Viel wurde spekuliert über Zukunft von Carlos Sainz. Der Spanier war bei Williams offenkundig in den letzten Monaten alles andere als zufrieden, nachdem das Formel-1-Team aus Grove zu Jahresbeginn einen kompletten Fehlstart in die neue Regelgeneration hingelegt hatte und seitdem auch im Upgrade-Rennen keine nennenswerten Sprünge hinlegte.

Sainz hatte offen seinen Verbleib in Zweifel gezogen und mit einem Abgang zur Konkurrenz kokettiert. Nun zog Williams allerdings einen Schlussstrich unter all diese Wechselideen. Am Mittwoch vor dem Niederlande-GP in Zandvoort wurde bekanntgegeben, dass Sainz einen neuen Vertrag unterzeichnet hat und damit bei dem Traditionsrennstall bleibt.

Carlos Sainz unterzeichnet mehrjährigen Vertrag

Etwas überraschend ist allerdings die Laufzeit dieses Kontrakts. Denn Williams stellte klar, dass es sich um einen mehrjährigen Vertrag handelt und nicht nur um eine einjährige Verlängerung. Das unterscheidet Sainz von Alex Albon. Der Thailänder hatte gestern seinen Vertrag verlängert. Bei ihm war nur die Rede von 2027, ohne eine Nennung der darüber hinausgehenden Zukunft.

Wie so häufig in der Formel 1 ist dabei allerdings unklar, welche konkreten Klauseln sich hinter der Dauer von Carlos Sainz' Vertrag verstecken. Denn es ist üblich, dass F1-Verträge mit diversen Leistungsklauseln ausgestattet sind, die in der Regel im Sommer gezogen werden können. Es ist also gut vorstellbar, dass der dauerhafte Verbleib von Sainz bei Williams über 2027 hinaus direkt an eine klare Leistungsverbesserung des Teams gebunden ist.

Carlos Sainz wurde bei der Verkündung folgendermaßen zitiert: "Ich bin nach wie vor so engagiert, Williams dabei zu helfen, dorthin zu kommen, wo es hingehört, wie am ersten Tag." Allerdings ist angesichts der letzten Monate der Verbleib alles andere als eine Traumehe. Nachdem sich bei den F1-Topteams keine potenzielle Stelle auftat und Sainz auch von Audi einen Korb kassiert hatte, gingen ihm langsam die Alternativen aus.

Gleichzeitig dürfte die Verlängerung von Sainz wohl auch mit einer klaren Gehaltserhöhung verbunden sein. Der ehemalige Ferrari-Pilot gibt seit etwa einem Jahr klar den Ton bei dem Rennstall an und stellt Williams-Rekordstarter Albon sportlich klar in den Schatten. 2025 stand er zweimal auf dem Podest - es waren die ersten F1-Podien von Williams in einem über die volle Distanz ausgetragenen Grand Prix seit 2017. 2026 ist der aktuell knappe Vorsprung von 6:5 im Punkteduell gegen Albon nicht repräsentativ für die in der Regel klar besseren Leistungen des Madrilenen.

Keine Zweifel an Teamchef Vowles & Co? Sainz: "Glaube an die Leute bei Williams"

2024 war mit dem Wechsel von Lewis Hamilton nach Maranello klar geworden, dass Sainz keine Zukunft bei Ferrari haben würde. Anschließend hatten fast alle Mittelfeld-Teams Interesse an ihm bekundet und obwohl auch Alpine und vor allem Sauber-Audi ihre Fühler nach ihm ausgestreckt hatten, ließ sich Sainz von Teamchef James Vowles davon überzeugen, dass Williams mit Blick auf die neue Regelgeneration die richtige Wahl für seine Zukunft ist.

Dass das Team anschließend sein Versprechen nicht einlösen konnte, hatte für erste Risse im Verhältnis zwischen Vowles und Sainz gesorgt. Von diesen will man bei der Verlängerung natürlich nichts mehr wissen, stattdessen betont Sainz die offene und geradlinige Beziehung, die ihn mit Vowles und den anderen Verantwortlichen im Team verbindet. "Ich glaube an die Leute, die dieses Team formen - sowohl in der Fabrik als auch an der Strecke – und an die Investments und die harte Arbeit, die im Hintergrund passiert. Wir haben das Zeug, gemeinsam das Ruder herumzureißen", wird Sainz bei der Williams-Bekanntgabe zitiert.

James Vowles: Carlos Sainz eine Führungsfigur

Vowles streute seinem Fahrer ebenfalls Rosen. Er lobte vor allem den Arbeitsethos des aktuell WM-Fünfzehnten: "Seit er zu uns gekommen ist, waren Carlos' Talent hinter dem Lenkrad und sein Einsatz in der Fabrik extrem wertvoll für dieses Projekt. Tagein, tagaus arbeitete er mit seinen Ingenieuren, um jede Millisekunde zu finden. Er ist eine Führungsfigur in diesem Team."

Fahrerisch hat Williams also auch für 2027 keine Ausreden, denn mit Carlos Sainz und Alex Albon, der in den Jahren vor der Ankunft von Sainz phasenweise als Alleinunterhalter für Williams Punkte sammelte, sind im Mittelfeld beide über alle Zweifel erhaben, wie auch Vowles weiß: "Ich glaube, dass wir eine der besten Paarungen im Feld haben."

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