Nach Jahren voller Vorbereitung und Entwicklung, allerdings auch voller interner politischer und geschäftlicher Querelen, war ein Formel-1-Auto von Audi gestern erstmals auf der Strecke. Der Einstieg in die Königsklasse ist damit Realität und bereits in wenigen Monaten wird ein Bolide der VW-Marke erstmals mit dem Saisonauftakt 2026 in Australien einen Grand Prix bestreiten.
Dabei hatte es in den letzten Jahren mehr als einmal danach ausgesehen, als ob dieser Moment womöglich gar nie kommen würde. Denn die Entscheidungsträger, welche 2022 den Einstieg verkündet hatten, verschwanden nach und nach aus ihren Positionen und die wirtschaftliche Situation verbesserte sich rund um die Automarke seit damals ebenfalls nicht. Dennoch zog Audi durch.
Doch wer steckt hinter dem Werksteam, das den inzwischen schon historischen Sauber-Rennstall aufgekauft hat? Und vor allem: Wer und was soll dafür sorgen, dass es in den nächsten Jahren auch ein erfolgreiches Projekt wird? Wir haben die wichtigsten Aspekte rund um das Team zusammengefasst.
Audi F1 Team: Wo ist der Rennstall zuhause?
Als Synonym für die Marke Audi steht gerne die bayerische Stadt Ingolstadt, wo die Marke ihren Hauptsitz hat und somit auch die Führungsebene beheimatet ist. Teamchef Mattia Binotto erklärte aber schon 2024, dass man das F1-Projekt weitestgehend vom Konzern fernhalten will. Die tagesgeschäftlichen Belange rund um das Formel-1-Team werden deshalb anderswo geregelt. Etwa im weniger als 20 Kilometer Luftlinie entfernten Neuburg an der Donau.
Dort entwickelt und baut der Neueinsteiger seine Power Unit für die Formel 1. Genauer gesagt im Kompetenz-Center Motorsport, das bereits 2014 gegründet wurde. Seit 2022 wurde die Anlage um einen 3000 Quadratmeter großen Neubau erweitert, in dem vor allem die F1-Prüfstände Platz finden.
Das Chassis entsteht im Werk von Sauber in Hinwil nahe Zürich, wo man auch den Windkanal übernommen hat. Die technologische Ausstattung des Werkes lag in den letzten Jahren als finanziell angeschlagenes eigenständiges Team weit hinter jener der Konkurrenz zurück, weshalb Audi im Laufe der Übernahme auch viel investieren musste und die finale Übernahme beschleunigte. "Die gesamte Anlage, überall müssen wir Hand anlegen", stellte Binotto kurz nach seiner Ankunft fest. Dabei hob er exemplarisch den Simulator hervor, der technisch veraltet sei.
Neben seinem Hauptsitz expandierte Audi auch nach Großbritannien. 2025 eröffnete man einen Nebensitz im englischen Bicester im Herzen des Motorsport Valley. Dadurch erwartet sich Audi aufgrund der räumlichen Nähe bessere Chancen auf dem Personalmarkt unter den zahlreichen hochqualifizierten Motorsport-Ingenieuren, die in der Gegend wohnhaft sind und mitunter kein Interesse haben, ihren Lebensmittelpunkt in die Schweiz zu verlagern. Eine Art Nebenwohnsitz kann das F1-Team von Audi auch in Katar geltend machen. Denn etwa ein Drittel des Teams befindet sich seit November 2024 im Besitz des katarischen Staatsfonds QIA.
Wer sind die wichtigsten Entscheidungsträger bei Audi?
Personalseitig gab es in den letzten Jahren sehr viel Unruhe bei Audi-Sauber. Zunächst war eigentlich Andreas Seidl als Baumeister für das Formel-1-Projekt angeworben worden. Er wurde allerdings nach einem internen Machtkampf mit Oliver Hoffmann entlassen, der ihm zuvor als Generalbevollmächtigter vor die Nase gesetzt worden war. Gleichzeitig mit Seidl entließ Audi auch Hoffmann selbst.
Mattia Binotto hält als COO (Chief Operating Officer) und CTO (Chief Technical Officer) breite Aufgabenbereiche, die vorher Seidl innegehabt hatte. Nachdem Adam Baker 2025 abberufen wurde, übernahm der Italiener auch die allgemeine Leitung des gesamten F1-Projektes von Audi und damit auch der Motorenabteilung. Dort installierte er Christian Foyer als COO von Audi Formula Racing. Außerdem lockte Binotto eine Reihe ehemaliger Ferrari-Leute in die Power-Unit-Schmiede nach Neuburg. Binotto ist auch der direkte Ansprechpartner des Konzerns, der in F1-Fragen durch den Vorstandsvorsitzenden Gernot Döllner repräsentiert wird.
In Hinwil waltet der ehemalige Red-Bull-Sportdirektor Jonathan Wheatley als Teamchef. Während Ex-Ferrari-Teamleiter Binotto schon 2024 direkt sein Amt antreten konnte, musste Wheatley noch eine Sperrklausel absitzen und trat seinen Posten erst im Vorjahr an. Technik-Chef James Key kam hingegen schon unter Seidl zu Sauber.
Zu den weiteren Führungspersonen zählen der ehemalige Verstappen-Ingenieur Lee Stevenson als Teammanager, während Gianpaolo Dall'Ara die Renningenieurs-Abteilung leitet. Stefan Strähnz als Chief Programmes Officer und Stefano Sordo als Performance-Direktor kamen ebenfalls für den Audi-Einstieg.
Audi-Fahrer: Gabriel Bortoleto und Nico Hülkenberg sollen es richten
Schon 2024 hatte sich Audi auf eine Fahrerpaarung für die Formel-1-Premierensaison festgelegt. Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto wurden jeweils mit mehrjährigen Verträgen ausgestattet. Sie bilden ein solides Duo, das zwar kaum Star-Faktor mitbringt, dafür aber Harmonie und respektable Leistungen.
Die Kombination aus einem erfahrenen Piloten und einem Nachwuchs-Star hebt das Team selbst positiv hervor, Binotto sprach sogar von "einer der besten Fahrerpaarungen". Hülkenberg war noch unter Seidl von Audi angeworben worden, der ihn als Wunschkandidat auserkoren hatte. Binotto hält aber ebenso große Stücke auf den Emmericher. Auch aus Marketing-Sicht ist ein deutscher Fahrer für die erste Saison der deutschen Marke im Sport interessant.
Hülkenberg bringt viel Erfahrung mit sowie viel Rennintelligenz, die er 2025 häufig unter Beweis stellte. Bei seiner Maximal-Pace im Qualifying hinkte er zwar noch etwas hinterher, was allerdings angesichts des Regelumschwungs 2026 und der damit einhergehenden radikalen Änderung der Fahrzeug-Konzepte nicht 1:1 auf dieses Jahr umgelegt werden muss.
Bortoleto brachte hingegen im Vorjahr den von dem Youngster erhofften Grundspeed regelmäßig zum Vorschein, auch wenn er diesen letztendlich nur unregelmäßig in gute Ergebnisse ummünzen konnte. Die Erwartung an ihn ist, dass er die relativ hohe Fehlerquote seiner Rookiesaison im ersten Audi-Jahr verringern kann und auch durch zunehmende Erfahrung im Renntrimm und in Zweikämpfen besser aussehen wird. 2025 offenbarte er auch dahingehend einzelne Schwächen.
Welche Ziele verfolgt Audi in seiner ersten Formel-1-Saison?
Mit der Regel-Revolution im kommenden Jahr könnte das Bild in der WM stark auf den Kopf gestellt werden. Teamchef Mattia Binotto nannte als Ziel für sein Team dennoch die abgelaufene Saison als Referenz. Verglichen mit dieser möchte man sich verbessern, ein Aspekt dabei sei auch die Position in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft.
"Unser Ziel ist es, uns jedes Jahr im Vergleich zum Vorjahr zu steigern. 2025 war schon eine Steigerung im Vergleich zu 2024. Und wir werden sicherstellen, dass 2026 noch besser wird", sagte er im Exklusiv-Interview gegenüber dem Motorsport-Magazin .
Hier könnt ihr das komplette Interview nachlesen:
2025 beendete Sauber trotz einer klaren Steigerung zu 2024 und dem ersten Podium seit 2012 auf der vorletzten Position in der WM – also P9. 2026 müsste demnach also mindestens Rang 8 her. Darüber hinaus setze man sich aber auch Ziele, die nicht in Ergebnis-Listen messbar sind. So will Audi interne Abläufe in sämtlichen Bereichen verbessern, Binotto hob etwa die Boxenstopps hervor.
Am 9. Januar ging Audi im Rahmen eines Filmtages erstmals auf die Strecke. Alles was es rund um diesen zu berichten gibt, erklärt Christian im Video:
Welche Ziele verfolgt Audi langfristig in der Formel 1?
Langfristig ist die Devise klar. Siege und Titel sollen her, und das laut der Wunschliste des Programm-Leiters schon mit dem Beginn des nächsten Jahrzehnts. Mattia Binotto stellte als Zielsetzung klar, dass man 2030 um die Formel-1-Weltmeisterschaft kämpfen will. Bis dahin soll eine konstante Steigerung kommen. Schon in den Jahren davor stehen erste Podien und Siege auf dem Plan. Eine optimistische Herangehensweise, denn damit bleiben dem Rennstall nur vier Jahre bis ganz nach oben.



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