Noch bevor die Formel-1-Saison 2025 und damit eine Ära für Sauber zu Ende ist, präsentierte Audi am Mittwochabend die Zukunft des Rennstalls. In Audis Brand Experience Center in München wurde 115 Tage vor dem Saisonauftakt in Melbourne das R26 Concept vorgestellt. Audi-CEO Gernot Döllner präsentierte zusammen mit seinen Formel-1-Chefs Mattia Binotto und Jonathan Wheatley und den beiden Piloten Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto das zukünftige Design.

In München, ausgerechnet der Heimat von Audis Hauptkonkurrenten BMW, zeigte man auf dem R26 viel Silber. Offiziell ist das natürlich keine Hommage an die bekannten Mercedes-Silberpfeile, sondern an die eigene Tradition. Döllner selbst sprach von den "Silberpfeilen der Auto Union", die in den 1930er-Jahren für Furore im Motorsport sorgten.

So fuhren bei der Präsentation am Abend auch die Audi-Legenden - Autos und Fahrer - gesammelt vor. Von Frank Biela im Auto Union Typ C, über Hans-Joachim Stuck im Audi 90 GTO, über die berühmten Sport Quattros der 80er, unter anderem mit den Rallye-Legenden Stig Blomqvist und Michele Mouton, bis hin zum Audi R8 mit Le-Mans-Rekordsieger Tom Kristensen am Steuer ließen die Ingolstädter ihre volle Motorsport-Historie auffahren.

Ein Statement in Richtung Stuttgarter Konkurrenz ist die Farbe 'Titanium', wie sie bei Audi heißt, aber definitiv. Schon 2022, bei der Ankündigung 2026 in die Formel 1 einzusteigen, konnte sich Audi einen kleinen Seitenhieb in Richtung Mercedes nicht verkneifen. "Es ist das erste Mal seit mehr als einem Jahrzehnt, dass ein Formel-1-Antriebsstrang in Deutschland entwickelt und gebaut wird", hieß es damals in der Pressemitteilung. Mercedes' Motorenfabrik für die Formel 1 befindet sich im britischen Brixworth. Jetzt provoziert Audi mit dem Titanpfeil.

Neben Titanium prägen noch zwei weitere Farben das Design des R26 Concepts: Carbon-Schwarz und das neu vorgestellte Audi Rot, das man außerhalb der Markenwelt wohl als Neon-Rot bezeichnen würde.

Audis Formel-1-Lackierung: Vorne Titanium, hinten Audi-Rot und Carbon-Schwarz

Noch auffälliger als das knallige Rot: Die Zweiteilung der Lackierung. Vorne Titanium mit minimalen schwarzen und roten Akzenten, hinten dann ausschließlich schwarz und rot. Die Teilung erinnert ein wenig an den BAR der Saison 1999, der auf der linken und der rechten Fahrzeugseite mit zwei völlig unterschiedlichen Designs für zwei Marken des gleichen Tabakkonzerns warb.

Bei Audi erfolgt die Teilung nicht in linke und rechte Seite, sondern in vorne und hinten. Gewöhnungsbedürftig ist der harte Übergang. "Wie bei zukünftigen Serienmodellen setzt Audi auch auf und abseits der Rennstrecke auf kompromisslose Klarheit", heißt es vom Hersteller.

"Der Audi R26 Concept ist eine der ersten Ausdrucksformen dieses neuen Designsystems. Wir wollen das markanteste Auto auf der Rennstrecke haben", zeigt sich Audis Designchef Massimo Frascella angriffslustig. "Abseits davon wollen wir die mutigste Marke sein - und einen kulturellen Einfluss schaffen, der über die Rennstrecke hinausgeht."

Audi enthüllt Formel-1-Design 2026: Provokation gegen Mercedes? (09:24 Min.)

Obwohl Audi mit dem Mineralölkonzern bp, Sportartikelhersteller adidas und dem Fintech-Unternehmen Revolut bereits große Sponsoren bekanntgegeben hat, fehlen die Aufkleber der Unternehmen auf dem R26 Concept noch.

Audi will 2030 um Formel-1-Titel kämpfen

Angriffslustig zeigt sich Audi aber nicht nur beim Design. "Das ist das spannendste Projekt im Motorsport, wenn nicht sogar im Sport überhaupt. Das Ziel ist klar: Ab dem Jahr 2030 um Meisterschaften zu kämpfen", meint Mattia Binotto, Chef des gesamten Formel-1-Projekts. Allerdings macht man sich in Ingolstadt keine Illusionen: "Champion zu werden ist ein Prozess des stetigen Fortschritts. Fehler passieren, aber aus ihnen zu lernen ist der Motor für Veränderungen." Teamchef Jonathan Wheatley stimmt zu: "Wir werden Rückschlägen begegnen, doch jeder wird eine Lernerfahrung sein, die uns stärker macht."

Formel 1: Hat sich Audi übernommen? Jetzt zählt nur Geduld! (07:49 Min.)

Schwierig dürfte die erste Saison nicht nur werden, weil Audi mit Sauber kein Top-Team übernommen hat. Im letzten Jahr wurde der Schweizer Rennstall Letzter. Aber Hinwil ist nur eine Baustelle. Immerhin kann man dort auf jahrzehntelange Formel-1-Erfahrung zurückblicken.

Neuburg an der Donau, wo die Motoren gebaut werden, verfügt über keinerlei Historie in der Königsklasse. Im Kompetenz-Center Motorsport wurden zuvor noch nicht einmal Verbrennungsmotoren entwickelt. Seit 2022 wird bei Infrastruktur und Personal aber mit Hochdruck aufgerüstet.

Was bedeutet der Formel-1-Einstieg für die Marke Audi?

Der Einstieg in die Formel 1 wurde maßgeblich vom damaligen CEO Markus Duesmann vorangetrieben. Knapp ein Jahr nach der Verkündung des Einstiegs musste Duesmann aber gehen. Sein Nachfolger Gernot Döllner stellt sich nach einer Neubewertung des Projekts trotz wirtschaftlich herausfordernder Zeiten in der Automobilindustrie hinter den Formel-1-Einstieg.

"Unser Einstieg in die Formel 1 ist Teil von etwas Größerem. Es ist der nächste Schritt in der Neuaufstellung des Unternehmens mit dem Ziel, unsere Position im globalen Wettbewerb zu stärken", stellt er klar. "In der Formel 1 zählt jede Sekunde. Erfolg erfordert Leistung, Präzision und Teamarbeit. Dieses Mindset wird Treiber einer neuen Performance-Orientierung im gesamten Unternehmen und Katalysator des Wandels hin zu einem schlankeren, schnelleren und innovativeren Audi sein."

Mit der Qatar Investment Authority (QIA, Katarischer Staatsfond) hat Audi inzwischen einen finanzkräftigen Partner an seiner Seite. Im November 2024 gab Audi bekannt, dass die QIA eine signifikante Minderheitsbeteiligung am Formel-1-Team erwerben wird. Die Rede ist von rund einem Drittel.

Zusammen mit dem Großinvestor aus Katar und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Formel 1 soll das Engagement auch aus finanzieller Sicht Sinn für Audi machen, so Döllner: "Die Kostendeckelung garantiert finanzielle Nachhaltigkeit. Gleichzeitig bietet die globale Reichweite der Formel 1 unserer Marke eine unvergleichliche Sichtbarkeit. Das ermöglicht es, zusätzliche Zielgruppen anzusprechen - vor allem in unseren Schlüsselmärkten USA, Europa und China."

Audis Weg in die Formel 1: Vom Projektteam zum ersten F1-Rennen

  • Frühjahr 2022: Audi baut ein Projektteam auf, das ein Konzept für die Power Unit entwickelt und den Einstieg in die Formel 1 vorbereitet.
  • Juli 2022: Gründung der Audi Formula Racing GmbH (AFR).
  • August 2022: Auf einer Pressekonferenz beim Belgien GP in Spa verkündet Audi seinen Einstieg als Power-Unit-Hersteller zur Saison 2026 - damals noch mit CEO Markus Duesmann und Entwicklungs-Vorstand Oliver Hoffmann.
  • Ende 2022: Audi gibt Sauber als künftigen strategischen Partner für das Formel-1-Projekt bekannt, die Schweizer Mannschaft geht damit ab 2026 als Audi Werksteam an den Start.
  • Ende 2022: Mit bp wird eine strategische Partnerschaft vereinbart, die die gemeinsame Entwicklung des ab 2026 vorgeschriebenen nachhaltigen Kraftstoffs vorsieht.
  • Dezember 2022: 3.000 Quadratmeter großer Neubau am Kompetenz-Center Motorsport in Neuburg an der Donau als Erweiterung für die Formel 1 wird angekündigt.
  • 13.12.2022: Andreas Seidl kündigt als McLaren-Teamchef und wechselt als CEO zu Sauber.
  • Frühjahr 2023: In Neuburg beginnt der Bau des neuen Gebäudes F10. Die Erprobung der einzelnen Komponenten der Audi F1 Power Unit auf dem Prüfstand beginnt.
  • Mai 2023: Im Neubau in Neuburg werden die ersten Prüfstände mittels Containerbauweise installiert.
  • Juni 2023: Neel Jani wird Simulatorfahrer für die Antriebsentwicklung im Audi F1-Projekt.
  • 29.06.2023: Audi-CEO Markus Duesmann, der das F1-Projekt maßgeblich gestaltet hat, muss vorzeitig gehen. Unter Nachfolger Gernot Döllner wird der Einstieg noch einmal geprüft.
  • Herbst 2023: Der V6-Motor läuft erstmals auf dem Prüfstand.
  • März 2024: Audi gibt die vorzeitige vollständige Übernahme von Sauber bekannt. Oliver Hoffmann übernimmt Gesamtverantwortung für das Formel-1-Engagement, Andreas Seidl wird CEO des Audi F1 Teams.
  • April 2024: Nico Hülkenberg unterzeichnet einen Vertrag, wechselt 2025 zu Sauber und ist ab 2026 Audi-Werksfahrer.
  • Mai 2024: Die komplette Audi F1 Power Unit läuft als Einheit auf dem Prüfstand und legt simulierte Renndistanzen zurück.
  • 23.07.2024: Andreas Seidl und Oliver Hoffmann müssen gehen, Mattia Binotto übernimmt am 1. August als COO und CTO bei Sauber.
  • 01.08.2024: Jonathan Wheatley wird als zukünftiger Teamchefs bekanntgegeben.
  • November 2024: Gabriel Bortoleto wird als Fahrer für das zukünftige Audi F1-Team verpflichtet.
  • November 2024: Es wird verkündet, dass die Qatar Investment Authority (QIA) strategischer Partner wird und eine signifikante Minderheitsbeteiligung an der Sauber Holding AG erwerben wird. Inoffiziell ist von einem Drittel die Rede.
  • Januar 2025: Vollständige Übernahme der Sauber Holding AG durch Audi. Weichenstellung, um den Staatsfond von Katar mit einer Kapitalerhöhung als Investor an Bord zu nehmen. .
  • April 2025: Jonathan Wheatley beginnt am 1. April seine Arbeit als Teamchef des künftigen Audi F1 Teams.
  • Mai 2025: Als Head of Audi F1 Project übernimmt Mattia Binotto zum 1. Mai die Verantwortung für die Entwicklungstätigkeiten an allen Standorten. Der bisherige Motorenchef Adam Baker muss gehen.
  • Juli 2025: Im englischen Bicester wird ein Technikbüro als dritter Standort des F1-Projekts eröffnet.
  • Juli 2025: Das globale Fintech Unternehmen Revolut wird Titelpartner des zukünftigen Audi F1-Teams wird.
  • September 2025: Der Sportartikel-Hersteller adidas wird offizieller Bekleidungsausrüster des künftigen Audi F1-Teams.
  • Herbst 2025: Letzte Dauerläufe der Audi F1 Power Unit auf dem Prüfstand und Bau der ersten Rennmotoren für die Saison 2026.
  • November 2025: Im Rahmen einer Veranstaltung wird der Audi R26 Concept in München enthüllt.
  • Dezember 2025: Die ersten Audi F1 Power Units werden per Seefracht zum Pre-Season-Test nach Bahrain verschifft.
  • 01.01.2026: Aus dem Audi F1 Project wird am 1. Januar offiziell ein F1-Team.
  • Januar 2026: Präsentation des ersten Audi Formel-1-Autos und offizielle Testfahrten in Barcelona.
  • 08. März 2026: Audi geht zum ersten Mal bei einem Formel-1-Rennen an den Start.

Transparenzhinweis: Die Reise nach München zur Präsentation erfolgte auf Einladung von Audi.