"Die Top-10 sind realistisch für uns", sagte Gabriel Bortoleto noch gestern nach dem Sprint-Qualifying. Dabei hat er wohl nicht die desaströsen Starts von Audi miteingerechnet. Beim Formel-1-Sprint in Kanada ging es für ihn und seinen Teamkollegen nur nach hinten, Nico Hülkenberg griff sogar eine Strafe ab.

Beim jungen Brasilianer war der Anfang vom Ende der Start. Als die Lichter ausgingen, fiel die Drehzahl seines Motors direkt in den Keller und er kam nur langsam vom Fleck. Gleich drei Plätze musste er einbüßen, noch bevor er die erste Kurve erreicht hatte. Nach der ersten Schikane stockte seine Schaltung ordentlich, was seinem Mentor und Manager Fernando Alonso die Tür offenließ. Am Ende der zweiten Runde läuft er dann auf seinen Teamkollegen auf.

Hülkenberg kam im Grunde in Ordnung weg und konnte seine Position verteidigen. Er hatte aber über die erste Runde Franco Colapinto im Nacken. Auf der Geraden zur Schikane 8 und 9 war der mit einem Mercedes-Motor ausgestattete Alpine schneller und Colapinto setzte sich innen neben Hülkenberg. Der verbremste sich und musste den dreckigen Weg über die Wiese gehen. Dadurch verlor einer einige Plätze und fiel von P11 auf P15 zurück.

Am Ende von Runde zwei war dann Bortoleto an der Reihe, über eine Schikane abzukürzen. Das Heck seines Teamkollegen kam ihm durch einen Ziehharmonika-Effekt in der letzten Kurve gefährlich nahe. Er fuhr über den asphaltierten Auslaufbereich und konnte eine Kollision vermeiden. Genau diese Stelle wurde Hülkenberg später zum Verhängnis.

Wofür wurde Nico Hülkenberg beim Kanada-Sprint bestraft?

In Runde elf hatte sich Liam Lawson bereits mit dem Heck von Hülkenbergs R26 bekanntgemacht. Der Abstand zwischen ihnen war bereits seit Runde sechs unter einer Sekunde. Auf der Geraden vor der letzten Schikane saugte sich Lawson an, Hülkenberg wechselte zweimal die Spur, um zu verteidigen. Dabei verbremste sich Hülkenberg hart, konnte nicht mehr genügend einlenken und musste in Kurve 13 geradeaus weiterfahren.

Lawson funkte sofort: "Er muss den Platz aufgeben." Am Audi-Radio war das gar kein Thema, Hülkenberg beklagte sich lediglich über die abgebremsten Stellen auf seinen Reifen. Die Stewards gaben den Racing Bulls recht. "Auto 27 [Hülkenberg, Anm. d. Red.] hat in Kurve 13 gegen Auto 30 [Lawson] verteidigt und die Strecke verlassen. Dabei hat es sich einen nachhaltigen Vorteil gegenüber Auto 30 verschafft, indem es die Position gehalten hat. Der Fahrer hat die Position nicht zurückgegeben. Das ist ein Vergehen gegen die Driver Standard Guidelines und wird mit der gängigen Strafe von 10 Sekunden abgestraft", hieß es im dazugehörigen Dokument.

"Ich glaube, das war ein lehrreicher Sprint, wenn auch kein erfolgreicher" meinte Hülkenberg nach der Session. Er fiel mit seiner Strafe auf Platz 15 zurück. Gabriel Brotoleto wurde durch Ausfälle und Boxenstopps auf Platz 12 vorgespült. Audi ging damit leer aus. "Wir haben einige Sachen probiert und einige Antworten gefunden. Jetzt werden die Karten neu gemischt für das Qualifying", so Hülkenberg.

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