Das Formel-1-Rennen in Silverstone hätte der erste Ferrari-Doppelsieg seit 2024 werden können. Nach dem Boxenstopp von Lewis Hamilton unter dem Safety-Car kurz vor Ende des Grand Prix glitt den Roten diese Chance jedoch durch die Finger. Der Rekordweltmeister kam als Dritter knapp hinter George Russell wieder auf die Strecke. Zu einem Restart kam es nicht. Trotz der verpassten Chance war aber genau dieser Boxenstopp für Formel-1-Experte Christian Danner in diesem Moment die richtige Strategiewahl.

"Einen Doppelsieg braucht ein Lewis Hamilton nicht. Der will selbst ganz oben stehen und nicht Zweiter werden", argumentiert Danner. "Hamilton auf frischen Reifen hätte die Chance gehabt, Leclerc zu attackieren. Das hätte er, wenn er draußen geblieben wäre, nicht machen können."

Boxenstopp in Silverstone: Danner schlägt sich auf die Seite von Ferrari

Mit einem Puffer von 15 Sekunden auf George Russell holte Ferrari den Rekordchampion in die Box. Direkt nach seinem Stopp drei Runden vor Schluss lag er zwar nur fünf Zehntelsekunden hinter Russell, da das Rennen aber nicht mehr freigegeben wurde, hatte er keine Chance, seinen Vordermann zu attackieren. Der zweite Platz war damit Geschichte und damit auch der Ferrari-Doppelsieg beim 250. Triumph der Scuderia.

"Man darf Ferrari keinen Vorwurf machen", verteidigt Danner die Entscheidung der Roten. "Da sind unglaublich viele Faktoren zu berücksichtigen und auch diese komische Boxeneinfahrt, wo du unglaublich viel Zeit gewinnst und die komische Boxenausfahrt, wo du wieder unglaublich viel Zeit verlierst."

Genau dieses Phänomen wurde auch Williams-Pilot Carlos Sainz zum Verhängnis. Wieso sich der Spanier im Nachgang des Rennens deshalb noch eine kuriose Strafe einhandelte, erfahrt ihr in diesem Artikel.

Ferrari reagierte in der Vergangenheit eher konservativ auf solche Rennsituationen. Noch in Australien verlor Charles Leclerc dadurch wertvolle Punkte und die Chance auf den Sieg. Die etwas riskante Entscheidung im Rennen in Silverstone ist für den Experten deshalb ein Zeichen, dass sich die Denkweise des Teams verändert hat. "Es zeigt, dass Ferrari auf beiden Seiten der Garage inzwischen die Position eins im Visier hat, und nicht mehr Position fünf oder sechs so wie letztes Jahr", freut sich Danner über die positive Entwicklung der Italiener.

Danner sicher: Im Titelkampf ist noch alles offen

Sogar den WM-Titel traut er den Italienern in dieser Saison zu, auch wenn sie dazu noch etwas schneller werden müssen. In der Zuverlässigkeit sieht er Mercedes und Ferrari jedoch auf Augenhöhe. "Der schnellere Mercedes ist auf jeden Fall im Vorteil", meint Danner. "Ich denke aber, die Probleme, die beide Seiten noch haben, werden sich bis zum Ende des Jahres nivelliert haben."

Dass Ferrari in dieser Saison ernsthaft um den Titel mitfahren kann, begeistert den F1-Experten. Vor allem für Italien sei dieser WM-Kampf eine Win-Win-Situation. "Es ist großartig. Und für Italien ist es noch besser, denn entweder gewinnt der Antonelli oder Ferrari!"

Kimi Antonelli führt mit 25 Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen George Russell die Weltmeisterschaft an. Auf Platz drei liegt Lewis Hamilton mit 32 Punkten Rückstand. Da die Saison jedoch erst neun Rennen alt ist, ist laut Danner alles offen. "Wir können, wenn alles vorbei ist, nachrechnen und sagen, es war doch der eine Punkt, den Ferrari durch den Boxenstopp in Silverstone vergeben hat, oder den Hamilton durch den Fehlstart verloren hat."

Doch in dieser Phase der Saison sei laut Danner noch alles im grünen Bereich. "Hamilton bekommt alles auf die Reihe, solange er das von seinem Team bekommt, was er einfordert", ist sich der F1-Experte sicher.

Was F1-Experte Christian Danner sonst noch zum Großbritannien GP zu sagen hatte, das erfahrt ihr in diesem Video:

Red-Bull-Flucht? Warum Verstappen laut Danner nicht wechselt (42:06 Min.)