Eigentlich ist Platz elf Nico Hülkenbergs Stammplatz. Doch in den letzten drei Formel-1-Wochenenden hat sich der Spieß bei Audi umgedreht. Seit dem Rennen in Monaco schrammte Gabriel Bortoleto immer knapp an den Punkten vorbei, so auch zuletzt in Österreich. In Großbritannien macht sich der junge Brasilianer bereit für die nächste Jagd nach den Punkterängen.

Red Bull glänzt, Ferrari verzweifelt! Österreich: Tops & Flops (54:59 Min.)

"Ich bin nicht frustriert", beteuerte Bortoleto am Donnerstag in Silverstone über seine letzten Ergebnisse. "Natürlich ist es nah an den Top-10 und ich will für das Team punkten. Ich weiß, wie wichtig das ist. Aber es ist, was wir im letzten Rennen realistisch erreichen konnten. P11 ist dort, wo ich unsere Pace eingeschätzt habe, besser geht es nicht." Die Racing Bulls waren das ganze Wochenende schneller und ohne Ausfälle in den vier Top-Teams waren die ersten acht Ränge ohnehin bereits besetzt.

Trotz der erneuten Nullnummer – die einzigen zwei Punkte des Teams holte Bortoleto beim Saisonauftakt in Australien – waren beide Audi-Piloten zufrieden mit dem in Österreich geupdateten R26. Das unterstreicht Bortoleto in Silverstone: "Es war ein gutes Upgrade. Wir haben weniger Probleme. Ich weiß nicht, wie viel Rundenzeit wir herausschlagen konnten, aber das Auto ist definitiv stabiler. Es hat weniger unvorhersehbare Ausreißer. Es ging auf jeden Fall in die richtige Richtung."

Starts verbessert! Aber Bortoleto mahnt vor Übermut

Generell geht es für den Formel-1-Neueinsteiger in die richtige Richtung. "Wir können jetzt viel sauberere Wochenenden absolvieren. Wenn wir so weitermachen und weiterwachsen, dann schaffen wir den Schritt in die Punkte und können dort hoffentlich konstant bleiben", ist Bortoleto optimistisch.

Ein Punkt, an dem man den Aufwärtstrend bereits erkennen kann, ist der Start. Bisher galt Audi als einer der schlechtesten Starter im Feld, regelmäßig fielen Hülkenberg und Bortoleto nach hinten, als die Lichter ausgingen. Doch in Österreich überholte Bortoleto sogar Pierre Gasly für Platz elf, Hülkenberg behielt seine 14. Position. "Das war das einzige Auto, das ich das ganze Jahr auf der ersten Runde überholt habe", freut sich der letztjährige Rookie.

Bereits jetzt von einem definitiven Aufwärtstrend bei den Starts zu sprechen, traut sich der 21-Jährige aber nicht: "Wir müssen das hier wieder machen, dann wieder beim nächsten Rennen und dann noch einmal. Irgendwann, wenn wir es jedes Wochenende machen, können wir sagen, dass wir unsere Starts verbessert haben. Aber wir sind definitiv besser dran als zuvor."

Sauber vs. Audi: Das hat sich im Team geändert

Eine definitive Verbesserung im Vergleich zum letzten Jahr hat das Team in seiner Mentalität gemacht. "Du kannst den Unterschied sehen, wie sich die Leute verhalten, wie sie anders arbeiten. Unsere Ziele sind klar und wir arbeiten daran, sie zu erreichen", beschreibt Bortoleto. Dabei hilft die Unterstützung von Audi als eigenes Werk hinter dem Team. 2025 war die Truppe von Gründer Peter Sauber noch mit einem Ferrari-Motor ausgestattet.

Der neue Besitzer wirkt sich aber nicht nur auf die Mentalität aus. "Die Realität ist, dass wir jetzt in einer ganz anderen Situation sind. Audi stärkt uns den Rücken. Es ist ein eigener Hersteller, wir haben unseren eigenen Motor. Wir bekommen viel finanzielle Unterstützung von ihnen. Wir haben nicht die gleichen Probleme, die Sauber in der Vergangenheit geplagt haben", so Bortoleto. In seiner Geschichte hat das Schweizer Team oft die Hand gewechselt, von Mercedes und Red Bulls Geschäftsführer Dietrich Mateschitz zur Jahrtausendwende über die Schweizer Investmentbank Credit Suisse bis hin zu BMW.

Diese Sorgen sind nun vergessen. Der eigene Motor ist bei weitem nicht der stärkste im Feld, aber auch nicht der schwächste. Im ersten F1-Jahr ist das eine nicht geringe Errungenschaft. Trotzdem weiß Bortoleto, dass es noch Luft nach oben gibt: "Wir wissen, dass wir uns verbessern müssen. Wir wissen, dass wir hinten sind. Aber wir werden weiter hart arbeiten. Wir werden in der Zukunft Großes erreichen." Audis Plan, bis 2030 um die Weltmeisterschaft zu kämpfen, steht noch immer.

Das Power-Defizit von Audi könnte ihnen auf der Highspeed-Strecke in Silverstone ein Bein stellen. In der gleichen Situation befindet sich Ferrari, ist Lewis Hamilton überzeugt: