Nach dem Formel-1-Rennen in Silverstone wurde in der Sauber-Garage gefeiert, als hätten sie die Weltmeisterschaft gewonnen. Die Podiumsplatzierung von Nico Hülkenberg ist die Sensation des Großen Preises von Großbritannien. Gratulationen für den Deutschen, der in seinem 239. Grand Prix das erste Top-3-Ergebnis seiner Formel-1-Karriere einfuhr, häuften sich im Fahrerlager. Alle sind sich einig: Hülkenberg hat dieses Ergebnis mehr als verdient.

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"Nico ist ein herausragendes Rennen gefahren. Eines der besten, die es in Silverstone gab. Eines der besten, die ich überhaupt je gesehen habe," rühmte Sauber-Teamchef Jonathan Wheatley seinen Fahrer. Tatsächlich kommt es in der modernen Königsklasse nicht oft vor, dass ein Pilot sechzehn Plätze in einem Rennen gutmacht. Aber mit der perfekt exekutierten Strategie des Schweizer Teams gelang Hülkenberg von P19 aus das Wunder.

Der ehemalige Red-Bull-Sportdirektor meldete sich bereits auf der Auslaufrunde bei Hülkenberg, um ihm zu seinem Podium zu gratulieren. "Eine absolute Meisterleistung. Das war das überfälligste Podium der Formel-1-Geschichte. Wirklich, fantastische Arbeit", funkte er seinem Neo-Fahrer. Hülkenberg wechselte erst mit dieser Saison von Haas zu Sauber und hat mit dem Team aus Hinwil nach zwölf Rennen bereits neunmal so viele WM-Punkte ergattert, wie sie das ganze letzte Jahr erreichten.

Gabriel Bortoleto: "Bin zum Podium gerannt, um Nico zu umarmen"

Sauber-Teamkollege Gabriel Bortoleto gratuliert Nico Hülkenberg im Parc Ferme zum 3. Platz in Silverstone
Bortoleto konnte seinem Teamkollegen nicht schnell genug gratulieren, Foto: IMAGO / PsnewZ

Auch Gabriel Bortoleto meldete sich direkt nach dem Rennen am Funk bei Hülkenberg. Der Brasilianer sah nach seinem Ausfall von der Box aus zu, wie sich sein Teamkollege durch das Feld vorarbeitete. "Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich für dich freue. Du bist eine verdammte Legende. Ernsthaft, was du heute gemacht hast, war absolut verrückt", schwärmte der 20-Jährige über das Teamradio.

Für Sauber ist es das erste Podium seit Japan 2012. Deshalb waren die letzten Runden des Silverstone-Rennens auch ein euphorisches Chaos in der Garage: "Das ganze Team, die Mechaniker und die Ingenieure, alle haben geschrien und sind vor Freude gesprungen. Ich bin zum Podium gerannt. Ich wollte Nico umarmen, weil er heute spektakulär war", schilderte Bortoleto die Stimmung.

Tatsächlich sahen aufmerksame Zuschauer im Fernsehen, wie Bortoleto am Rennsieger Lando Norris vorbeirannte, um schnellstmöglich zu seinem Teamkollegen zu kommen. "Nach einem schlechten Tag von mir hat das Team dieses Ergebnis verdient", so der Sauber-Rookie. Dank der 15 WM-Punkte von Hülkenberg schiebt sich das Schweizer Team auf den sechsten Platz in der Konstrukteurswertung vor.

Max Verstappen freut sich für seinen Freund Hülkenberg

Bortoleto war aber nicht der erste, der Hülkenberg zu seinem Podium gratulierte. Max Verstappen, der einen enttäuschenden Großbritannien-GP erlebte, ging direkt zu seinem Formel-1-Kollegen, nachdem er aus seinem Red-Bull-Boliden stieg. "Ich habe erst nach dem Rennen erfahren, dass Nico aufs Podium gekommen ist. Niemand hat es mir gesagt", lachte der Niederländer.

Max Verstappen (Red Bull) gratuliert Nico Hülkenberg (Sauber) im Parc Ferme zu Platz 3
Max Verstappen ließ Hülkenberg nicht einmal aus dem Auto aussteigen, bevor er ihm gratulierte, Foto: Sauber

Er und Hülkenberg sind abseits der Rennstrecke gute Freunde, reisen oft zusammen und helfen sich in Qualifyings immer wieder mit etwas Windschatten aus. Die Freude bei Verstappen ist entsprechend groß: "Er ist schon lange in der Formel 1 und schrammte ein paar Mal am Podium vorbei. Deshalb ist das jetzt sehr besonders."

Verstappens erstes Top-3-Ergebnis ließ nicht so lange auf sich warten. Er stand bei seinem 24. Grand Prix das erste Mal auf dem Podest, als er den Großen Preis von Spanien 2016 gewann. Trotzdem weiß der vierfache Weltmeister, dass ein Podium nicht unbedingt etwas über das fahrerische Können aussagt: "Bis jetzt hat es aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert, aber Nico weiß selbst, wie gut er ist. Er hat schon vor der Formel 1 gezeigt, was er kann."

Sainz und Alonso einig: Hülkenberg einer der besten Fahrer

Dem stimmte auch Carlos Sainz zu. "Für mich war es immer komplett irrelevant, dass er noch kein Podium hatte. Er ist meiner Meinung nach einer der besten Fahrer in der Formel 1. Sein Talent und seine Rennexekution sind unglaublich", lobte der Williams-Pilot seinen ehemaligen Teamkollegen.

Von 2017 bis 2018 fuhr der Spanier an der Seite von Hülkenberg bei Renault und kennt daher die Stärken des Emmerichers. "Es freut mich, dass er jetzt ein Podium hat und alle ihren Mund halten können. Ich habe nie an ihm gezweifelt", versicherte Sainz, der sein erstes Top-3-Ergebnis bei seinem 101. Grand Prix einfuhr.

Fernando Alonso fand ebenso lobende Worte für seinen langjährigen Formel-1-Kollegen. Neben ihm und Lewis Hamilton ist Hülkenberg der erfahrenste Pilot im aktuellen Kader. "Er hatte bisher nie das richtige Auto, aber er ist einer der besten Fahrer auf dem Grid. Ich hoffe, dass er das genießen kann", freute sich Alonso. Außerhalb der Königsklasse stand Hülkenberg schon auf einem Podium: Er gewann 2015 die legendären 24 Stunden von Le Mans, Alonso machte es ihm 2018 nach.

Hülkenberg in Zukunft öfter auf dem Podium?

Ob die deutschen Formel-1-Fans in dieser Saison noch auf weiter Hülkenberg-Podien hoffen dürfen, wollte Jonathan Wheatley nicht beantworten: "Ich möchte den Moment genießen, anstatt an diese gnadenlose Verfolgungsjagd, von einem Rennen zum nächsten, zu denken. [Nico] hat heute Klasse bewiesen und keinen Fehler gemacht."

Trotzdem schließt der Brite einen möglichen Hülkenberg-Sieg nicht aus. "Heute hat er gezeigt, was er kann. Wenn er das richtige Auto und die richtigen Umstände bekommt, dann kann er abliefern. Ich habe keine Zweifel, dass er ein Rennen gewinnen kann." Unter normalen Umständen ist der Sauber dafür noch nicht konkurrenzfähig genug. Ab der nächsten Saison wird aus dem Schweizer Rennstall dann das Audi-Werksteam.

Mit seinem Podium in Silverstone brach Nico Hülkenberg nicht nur seine eigene Durststrecke, sondern auch einige Formel-1-Rekorde. Welche das sind, erfahrt ihr hier: