Der Rest der Formel 1 hofft, angeführt von Red Bull, gerade, mit den letzten großen Updates im europäischen Sommer noch einmal die Lücke zu McLaren zu verkürzen. Doch die WM-Führenden schlafen nicht, und machen beim Technik-Rennen am Silverstone-Wochenende mit. Sie sind eines von sechs Teams mit modifiziertem Unterboden.
Red Bull hatte schon vor über zwei Wochen davon gesprochen, dass die über Österreich und Silverstone verteilten Modifikationen des Unterbodens wohl WM-entscheidend sein dürften. Da ab jetzt auch die großen Teams gerade ihre Entwicklungs-Ressourcen Schritt für Schritt auf 2026 umschichten. Viel mehr wird ab jetzt nicht mehr kommen.
McLaren steigt in Silverstone endlich ins Unterboden-Rennen ein
Vonseiten McLaren gab es dieses Jahr noch auffällig wenig. Das Grund-Design des Unterbodens ist seit Saisonstart gleich, nur den Diffusor hatte man bislang leicht modifiziert. In den letzten Rennen lag das aerodynamische Augenmerk auf dem Vorderwagen, mit einem neuen Frontflügel, neuen Bremsbelüftungen und einer neuen Verkleidung der Vorderachse sollte der MCL39 hier effizient mehr Abtrieb generieren.
In Silverstone geht es erstmals weiter mit dem Unterboden. Mit Ansage: "Der komplette Unterboden wurde umgebaut", lässt McLaren am Freitag wissen. Die Geometrie des Hauptkörpers ist neu, was den Luftfluss und die Verteilung des Saug-Effektes ändern soll. Alles soll mehr aerodynamische Performance erreichen. Zusätzlich ist der Einfluss-Bereich der hinteren Bremskühlung neu, um Kühlung und Aero-Effekte zu verbessern.
McLaren ist eines von zwei Teams, welches erst in Silverstone das erste Unterboden-Update gebracht hat. Teams wie Ferrari und Red Bull sind schon bei ihrem zweiten. Der Unterboden gilt als Performance-Schlüssel der Ground-Effect-Autos. Allerdings hat sich in der Vergangenheit auch oft gezeigt, dass es sehr einfach ist, hier Fehler zu begehen, die man erst auf der Strecke sieht. Im Windkanal und in CFD kann man nicht alle Aero-Faktoren so akkurat messen wie nötig. Deswegen predigen die McLaren-Techniker seit einem Jahr: Sie bringen Teile erst, wenn sie sich absolut sicher sind.

Red Bull erweitert zweites Update-Paket in Silverstone
Von Problemen kann Red Bull ein Lied singen. Weiterhin sucht das Team nach Antworten, und hier ist man gerade mitten in der zweiten Unterboden-Revision des Jahres. In Österreich war die Seitenkante schon neu, in Silverstone folgt mehr: Die Leitelemente am Einlassbereich wurden lateral neu positioniert, um die Druckverteilung zu verändern, wodurch mehr Abtrieb erzielt werden sollte, ohne dass der Luftfluss entlang des hinteren Unterbodens destabilisiert wird.


Der Hauptkörper dahinter wurde an diese Änderungen angepasst und über seine Flächen über die ganze Länge des Unterbodens modifiziert. Dadurch soll auch hier mehr Abtrieb erzeugt werden. Dabei soll die Stabilität des Luftflusses, Zitat, "adäquat" bleiben. Basierend auf den letzten Wochenenden dürfte zu erwarten sein, dass nur Max Verstappen das komplette Paket fährt. Red Bull versucht seit Saisonbeginn die Teile möglichst schnell an die Strecke zu liefern.
Williams mit dabei im Unterboden-Rennen, Sauber hört nicht auf
Ferrari und Mercedes haben in Silverstone nur alte Teile - sie lieferten ihre neuesten Pakte über die letzten Rennen bereits an. Dafür steigt Williams endlich ins Unterboden-Rennen ein. Das Team spricht seit Saisonstart davon, fast alles auf 2026 zu setzen, und sie hatten vor Silverstone noch weniger am Unterboden getan als McLaren. Auch das Silverstone-Update ist recht klein. Die vorderen Leitelemente wandern nach innen, ihre Krümmung ist plastischer und biegt sich zum ursprünglichen Ort. Das soll den Luftfluss zum Rest des alten Unterbodens verbessern.

Das Mittelfeld-Team der Stunde, Sauber, modifiziert den Unterboden in Silverstone zum dritten Mal in vier Rennen. Ihre letzten Adaptionen resultierten nicht unbedingt in mehr Abtrieb, aber das vorhandene Abtriebsniveau wurde in einem breiteren Fenster nutzbarer. Jetzt wurde die Geometrie des vorderen Unterbodens im Sinne der letzten Updates weiterentwickelt, um effizient mehr Abtrieb zu generieren. Separat davon gibt es ein neues Design der Haupt-Flaps des Frontflügels. Das soll für Highspeed-Strecken wie Silverstone besser passen.
Aston Martin & Haas zeigen angekündigte neue Unterböden in Silverstone
Bei Aston Martin ist der zweite Komplett-Umbau des Unterbodens am Start. Von ihm erwartet man aber weniger als vom ersten in Imola. Die Form des Hauptkörpers wurde nur leicht adaptiert, die Krümmung der Einlass-Elemente ist anders, und das Flügel-Element in der Seitenkante und die umliegenden Geometrien wurden leicht adaptiert. Alles soll mehr Abtrieb bringen. Um es optimal auszubalancieren, musste man noch das Profil des oberen Bereichs der Motorabdeckung leicht ändern. Damit sollte 2025 abgeschlossen sein, das Auto ist nicht mehr im Windkanal - außer das Team bekommt aus Silverstone Daten, die einfache Weiterentwicklungen nahelegen

Auch Haas bringt effektiv den zweiten neuen Unterboden nach Imola. Der Expansionsbereich des Hauptkörpers ist anders, die Leitelemente vorne sind neu positioniert, und das Flügel-Element in der Seitenkante wurde verkleinert. Davon erhofft man sich effizienteren Anpressdruck bei lateraler Last, wodurch das Auto in schnellen Kurven stabiler und berechenbarer werden soll. Das war bislang eine bekannte Achillesverse des VF-25. Silverstone ist perfekt, um es zu testen. Wer in solchen Kurven hier nämlich schlecht ist, dem droht ein Performance-Desaster.
Nebenbei hat Haas den Lufteinlass des Seitenkastens modifiziert, wodurch der Luftfluss zum Heck sauberer werden soll. Esteban Ocon testete das Update in FP1 für Vergleichstests. Sonst haben im Mittelfeld nur die Racing Bulls die Profile der Frontflügel-Flaps für bessere Balance auf Highspeed-Strecken verkleinert. Apine hat nichts Neues dabei.



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