Das Formel-1-Wochenende von Lewis Hamilton ging in Silverstone am Sonntag steil bergab. Er begann das Rennen mit einer Strafe wegen eines Frühstarts und beendete es um ein Haar noch mit einer weiteren, die ihn das Podium gekostet hätte. Der Sargnagel für sein Rennergebnis blieb ihm erspart. Dennoch konnte er nach seiner Pole Position für den Sprint und dem zweiten Platz in diesem mit dem Heimspiel nicht zufrieden sein. Die Pace war nicht da und eine falsche Entscheidung kostete den Ferrari-Doppelsieg.
"Die ganze Magic, die ich seit Freitag hier hatte, ist über das Wochenende verschwunden", so Hamilton, der in einem kuriosen Finish noch Dritter wurde. Um dieses Ergebnis musste er nach dem Zieleinlauf noch über eine Stunde zittern. "Ich bekomme wahrscheinlich noch eine Strafe, dann verliere ich das [Podium] noch. Die FIA... du musst reagieren, ich bin bei einer gelben Flagge vorbeigekommen und habe sie nicht gesehen", erklärte er zunächst. "Der Frühstart, die gelbe Flagge. Wenn es regnet, schüttet es auch immer gleich."
Ganz so schüttete es am Ende für ihn nicht. Aus dem Gelbvergehen wurde nur eine Verwarnung statt einer Strafe - seine erste in der laufenden Saison. In Runde 37 hatte er den gestrandeten Audi von Nico Hülkenberg in Kurve 9 (Copse) passiert und war dafür untersucht worden. "Ich hatte gerade Max geholt, schaute in den Spiegel und dachte, dass er mich wie George gleich auskontern würde. Ich schaute, und sah deshalb die Flagge nicht. Daher fragte ich später [am Funk], ob dort Gelb war, weil ich nichts gesehen hatte."
Das Urteil der Stewards fiel milde aus: "Die erste Lichtsignalanlage, auf die man nach Kurve 9 stößt, leuchtete unmittelbar vor Kurve 10 grün. Die gelbe Anzeige auf dem Lenkrad-Display erschien erst, als sich der Fahrer bereits auf der Geraden in Richtung Kurve 10 befand und sich dem Ende der Gelbphase näherte. [...] Aus den Beweismitteln ging hervor, dass sich im unmittelbaren Sichtfeld des Fahrers keine gelbe Warntafel befand und dass die gelbe Anzeige auf dem Lenkrad-Display nur für einen sehr kurzen Zeitraum sichtbar blieb. Die Rennkommissare kamen daher zu dem Schluss, dass dem Fahrer nur sehr wenig Zeit zur Verfügung stand, um auf die gelbe Flagge zu reagieren. [...]
Grund genug für die Verwarnung gab ihnen Hamilton schlussendlich aber: "Die Rennkommissare stellen dennoch fest, dass Hamilton, nachdem die gelbe Flagge auf dem Lenkrad-Display angezeigt worden war und das grüne Lichtsignal unmittelbar vor Kurve 10 aufleuchtete, keine erkennbare Geschwindigkeitsverringerung vornahm und somit die bei einer einzelnen gelben Flagge geltenden Anforderungen nicht vollständig erfüllte."
Lewis Hamilton geht mit Frühstart ins Rennen
Von den Startplätzen zwei und drei übernahmen Charles Leclerc und Lewis Hamilton am Start gleich das Kommando, als sie Pole-Setter Kimi Antonelli in Kurve eins hinter sich ließen. Anders als Rennsieger Leclerc hatte Hamilton in seiner Gridbox aber gezuckt und kassierte dafür eine 5-Sekunden-Strafe. "Meine Hand hat sich einfach bewegt. Ich weiß gar nicht, warum. Ich hab meiner Hand nicht gesagt, dass sie das machen soll. Aber das passiert", so Hamilton über seinen Fauxpas.
Durch die Zeitstrafe fiel er nach dem Pitstop in Runde 23 von der dritten auf die fünfte Position hinter Max Verstappen und George Russell zurück. Mit Leclerc und Antonelli hatte er im ersten Stint aber schon nicht mithalten können. "Mir hat einfach der Grip auf der Vorderachse gefehlt. Wir haben beim Frontflügel massiv untertrieben, das ist meine Schuld und die der Ingenieure", erklärt der 41-Jährige. "Ich hatte Übersteuern mit unterschiedlichen Differential-Settings, also haben wir Frontflügel rausgenommen und ich hatte am Anfang dieses heftige Untersteuern.
Ferrari-Fehlentscheidung kostet Doppelsieg in Silverstone
Im späteren Rennverlauf bekam er das Problem mit anderen Einstellungen am Differential in den Griff, und auch das Schicksal kam ihm entgegen. Kimi Antonelli wurde von einem Defekt lahmgelegt und Max Verstappen flog in Runde 47 ab. Damit lag Hamilton wieder auf Platz zwei, doch aus dem Ferrari-Doppelsieg wurde nichts. Der Unfall von Verstappen sorgte für ein Safety Car. In Erwartung eines Restarts holte die Scuderia den führenden Leclerc und Hamilton rein. Letzterer wurde dadurch von Russell kassiert.
Der Restart blieb wider Erwarten aus, und Hamilton war der Chance beraubt, sich P2 von seinem ehemaligen Mercedes-Teamkollegen zurückzuholen. Dieses Szenario hatte sein Team aber beim späten Reifenwechsel so gar nicht beabsichtigt: "Das Team holte mich rein, in der Erwartung, dass wir die Position halten. Hätten sie mir gesagt, dass wir stoppen und ich die Position verliere, wäre ich nicht reingekommen."
Nach diesem durchwachsenen Sonntag war das Ergebnis für Hamilton mehr als willkommen. "Ich hatte es heute einfach nicht drauf. Der Frühstart, die 5-Sekunden-Strafe, und Charles war schneller als ich. Ich hatte Probleme mit der Balance des Autos, ich habe alles gegeben und bin dankbar, hier oben zu sein", so der siebenfache Champion. "Gratulation an Charles, er hat einen mega Job gemacht und verdient diesen Sieg absolut."


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