Die Formel 1 hatte in dieser Saison so viele Neulinge wie schon lange nicht mehr. Je nachdem, wie breit man die Definition eines Rookies fasst, fallen bis zu sieben Fahrer in diese hinein. Vier von ihnen genossen in diesem Jahr das Privileg, dass sie vor Heimpublikum an den Start gehen konnten – Kimi Antonelli sogar doppelt. Wobei: Ist es ein so großes Privileg? Denn in Wirklichkeit ging bei allen Rookies der Heim-GP sportlich komplett daneben. Die letzte Episode dieses 'Fluchs' lieferte Gabriel Bortoleto am vergangenen Wochenende.
Jack Doohan: Eine halbe Runde bis zum Unfall
Jack Doohans Formel-1-Chance wurde 2025 jäh nach nur sieben Rennen (sechs in diesem Jahr, eines 2024) beendet und im Moment deutet auch nichts darauf hin, dass er nochmal eine Gelegenheit in der Königsklasse bekommen könnte. Stattdessen scheint er sich auf dem Weg nach Japan zu befinden. Zu seinem Glück durfte er immerhin einen Heim-Grand-Prix in der Königsklasse bestreiten.
Oder sollte man eher sagen: Zu seinem Unglück? Denn der Albert Park Circuit mit schlechtem Wetter und seinen rutschigen Straßenmarkierungen war beim Saisonauftakt überhaupt nicht Rookie-freundlich gesinnt. Schon auf der ersten Runde rutschte Doohan auf einer weißen Linie aus und schlug in der Wand ein - nach gerade einmal fünf Kurven.
Andrea Kimi Antonelli: Zwei Heimrennen, beide nicht geglückt
Andrea Kimi Antonelli kam in seiner ersten Formel-1-Saison bei Mercedes gleich doppelt zu einem Heimrennen. Einmal in Imola mit dem Großen Preis der Emilia-Romagna. Also quasi vor der Haustür des Italieners, der in Bologna geboren wurde. Und dann ein zweites Mal mit dem Italien-GP in Monza im September.
Gut lief keines der beiden Wochenenden. In Imola flog Antonelli schon in Q2 raus, im Rennen kam er auch nur dank eines VSC zwischenzeitlich etwas nach vorne, ehe ihn ein Defekt zum Aufgeben zwang. Im Anschluss an den Emilia-Romagna-GP gab Antonelli zu, dass ihm der ganze Rummel um seine Person zu viel gewesen seien. "Ich muss lernen, manchmal 'Nein' zu sagen", so sagte er und verbuchte das als Lehre für Monza.
Dort lief es aber nicht besser. Zwar konnte Antonelli auf P9 zwei Punkte mitnehmen, blieb damit aber weit hinter Teamkollege George Russell zurück und machte auf dem Weg dorthin einen sehr passiven Eindruck im Zweikampf. Dafür wurde er im Anschluss an das Rennen von seinem Teamboss Toto Wolff gerügt.
Oliver Bearman: Wie viel tiefer kann man sinken?
Auf den ersten Blick liest sich P11 von Oliver Bearman in Silverstone nicht so schlecht. Aber eben nur auf den ersten Blick, denn insgesamt war das Wochenende beim Großbritannien-GP ein katastrophales für ihn. Im Rennen verursachte er eine teaminterne Kollision mit Esteban Ocon, die beide Haas-Fahrer ihrer Punktechancen beraubte. Doch das war gemessen an dem Riesen-Bock, den er im Training schoss, nur eine Kleinigkeit.
Dieses war mit einer roten Flagge abgebrochen worden, trotzdem attackierte er die Boxeneinfahrt nochmal aggressiv. Zu aggressiv, denn der Haas-Fahrer schlug hart im Reifenstapel ein. Die Stewards griffen nach dem Rot-Vergehen hart durch und verhängten eine Startplatz-Strafe von zehn Positionen und vier Strafpunkte. Teamchef Ayao Komatsu bezeichnete den Vorfall noch im November als Tiefpunkt von Bearmans Rookie-Saison. Zitat: "Wie viel tiefer kann man sinken?"
Gabriel Bortoleto: Horror-Crash überschattet härtestes Karriere-Wochenende
Recht viel schlechter hätte auch das Heimwochenende von Gabriel Bortoleto in Brasilien nicht laufen können. Der Sauber-Pilot erlitt am Ende des Sprint-Rennens einen brutalen Abflug, bei dem er mit 57g in die Streckenbegrenzung einschlug. Glücklicherweise blieb er bei dem Horrorunfall unverletzt.
Damit war sein Glück an dem Wochenende aber auch schon aufgebraucht, denn im Rennen kollidierte er schon in Runde 1 mit der Bande, diesmal bei wesentlich geringerer Geschwindigkeit. Nach einer Berührung mit dem Aston Martin von Lance Stroll war ihm in Kurve 10 der Platz ausgegangen. Bei dem Zwischenfall machte er keine gute Figur. Bortoleto sprach im Nachgang vom mit Abstand härtesten Wochenende seiner Karriere.



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