Der Red Bull RB22 ist beim Formel-1-Wochenende in Spa mit einer guten Balance ausgestattet, doch seit Freitag plagt sich Max Verstappen mit dem mangelnden Topspeed seines Boliden ab. Im Qualifying griff das Team deshalb zu seinem letzten Mittel und schickte Isack Hadjar mit dem Plan in die Session, seinen Teamkollegen bestmöglich zu unterstützen.

Der Franzose muss im morgigen Rennen ohnehin aus der letzten Reihe starten, da an seinem Boliden der fünfte Verbrennungsmotor (ICE), der fünfte Turbolader (TC) und der fünfte Auspuff-Satz (EXH) eingebaut wurde. Allesamt Überschreitungen des für eine Formel-1-Saison vorgegebenen Limits. Sprich: Sein eigenes Qualifying-Ergebnis war sowieso unerheblich.

Isack Hadjar hilft Max Verstappen auf Startplatz 2

Die Assistenzleistung von Hadjar bestand darin, dass er ganz normal Q1 und Q2 abspulte und sich für Q3 qualifizierte. Im dritten Qualifying-Segment verlangsamte er dann jeweils in Stavelot, um Verstappen auf dem Vollgasstück zwischen Stavelot 2 und der Bus-Stop-Schikane Windschatten zu geben. Die Stelle war strategisch gewählt. Theoretisch ist der Weg von La Source durch Eau Rouge und über die Kemmel-Gerade zwar länger, aber dort ist deutlich länger der Flügel aufgrund des Straight Modes heruntergeklappt und der Windschatten-Effekt damit nicht ganz so stark.

Im ersten Anlauf funktionierte das noch eher mäßig. Da Hadjar etwas mehr Abstand gelassen hatte und zudem seine Batterie viel Schub gab, blieb bis zum Schluss ein relativ großer Abstand zwischen den beiden Red Bulls. Im zweiten Anlauf lief es fast schon zu gut und Verstappen kam dem Heck seines Teampartners gefährlich nahe. Doch er lupfte nicht. "Ich war voll auf dem Gas. Ich hätte ihn sonst einfach geschoben", sagte Verstappen nach dem Qualifying.

Hadjar erklärte die Schwierigkeit seiner Rolle als Windschatten-Geber so: "[Es ist eigentlich] nicht sehr schwierig. Schwierig ist es, zu verstehen oder zu schätzen, wie viel Leistung dir der Motor gibt. Denn, wenn man ohne Grund stoppt, dann ist die Software etwas verwirrt."

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Wie viel Zeit gewann Max Verstappen dank des Windschattens?

"Er hat es super unglaublich umgesetzt. Ich dachte zunächst: 'Oh mein Gott, es ist zu knapp.' Aber dann hat es hin zur letzten Kurve tatsächlich sehr gut funktioniert", lobte der Niederländer Hadjar für dessen Unterstützung. Er ist davon überzeugt, dass er es ohne ihn nicht in die erste Startreihe geschafft hätte. "Isack hat mir in Q3 sehr geholfen, ansonsten würde ich nicht hier sitzen", so Max Verstappen in der FIA-Pressekonferenz der drei schnellsten Fahrer aus dem Qualifying. "Ansonsten hätte ich leicht bis auf P6 zurückfallen können, da die Abstände dahinter so gering waren", rechnete er vor.

Verstappen geht davon aus, dass ihm die Windschatten-Hilfe etwa drei Zehntelsekunden eingebracht hat. Mit einem Abstand von 0,123 Sekunden hinter Verstappen fällt nicht nur Lando Norris beim Formel-1-Qualifying in Belgien in dieses Fenster, sondern auch George Russell (+ 0,191), Charles Leclerc (+ 0,215) und Lewis Hamilton (+ 0,217).

Doch wie viel Zeit hat es ihm tatsächlich gebracht? Aus den Telemetriedaten geht hervor, dass Verstappen in seinem entscheidenden letzten Versuch gegenüber Antonelli 0,12 Sekunden gutmachte. Aber eben gegen einen Mercedes, der grundsätzlich in den Vollgas-Stücken schneller war und das vor allem auf jener Gerade am Ende der Runde, in der bei allen die Elektro-Power schon Mangelware ist.

Verglichen mit seinem ersten Q3-Run machte Verstappen im zweiten Anlauf 0,19 Sekunden gut. Aber er verfügte eben auch schon in diesem über einen Windschatten-Effekt, wenn auch keinen so großen. Eine Richtmarke: Auf seiner schnellsten Q2-Runde hatte Verstappen in diesem Abschnitt noch über drei Zehntelsekunden auf Antonelli verloren und somit über vier auf seine Q3-Bestzeit.

Hier alle Daten in der Grafik:

Jedoch scheint im zweiten Qualifying-Abschnitt auch schon etwas früher das Clipping einzusetzen, also ist die Q1-Runde vielleicht noch interessant. Verglichen mit Q1 (dort hatte er genauso wie in Q2 einen mehrere Sekunden entfernten Windschatten-Spender) war Verstappen auf seiner entscheidenden Q3-Runde 0,256 Sekunden schneller. Damit kommen wir den von ihm vorgerechneten drei Zehnteln schon ziemlich nahe.

Verstappen sprach in der Pressekonferenz nicht nur über den Qualifying-Trick von Red Bull, sondern auch über den mangelhaften Fahrspaß auf dem Circuit de Spa-Francorchamps in diesem Jahr. Aber er sagte nicht viel. Hier könnt ihr erfahren, warum: