Silverstone artete zu einer desaströsen Vorstellung von Haas aus. Ein Albtraum, wo das Team doch an diesem Wochenende ein Unterboden-Update gebracht hatte und sich locker im Kampf um die Top-10 wähnte. Doch eine Serie an albtraumhaften Ereignissen begann ab Samstag und gipfelte in einer Kollision von Oliver Bearman und Esteban Ocon. Der Teamchef ist nicht gut zu sprechen.

"Ich kann mich nicht davor verstecken, dass wir heute ein fürchterliches Rennen abgeliefert haben, wir müssen besser sein", reagiert Ayao Komatsu am Sonntagabend. "Wir haben jetzt ein gutes Auto, das richtig wettbewerbsfähig ist. Ich weiß nicht, ob es das überall ist, aber mit dem Upgrade in Silverstone - Gratulation an die Mannschaft, die das geschafft hat - hatten wir ein starkes Auto. Das haben wir bewiesen."

"Heute sind wir allerdings weder dem Team noch dem Auto gerecht geworden", ärgert sich Komatsu. Es hatte eigentlich schon am Samstag begonnen. Oliver Bearman hatte sich auf P8 qualifiziert, doch weil er im 3. Training während einer roten Flagge viel zu schnell fuhr und dabei verunfallte, war er auf P18 zurückversetzt worden. Esteban Ocon war in Q2 hängengeblieben, weil das Team das Verkehrs-Management verpeilte.

Haas macht im Regen-Rennen von Silverstone nichts richtig

"Wir sollten nicht von P14 und P18 losfahren, wo wir dann ein Ergebnis erzwingen müssen", klagt Komatsu. So riskierte Bearman nach der Formationsrunde schon einen Wechsel auf Slicks: "Weil es an vielen Stellen trocken war. Aber in der ersten Kurve und am Rundenende war es nass." Da Bearman aber ohnehin weit hinten war, verlor er relativ zum Rest des Feldes dank später folgender Safety Cars eigentlich kaum Boden.

Bei Ocon setzte das Team auf das Gegenteil: Er kam anfangs gar nicht an die Box, auch nicht als gegen Runde 10 ein Regensturm über die Strecke fegte. Kurz war er Siebter, aber mit seinen abgefahrenen Start-Intermediates wurde er nach einem Safety Car ab Runde 18 durchgereicht: "Ja, wir hätten für Inters stoppen sollen. Wir haben viel diskutiert, aber das haben wir eindeutig verpasst." Stattdessen stoppte er erst beim zweiten Safety Car - und war Letzter.

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Bearman, direkt vor Ocon Vorletzter, wurde beim Restart in Runde 22 von Yuki Tsunoda umgedreht. Nicht seine Schuld, Tsunoda wurde dafür bestraft, aber das machte es kaum besser. Immerhin: Bearman unterstrich die Pace des Autos. Auf der Strecke überholte er Tsunoda später doch noch, und Ocon ließ ihn per Teamorder vorbei. So gesittet sollte es zwischen den beiden beim Wechsel von Intermediates auf Slicks nicht mehr zugehen.

Bearman & Ocon krönen das Rennen mit Team-Crash

Bearman bekam als besser platzierter Fahrer in Runde 41 den ersten Stopp. Auf der feuchten Strecke legte er allerdings in Maggots einen Highspeed-Dreher hin. So kam in der nächsten Runde Ocon vor ihm auf die Strecke. Bearman, mit den Reifen schon auf Betriebstemperatur, wollte sich den Platz in Brooklands wiederholen. Keine gute Idee. Es gab nämlich nur eine trockene Linie.

Es kam, wie es kommen musste: Ocon konnte nicht zu viel Platz geben, weil es außen feucht war. Bearman haderte innen beim Anbremsen mit der Verzögerung. Synchron drehten sich beide bei der unvermeidlichen Berührung in die Auslaufzone. Bearman rettete P11, Ocon P13. Nach dem Rennen hielten sich beide Fahrer, wohl einen drohenden Rüffel vom Team ahnend, sehr bedeckt. Eine Stewards-Ermittlung sprach beide später wegen der schwierigen Umstände frei.

Komatsu fordert sein Team: Einfach drei saubere Tage

"Ich habe die Onboard beider Fahrer gesehen, habe mit ihnen gesprochen, und für mich ist es ein Rennunfall", fällt Komatsu am Abend schließlich das Team-Urteil. Er ist merklich genervt, dass sich mit Bearmans Fehler die Situation so zugespitzt hatte: "Wir hätten gar nicht in dieser Position sein sollen. Es darf einfach nicht passieren."

"Wenn sie unterschiedlich schnell waren oder auf unterschiedlichen Strategien, dann haben wir sie getauscht, und sie sind völlige Teamplayer, streiten nie, machen den Job sofort", will es Komatsu nicht überdramatisieren. Doch seit Wochen predigt er: Im F1-Mittelfeld braucht es saubere Wochenenden, und die hat Haas viel zu selten. "Wir müssen uns darauf fokussieren, drei saubere Tage an einem Rennwochenende zu haben, und ein Ergebnis holen, welches unser Auto verdient." Denn jetzt ist man nur mehr WM-Neunter.