"Es wurde einfach immer schlimmer", fasst Nico Hülkenberg sein Belgien-Qualifying enttäuscht zusammen. Der einzige deutsche Formel-1-Pilot träumte nach den Freitagstrainings schon gar nicht von den Top-10, am Samstagnachmittag waren sie nach einem Defekt endgültig außer Reichweite. Nicht nur die Technik machte die Zeitenjagd schwierig.

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Dabei sahen Hülkenberg und sein Teamkollege Gabriel Bortoleto im dritten Freien Training mit Platz acht und neun noch nach dem stärksten Mittelfeld-Team aus. Alles deutete darauf hin, dass sich der experimentelle Freitag ausgezahlt hatte und die power-hungrige Audi-Angststrecke in Spa bezwungen wurde. Doch schon in Q1 fingen die Probleme bei Hülkenberg an.

Als er seine erste schnelle Runde eröffnen wollte, hatte er ungeplant zwei Cadillacs vor sich stehen. "Was machen die da?", fragte er am Funk, als er in die Bus-Stop-Schikane einbog. "Wir dachten, sie würden boxen, aber dann sind sie zusammen weitergefahren", erklärt Hülkenberg im Nachhinein. Er musste sehr plötzlich eine Lücke aufreißen lassen. "Das ist etwas problematisch mit unserer Power Unit und kostet Energie. Das war gar nicht ideal. Wir haben uns verkalkuliert", gesteht er den Team-Fehler ein. Obendrauf musste er schon in La Source korrigieren, der erste Versuch brachte ihn nur auf den gefährlichen Platz 15.

Hydraulik beendet Hülkenbergs Problem-Qualifying

Audi musste einen zweiten Soft-Reifensatz einsetzen, um Hülkenberg zu sichern. In Q2 gingen die Probleme aber nur weiter, diesmal spielte die Technik nicht mit. "Ich wusste ab dem Anfang von Q2, dass etwas nicht passte", so der Emmericher. Zuerst war es ein Getriebeproblem. Immer wieder verlor er die Synchronisation mit den Gangwechseln. "Die Schaltvorgänge waren nicht mehr nahtlos, sie waren hart", beschreibt Hülkenberg.

Auf seiner finalen Runde gab sein Motor durch Blanchimont komische Geräusche von sich. "Ich wusste, dass sich da etwas zusammenbraut und das etwas nicht stimmte", roch der Audi-Pilot den Braten bereits. Seine Zeit reicht nur für Platz 14. Auf seiner Auslaufrunde meldet sich vor Pouhon das endgültige Technik-K.o. an.

"Es tut mir leid, Nico, wir müssen das Auto abstellen. Wir haben ein Hydraulik-Leck", informierte ihn sein Renningenieur Steven Petrik. "Es müsste einmal alles glattlaufen", meint ein von der Saison gebeutelter Hülkenberg verzweifelt nach der Session. "Immer geht etwas auf meiner Seite schief." Bereits vier Rennausfälle sammelte er 2026, dazu zahlreiche technische Probleme in Trainings und Qualifyings. Im Vergleich: Bortoleto fiel nur in China zu früh aus.

Glücklicherweise befand er sich zum Zeitpunkt des Hydraulik-Lecks gerade bei einer Sicherheitslücke. Beim Aussteigen rollt der Audi dann auch noch etwas ohne Bremse weiter. 'Hulk' musste ihn selbst aufhalten, bevor die Marshals daherkamen. Mit vereinten Kräften schoben sie den R26 von der Strecke. Hülkenberg verzichtet auf eine schnelle Rückkehr zum Fahrerlager per Moped und fuhr stattdessen lieber mit dem Abschlepp-Lkw und seinem Boliden mit.

Nico Hülkenberg steigt aus dem Abschlepp-Lkw aus
Nico Hülkenberg nahm den Lkw zurück in die Box, Foto: IMAGO / PsnewZ

Belgien-Qualifying: Gabriel Bortoleto schafft Audi-Sensation

Auf der anderen Garagenseite dreht sich die Stimmung um 180 Grad. Gabriel Bortoleto zeigte, was im optimierten Audi-Paket steckt, und fuhr überraschend in die Top-10. "Q3 zu erreichen, war weit über unseren Erwartungen", so Renndirektor Allan McNish. Eigentlich ging man bei der deutsch-schweizer Mannschaft von einem schwierigen Wochenende in Belgien aus, weil es dem eigenen Motor an Topspeed fehlt. Vielleicht verblüfft die Performance gerade, weil man von so wenig ausging.

"Ich bin sehr glücklich mit dem Auto", so Bortoleto am Samstagabend. Auf einer Strecke, auf der man eigentlich von einer schlechten Performance ausging, Platz neun zu ergattern und dabei sogar ein Auto der Hauptkonkurrenten Racing Bulls hinauszuschieben, sind für ihn eine große Genugtuung. "Ich habe es nicht erwartet. Ich dachte, wir würden uns schwerer tun."

Von der guten Leistung lässt man sich im Team aber nicht blenden. "Versteht mich nicht falsch, morgen wird es noch einmal hart. Ein Rennen zu fahren, wenn wir den Topspeed nicht haben, ist nicht leicht. Wir wissen, dass die Racing Bulls etwas schneller sind als wir", bleibt der junge Brasilianer auf dem Boden der Tatsachen. Arvid Lindblad fuhr im Q3 im ersten Highspeed-Sektor sogar die absolute Bestzeit.

Audi trotz Topspeed-Defizit auf Punktejagd

Für Bortoleto ist das aber kein Grund, die weiße Fahne zu schwenken: "Wir sind mit unserer Mentalität ins Q3 gekommen, also wer weiß, was morgen passieren wird. Wir können um die Punkte kämpfen. Es wird nicht leicht, aber wir werden es versuchen."

Auch Hülkenberg bemüht sich nach seinem bitteren Tag um Optimismus: "Es sind positive Zeichen. Der Speed und die Performance, um im Mittelfeld zu kämpfen, sind definitiv da. Das haben wir schon öfter gesehen, hier wieder. Hoffentlich können wir etwas Boden gewinnen." Schon vor dem Rennen dürfen sich die beiden Audi-Fahrer über gewonnene Plätze freuen: Durch die Startplatzversetzungen von Lando Norris und Isack Hadjar aufgrund von Motorstrafen geht Bortoleto morgen von P8 ins Rennen, Hülkenberg sogar von P12.