zukünftiger Teamchefs bekanntgegeben.
  • November 2024: Gabriel Bortoleto wird als Fahrer für das zukünftige Audi F1-Team verpflichtet.
  • November 2024: Es wird verkündet, dass die Qatar Investment Authority (QIA) strategischer Partner wird und eine signifikante Minderheitsbeteiligung an der Sauber Holding AG erwerben wird. Inoffiziell ist von einem Drittel die Rede.
  • Januar 2025: Vollständige Übernahme der Sauber Holding AG durch Audi. Weichenstellung, um den Staatsfond von Katar mit einer Kapitalerhöhung als Investor an Bord zu nehmen. .
  • April 2025: Jonathan Wheatley beginnt am 1. April seine Arbeit als Teamchef des künftigen Audi F1 Teams.
  • Mai 2025: Als Head of Audi F1 Project übernimmt Mattia Binotto zum 1. Mai die Verantwortung für die Entwicklungstätigkeiten an allen Standorten. Der bisherige Motorenchef Adam Baker muss gehen.
  • Juli 2025: Im englischen Bicester wird ein Technikbüro als dritter Standort des F1-Projekts eröffnet.
  • Juli 2025: Das globale Fintech Unternehmen Revolut wird Titelpartner des zukünftigen Audi F1-Teams wird.
  • September 2025: Der Sportartikel-Hersteller adidas wird offizieller Bekleidungsausrüster des künftigen Audi F1-Teams.
  • Herbst 2025: Letzte Dauerläufe der Audi F1 Power Unit auf dem Prüfstand und Bau der ersten Rennmotoren für die Saison 2026.
  • November 2025: Im Rahmen einer Veranstaltung wird der Audi R26 Concept in München enthüllt.
  • Dezember 2025: Die ersten Audi F1 Power Units werden per Seefracht zum Pre-Season-Test nach Bahrain verschifft.
  • Dezember & Januar 2025: Weitere offizielle Teampartner werden bekanntgegeben, darunter Paulaner und Gillette.
  • 01.01.2026: Aus dem Audi F1 Project wird am 1. Januar offiziell ein F1-Team.
  • 07.01.2026: Erstes 'Fire Up' der Audi-Power-Unit im Chassis.
  • 09.01.2026: Nico Hülkenberg fährt bei einem Filmtag in Barcelona die ersten Kilometer mit dem Audi R26.
  • 20.01.2026: Präsentation des ersten Audi Formel-1-Autos.
  • Ende Januar 2026: Allgemeiner F1-Shakedown in Barcelona
  • Februar 2026: Offizielle Formel-1-Testfahrten in Bahrain
  • 08. März 2026: Audi geht zum ersten Mal bei einem Formel-1-Rennen an den Start.

Transparenzhinweis: Die Reise nach Berlin zur Präsentation erfolgte auf Einladung von Audi.