Die Bergauf-Haarnadel in Spielberg war das ganze Wochenende in allen Rahmenrennen der Formel 1 ein Problem-Spot, und im Grand Prix war es nicht anders. Diesmal schoss hier Kimi Antonelli mit unglaublichem Überschuss Max Verstappen (und sich selbst) aus dem Rennen. Antonelli hat den Grund parat, will sich aber sicher nicht der Verantwortung entziehen.
So entschuldigte sich Antonelli schon in der Auslaufzone bei Verstappen: "Ich konnte nicht hören, was er sagte, aber ich habe mich entschuldigt und werde nachher noch einmal versuchen, mit ihm zu sprechen und mich zu erklären." Nach dem Rennen besuchte er Verstappen auch noch einmal im Red-Bull-Motorhome. Verstappens Sicht der Dinge gibt es hier:
Der Fehler an sich war spektakulär. Mit massivem Überschuss war Antonelli von sozusagen zwei Reihen weiter hinten plötzlich am Scheitelpunkt von Kurve 3 aufgetaucht und hatte Verstappen linkes Hinterrad gerammt. Für einen Verbremser dieser Größenordnung braucht es eigentlich schon mehr als einen simplen Fahrfehler als Erklärung.
Antonelli verschätzt sich mit Start-Grip: Falsche Bremsbalance
"Ich hätte einfach die Brems-Einstellungen ändern sollen, dann wäre das alles nicht passiert", analysiert Antonelli. "Für den Start haben wir eine Bremsbalance-Voreinstellung, um Verbremser mit den Vorderreifen zu verhindern." Dabei wird die Bremsbalance sehr weit nach hinten verschoben.
Als Antonelli nun in Kurve 3 ankam, bremste er aber wie sonst immer - nur mit der Start-Bremsbalance. Infolgedessen blockierten jetzt seine zu starken Hinterbremsen und er verlor die Kontrolle. Er musste daraufhin wieder die Bremsen lösen und nach rechts ausscheren, um eine Kollision mit Liam Lawson zu verhindern. Dadurch kam er nun auf die dreckige Seite der Strecke: "Als ich dann wieder auf die Bremse bin, hat es links vorne blockiert, und ich konnte das Auto nicht mehr stoppen."
"Ich hätte bloß die Bremsbalance etwas nach vorne verstellen sollen", ärgert sich Antonelli über sich selbst. "Das ist eine große Lektion fürs nächste Mal. Ich werde einfach versuchen, stärker in Silverstone zurückzukommen." Wo er im Rennen allerdings um drei Startplätze zurückversetzt werden wird. Diese Strafe sprachen die Stewards nach dem Rennen für den Crash aus.
Kimi Antonellis bislang größter F1-Fehler fordert mentale Stärke
"Zum Glück haben wir noch ein Rennen, um das zu vergessen", lautet Antonellis Fazit. Dabei hofft er, dass die Erfahrung aus den ersten drei Europarennen hilft. Die waren desaströs verlaufen, teils wegen Defekten, aber auch mit einem kostspieligen Qualifying-Crash in Monaco. Antonelli machte das alles mit seinem ersten Podium in Kanada direkt im Anschluss aber vergessen.
"Absolut", unterstreicht Antonelli, dass diese Erfahrungen helfen. "Es ist wichtig, alles zurückzusetzen und in Silverstone stärker zurückzukommen. Das habe ich nach dem Triple-Header schon geschafft, das ist das Ziel, und es gibt keinen Grund, warum ich nächstes Wochenende nicht stärker zurückkommen sollte."
"Natürlich rechnest du damit, dass du in der ersten Saison sehr hohe Höhen und tiefe Tiefen erlebst, und du willst die Tiefen minimieren, und ich will so konstant wie möglich sein", meint Antonelli. "Es war ein Fehler meinerseits, wie in Monaco. Natürlich war es das erste Mal, dass mir sowas passiert ist. Für das nächste Mal weiß ich definitiv besser, was ich dann tun muss."



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