Die Bilder von Gabriel Bortoletos Wrack gingen um die Welt. Der Sauber-Pilot verlor in São Paulo am Ende der Zielgeraden bei 339 km/h die Kontrolle und krachte gleich zwei Mal in die Bande. Die Sensoren zeichneten beim ersten Aufprall 34 g, beim zweiten 57 g auf. Auch zwei Wochen später ist der Sprint-Unfall noch im Kopf von Bortoleto präsent.

"Ich habe viel über Risikoabwägung gelernt. Wann riskierst du, wann nicht? Als ich im Sprint gecrasht bin, wollte ich überholen. Aber war das der richtige Moment dafür?" hinterfragte Bortoleto seine Entscheidungen. In Brasilien verteidigte der Rookie noch sein Manöver gegen Alex Albon, in Las Vegas schlägt er andere Töne an. Mittlerweile scheint er sich der Gefahr bewusst, der er sich mit dem aggressiven Überholversuch für einen punktelosen Platz zehn ausgesetzt hat.

"Ich hatte verdammt viel Glück, das hätte viel schlimmer ausgehen können. Bei so einem Unfall kannst du dich richtig verletzen und fällst möglicherweise für das Rennen aus oder sogar für mehrere", erklärte Bortoleto, der beim Unfall unverletzt blieb. Bortoletos Unfälle in Interlagos kosteten Sauber Schätzungen zufolge zwischen einer und zweieinhalb Millionen US-Dollar. In Zeiten einer Budgetobergrenze von 140 Millionen US-Dollar pro Jahr schlagen diese zusätzlichen Kosten ordentlich zu Buche.

Ersatzteil-Knappheit bei Sauber: Keine großen Unfälle mehr!

Dazu kommt, dass bei den Reparaturarbeiten viele Ersatzteile gebraucht wurden, beispielsweise ein neues Chassis. Diese Teile zu produzieren, ist kostspielig und dauert eine gewisse Zeit. Erinnerungen an Australien 2024 werden wach: Damals musste Logan Sargeant sein Auto an den in FP1 gecrashten Alex Albon abgeben, da Williams kein Ersatz-Chassis für die Reparatur übrighatte. "Wir haben gerade wenig Reserven, deshalb müssen wir vorsichtig sein", verriet Bortoleto im Vorfeld des Las Vegas GP.

Der Sauber-Rookie fährt das erste Mal auf dem Stadtkurs, der eine besondere Herausforderung darstellt. Niedrige Temperaturen, sehr wenig Grip, enge Wände – Mauerküsse sind also vorprogrammiert. Doch genau das kann sich Sauber nicht leisten. An der Herangehensweise von Bortoleto ändert das aber nichts. "Auch wenn wir genügend Ersatzteile hätten, willst du das Auto einfach auf der Strecke behalten", stellte der Rookie klar.

Auch an seinem Fahrstil hält er fest: "Ich werde nicht weniger pushen, denn wir brauchen Punkte für die Konstrukteursweltmeisterschaft. Zudem hat es schon die restliche Saison gut funktioniert." Im Kampf um P6 in der Team-Wertung zählt für Sauber im Saisonendspurt jeder Punkt. Der Plan, um die 20 Punkte Rückstand auf die Racing Bulls aufzuholen? Endlich mit beiden Autos in die Punkte zu fahren. Das gelang dem zukünftigen Audi-Werksteam erst einmal in dieser Saison.

In der Woche vor dem Las Vegas GP stellte Audi das Auto-Design für 2026 vor. Alle Details dazu gibt es hier: