Es ist einfach nicht McLarens Wochenende. Der Formel-1-Konstrukteursweltmeister hinkte den restlichen Topteams schon seit den Trainings hinterher, im Qualifying wurde es nicht besser: Nur Startplatz fünf schaut für Lando Norris in Sepang heraus, Teamkollege Oscar Piastri startet direkt dahinter. Mit nur 0,005 Sekunden Abstand zwischen ihnen geben beide Papaya-Piloten ein gemeinsames, enttäuschendes Bild ab.
"Ich habe das Gefühl, meine Runde war ziemlich stark", verteidigt Norris seine Performance. "Ich sollte weiter vorne sein. Nicht, weil ich eine bessere Leistung hätte bringen können, sondern weil wir nicht alles aus unserem Auto herausbekommen. Das macht mein Leben nicht nur heute, sondern auch morgen schwerer."
In Sepang hadert Norris erneut mit dem Motor. Schon in Baku machte er ein mysteriöses Problem an der Power Unit für ein Defizit auf der Geraden verantwortlich. "Mir fehlt noch immer Straight-Line-Speed", bestätigt er nach dem Qualifying. "Jedes Mal, wenn ich einen guten Kurvenausgang erwische, bin ich am Ende der Geraden langsamer. Es tut jedes Mal weh, das zu sehen." Beim letzten Rennwochenende vermutete das Team ein Problem mit der Benzineinspritzung. In Malaysia ist es nicht mehr so eindeutig.
Bloß keine Mercedes-Kritik: Stella sucht politisch korrekte Erklärung für Motordefizit
McLaren weiß nämlich nicht, wo das Problem liegt. Teamchef Andrea Stella bemüht sich beim Bahrain-GP um eine Erklärung, die auf gar keinen Fall den Mercedes-Motor für das Defizit verantwortlich macht: "Wir sollten für mehr Präzision von einem fehlenden Straight-Line-Speed an Landos Auto sprechen. In energielimitierten Bereichen beschleunigt das Auto weniger und generiert weniger Topspeed, in etwa zwei bis drei Zehntel."
Zwei Zehntel mehr hätten Norris für das Rennen am Sonntag drei Plätze geschenkt und unter die Top 3 gebracht. Mit einem Rückstand von 0,627 Sekunden auf Pole-Setter Max Verstappen wurde der amtierende Weltmeister hingegen nur Sechster, profitiert aber wie sein Teamkollege von Isack Hadjars Strafversetzung.
Das Defizit genau zu beziffern und zu analysieren, sei schwierig, da es sich in sehr geringem Ausmaß bemerkbar macht. Sobald Norris einen Hauch eines Windschattens bekommt, ist der Verlust schon nicht mehr offensichtlich. Dass das Problem aber existiert, zeige die Statistik, so Stella. Dass es nicht am Energie-Deployment liegt, erkennt das Team anhand der Daten, weswegen der Teamchef und ehemalige Ingenieur andere Gründe vermutet.
"Die Power Unit kann auch vom Chassis beeinflusst werden", wendet Stella zudem ein. Der MCL40 ist bekanntlich nicht das aerodynamisch effizienteste Auto im Feld. "Wir beschweren uns also zu keinem Zeitpunkt über die PU", bemüht sich der Italiener, den Motorenlieferanten nicht zu verärgern. Über das Straight-Line-Defizit müsse man aber sehr wohl sprechen, denn: "Das ist nur fair Lando gegenüber. Wir müssen als Team Verantwortung dafür übernehmen, dass sein Auto Rundenzeit liegen lässt und wir das an den letzten Wochenenden nicht reparieren konnten."
Piastri verliert fast Auto: Darum keine Verbesserung auf letztem Q3-Run
Ein McLaren wurde also von einem mysteriösen Motorproblem, das sicher nichts mit dem Motor zu tun hat, lahmgelegt. Aber was ist mit dem zweiten Papaya-Boliden passiert? Oscar Piastri sah bis zum finalen Qualifying-Run wie der schnellere McLaren-Fahrer aus, konnte sich dann aber nicht mehr verbessern.
"Meine erste Runde in Q3 war ziemlich gut", bewertet Piastri. "Bei der zweiten Runde muss ich mir erst anschauen, was da schieflief. Ich habe in Kurve zwei eingelenkt und wäre plötzlich fast verkehrt dagestanden." Bereits in Kurve eins rutscht er auf der Hinterachse leicht. Im Ausgang von Kurve zwei muss er dann richtig gegenlenken, um seinen MCL40 nicht wegzuschmeißen.
"Das ist nicht der beste Start in die Runde. Ich glaube, da war definitiv noch mehr für mich zu holen", weiß Piastri selbst. Für Stella ist es nicht eindeutig, was genau zum Verlust des Hecks geführt hat, aber er hat eine Vermutung: "Die Reifen sind hier so empfindlich, dass du jeden kleinen Durchdreher über die ganze Runde mitnimmst und dadurch eine Zehntel verlierst."
Norris & Piastri zweifeln an Rennchancen: Weit davon entfernt, ein gutes Auto zu sein
Aber selbst ohne mysteriöse Probleme wäre McLaren die Pole Position in Sepang verwehrt geblieben. "Wir sind hier einfach nicht schnell genug", gibt Piastri zu. "Wir haben uns übers Wochenende leicht verbessert, aber diese Strecke legt alle Probleme offen, wegen derer wir nicht genug Zeit aus dem Auto schlagen können. Es ist keine große Überraschung, dass wir dort sind, wo wir sind."
Für das Rennen haben beide Papaya-Piloten wenig Hoffnung, mit den anderen Topteams mitzukämpfen. "Unsere Longruns haben gestern passabel ausgesehen, aber sie waren etwas kürzer und weniger spektakulär als die der anderen", bleibt der Australier realistisch. "Ich glaube nicht, dass wir morgen eine große Veränderung zu heute sehen werden." Norris sieht es ähnlich und weist jede Hoffnung auf eine Aufholjagd mit einer nüchternen Feststellung ab: "Wir sind sechs Zehntel hinter der Pace von Max."
Die einzige Hilfe für McLaren könnte aus dem Himmel kommen. Für das Rennen sind derzeit keine Regenschauer angekündigt, aber in der Monsunzeit kann sich das in nahe der südostasiatischen Küste schnell ändern. Norris will darauf aber nicht bauen, sieht es sogar eher als Hindernis: "Ich bin dieses Auto noch nie im Regen gefahren. Ich habe also keine Ahnung, ob es sich besser oder schlechter verhält. Normalerweise sind die Autos, die an einem Tag wie heute performen, die besten. Wir sind heute weit davon entfernt, ein gutes Auto zu sein. Ich bezweifle, dass wir im Regen besser sein würden."
Max Verstappen gewann das letzte Formel-1-Rennen in Malaysia, und beim Comeback als Bahrain-GP ist er drauf und dran, die Konkurrenz zu schocken. Mit Red-Bull-Risikotaktik? Alles dazu gibt's im Favoritencheck:



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