Der Husarenritt von Nico Hülkenberg in Silverstone beherrscht auch am Tag danach die Formel 1-Schlagzeilen – ein Glück für Kimi Antonelli, denn für ihn läuft es ganz und gar nicht. Während er in den ersten sechs Saisonrennen fünfmal gepunktet hat, war der Kanada GP der einzige positive Ausreißer in den letzten sechs Rennen. Vielmehr verbuchte Andrea Kimi Antonelli gleich vier Ausfälle, zuletzt zweimal in Folge.
"Ich habe zu viele Nullen", ist sich der Italiener bewusst und fügte hinzu: "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Im Moment scheint alles schief zu laufen. Es fällt mir schwer, etwas Positives zu finden." Die Negativspirale, in der sich der 18-Jährige befindet, wird im Punktevergleich mit seinem Teamkollegen George Russell deutlich sichtbar: Seit dem Italien GP hat Antonelli nur 15 Punkte erzielt, Russell hingegen 54 – und je länger die Saison andauert, desto mehr steigen die Erwartungen an den Rookie.
Immerhin hatte Mercedes-Teamchef Toto Wolff noch vor seinem Formel-1-Debüt betont: "In Sachen Speed wird Kimi voll bei George dabei sein." In der ersten Saisonhälfte traf Wolffs Vorhersage nicht ein – auch wenn Antonelli mehrmals Ausrufezeichen setzen konnte. Hinzu kommt, dass Mercedes im Kampf gegen Ferrari um Platz 2 in der Konstrukteurswertung zwei Fahrer braucht, die punkten. Aktuell liegt Mercedes mit 12 Punkten Rückstand auf Rang drei. Doch zur Saisonhalbzeit hadert der Mercedes-Youngster mehr denn je mit sich: "Ich mache derzeit definitiv keine schöne Zeit durch. Es fühlt sich an, als würde nichts so richtig funktionieren."
Kimi Antonelli: Zweite Nullnummer in Folge
Während Antonelli in Österreich Max Verstappen abräumte, war er es in Großbritannien, der abgeräumt wurde. Beim Re-Start in Runde 18 krachte Isack Hadjar in das Heck des W16 und beschädigte dabei große Teil des Diffusors. Antonelli, der seinen Wagen bei dem Crash auf der Strecke hielt, bog zunächst in die Box für einen Check ab, musste aber in Runde 25 endgültig aufgeben. "Ich habe versucht, weiterzufahren, aber der Schaden am Diffusor war zu groß. Das Auto war unfahrbar, wir mussten es aus dem Rennen nehmen", erklärte Antonelli.
Für sein frühzeitiges Aus machte er Hadjar keine Vorwürfe. "Selbst nachdem das Safety-Car wieder hereingekommen war, war die Sicht immer noch sehr schlecht und es stand viel Wasser auf der Strecke. Ich habe etwas früher gebremst, weil die Kurve schwer zu erkennen war. Die ganze Situation ist jammerschade, denn ich war genauso nur Passagier wie Isack. Er konnte auch nichts sehen, bis er in meinem Heck war", meinte Antonelli.
Silverstone: Mercedes-Teamchef räumt Fehler ein
Für Toto Wolff war das Rennen in Silverstone eines zum Vergessen. "Es gab definitiv nichts Positives, alles war schlecht", hielt er mit seiner Meinung nicht zurück. Vor allem die strategische Entscheidung, von Intermediates auf Hard zu wechseln, bezeichnete Wolff als katastrophal. "Von da an ging es bergab. Wir haben uns gegen eine geteilte Strategie entschieden. Hätten wir uns dafür entschieden, wäre Kimis Rennen vielleicht anders verlaufen. Er hatte Pech, dass er nach der Safety-Car-Phase einen Schaden erlitt, der das Aus für ihn bedeutete. Er hätte aber nicht mitten im Feld sein sollen, wo dieses Risiko bestand."
Für Wolff heißt es jetzt abhaken und weitermachen. "Dieses Ergebnis müssen wir akzeptieren, aber wir müssen auch dafür sorgen, dass sich die Fehler von heute nicht wiederholen", stellte der 53-Jährige klar. Der gleichen Meinung ist auch Antonelli. Er will die Pause bis zum Belgien-Grand-Prix nutzen, um Zeit in der Fabrik zu verbringen, aber auch, um sich eine Pause zu gönnen. "Die Pause kann ich gut gebrauchen. Wir müssen uns einfach konzentrieren, neu starten und versuchen, das Licht am Ende des Tunnels zu finden", so Antonelli.



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