Nicht nur Formel-1-Fans dürften am kommenden Wochenende beim Monaco Grand Prix ganz genau hinschauen... Wie Motorsport-Magazin.com aus unterschiedlichen Kreisen erfahren hat, soll Audi die große Bühne der Formel 1 nutzen, um ein neues Fahrzeug zu präsentieren. Dabei soll es sich um einen waschechten Sportwagen mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb handeln!

Was genau der Autobauer aus Ingolstadt im Fürstentum zeigen soll, ist noch nicht in Gänze klar. Es soll sich bei dem Projekt angeblich um einen Sportwagen oder ein Konzeptfahrzeug drehen, dessen Hybridmotor auf dem Antrieb des aktuellen Lamborghini Temerario basiert. Audis italienische Konzernschwester verwendet hier einen Plugin-Hybrid mit einer Kombination aus einem 4-Liter-V8-Biturbomotor und drei Elektromotoren. Maximale Systemleistung: 920 PS.

Der Lamborghini Temerario
Der Lamborghini Temerario mit Hybridantrieb, Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire

Neuer Audi-Sportwagen: Welche Rolle spielt Tazio Nuvolari?

Schon die ersten zwei Generationen von Audis bisher letztem Supersportwagen - dem Audi R8 - teilten sich die Antriebsplattform mit Lamborghinis, zunächst dem Gallardo und später dem Huracan. Vor wenigen Tagen sorgten internationale Medienberichte für Aufsehen, in denen sich Audi-CEO Gernot Döllner angetan vom V8-Motor des Temerario zeigte - auf die Frage nach einer möglichen dritten Generation des Audi R8.

Bei unseren Recherchen zum neuen Audi-Sportwagen sind wir über den Namen 'Tazio Nuvolari' gestolpert. Der Italiener fuhr in den 30er-Jahren in der Formel 1 und holte 1939 den letzten Grand-Prix-Sieg eines Auto-Union-Wagens - dem historischen Vorläufer der heutigen Audi AG. 2003 präsentierte Audi bereits ein Konzeptfahrzeug namens 'Audi Nuvolari quattro' - eine Studie für einen Hochleistungs-GT mit V10-Biturbo und 600 PS. Jetzt könnte der Name des Ausnahmerennfahrers erneut auftauchen.

Audi Nuvolari quattro
Das Audi Nuvolari quattro Konzept 2003 bei den 24 Stunden von Le Mans, Foto: Audi AG/Ferdi Kräling Motorsport-Bild GmbH

Kehrt Audi noch einmal in den GT-Motorsport zurück?

Warum ist das auch für die Motorsport-Szene interessant? Audi hätte mit einem neuen Sportwagen wieder ein Modell, auf dessen Basis sich theoretisch ein GT-Rennwagen für den Motorsporteinsatz entwickeln ließe. Der letzte Audi R8 lief 2024 vom Band, seitdem fokussierte sich der Konzern vorrangig auf Elektroantriebe. Für Verbrenner-Sportler wie R8 oder TT war erst einmal kein Platz mehr.

Die Entwicklung eines Sportwagens mit Verbrennungsmotor würde zumindest die Hoffnung aufkeimen lassen, dass sich Audi in absehbarer Zukunft wieder im Motorsport zusätzlich zur Formel 1 engagieren könnte. Die Ingolstädter hatten bekanntermaßen im Juni 2023 angekündigt, ab 2024 jegliche Werksunterstützung im Kundensport einzustellen. Ansage damals aller Verantwortlichen, die längst nicht mehr im Konzern sind: Voller Fokus auf die Formel 1. Dabei ist es bis heute geblieben.

Ganz langsam könnte sich der Wind in dieser Angelegenheit aber drehen. Mit Rouven Mohr hat Anfang März ein ausgewiesener Motorsport-Enthusiast den Technikvorstand der Audi AG übernommen. Der frühere Entwicklungschef von Lamborghini begeistert sich seit vielen Jahren für Rennserien wie die DTM und wurde zuletzt auch beim 24h-Rennen Nürburgring gesehen - noch mit Lamborghini-Motorsport-Kleidung.

Rouven Mohr
Neuer Audi-Vorstand für Technische Entwicklung: Rouven Mohr, Foto: Audi AG

Auf Mohr, der bei Automobil-Fans einen ausgezeichneten Ruf genießt, ruhen deshalb einige Hoffnungen, dass sich Audi künftig wieder stärker im Kundenmotorsport engagieren könnte. Aber: In seiner neuen Rolle hat der gebürtige Saarländer sicherlich einen Berg an Aufgaben auf dem Schreibtisch, um Audi in der Serie wieder auf Kurs zu bringen. Da dürfte der Motorsport erst einmal recht weit unten auf der Prioritäten-Liste stehen.

Außerdem hatte Konzernchef Döllner im November am Rande der Formel-1-Präsentation in München klargemacht: "Zunächst einmal haben wir die klare Entscheidung getroffen, uns mit unseren Motorsportprogrammen vollständig auf die Formel 1 zu konzentrieren. Das war die richtige Entscheidung, um das Ganze beherrschbar zu machen. Und vielleicht müssen wir in der Zukunft noch einmal darüber nachdenken, was wir im Kundensportbereich machen. Im Moment führen wir darüber aber nicht einmal eine Diskussion. Wir fühlen uns in der aktuellen Situation sehr stabil."

Formel-1-Präsentation von Audi in München
Großer Audi-Aufschlag bei der Formel-1-Präsentation in München, Foto: AUDI AG

Audi R8 LMS: Einer der besten GT-Rennwagen aller Zeiten

Mit einem neuen Audi-Sportwagen im Portfolio könnten derartige Diskussionen allerdings wieder an Fahrt aufnehmen. Zur Erinnerung: Der Audi R8 LMS zählt bis heute zu den erfolgreichsten GT3-Rennautos weltweit. Mehr als 300 Exemplare wurden seit 2009 an Kunden ausgeliefert. Heraussprangen unter anderem sieben Gesamtsiege beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, zuletzt 2024 durch den Privateinsatz von Scherer Sport PHX.

Dass der in die Jahre gekommene Audi R8 LMS GT3 Evo2 noch heute Rennen gewinnen kann, stellte erst am vergangenen Wochenende das Team Attempto Racing beim irren Lauf der GT World Challenge in Monza unter Beweis: