Wenn, dann richtig. Max Verstappen steht in der Formel-1-Saison 2026 in Malaysia erstmals auf der Pole Position und das mit einer Vorstellung, bei der nie Zweifel daran aufkamen, dass es der Niederländer sein würde, der sich Startplatz 1 sichert. In allen Segmenten reichte Verstappen ein Run für P1, auch wenn er in Q3 sicherheitshalber noch ein zweites Mal ausrückte. 3 Zehntelsekunden war schlussendlich sein Vorsprung auf Lewis Hamilton.
Kein Wunder, dass Verstappen nach dieser Vorstellung vor Selbstvertrauen nur so strotzt. "Ich bin zuversichtlich mit dem, was ich abgeliefert habe", betonte er in der Pressekonferenz nach dem Qualifying gegenüber Motorsport-Magazin.com. Dass der Pole auf dem reifenmordenden Sepang International Circuit keine große Bedeutung zukommt und deshalb alle ihre Abstimmungsarbeit voll auf das Rennen ausgelegt haben, mindert seine Zuversicht kaum. "Wenn andere mehr geopfert haben, dann viel Glück an sie. Ich bin bereit!", zeigte er sich angriffslustig.
Hier könnt ihr euch anschauen, wo Max Verstappen die Zeit gegen Lewis Hamilton gutmachte:
Der Schlüssel für den Rennsonntag ist und bleibt der Reifenverschleiß, der schon in den Trainings für viel Kopfzerbrechen gesorgt hatte. Die Pneus zu managen, ist das A und O an diesem Wochenende und trotzdem gehen alle mindestens von einer 2-Stopp-Strategie aus, sogar von drei Stopps ist die Rede. "Das Rennen hier wird schwierig. Man muss viel managen und es ist im Moment unmöglich zu wissen, wer das am besten hinkriegt", weiß auch der 71-fache Grand-Prix-Sieger.
Ist Red Bulls Reifenpoker die größte Gefahr für Max Verstappen?
"Gleichzeitig kann auch am Start viel passieren", mahnt er an. "Wir müssen also aufpassen und dann werden wir sehen, wie konkurrenzfähig wir im Rennen sind. Aber bisher an diesem Wochenende habe ich mich gut gefühlt", führt er aus. Wie gut die Performance der Bullen tatsächlich ist, lässt sich schwer abschätzen. Denn im FP2 absolvierten sie als einziges Topteam ihre kompletten Longruns auf den auf dem Papier schlechteren Medium-Reifen, alle anderen fuhren Softs.
Lewis Hamilton warnte dennoch vor den guten Longruns von Verstappen. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Reifenwahl. Fast alle haben für das Rennen aufgrund des enormen Verschleißes beide Sätze Hard auf der hohen Kante gelassen. Nicht so Verstappen. Bei ihm hat Red Bull laut den offiziellen Dokumenten von Pirelli schon einen C2-Reifen retourniert und steht damit bei nur noch einem Satz Hards.
Malaysia-Pole als neuer Höhepunkt des Red-Bull-Aufschwungs: So wichtig war das Upgrade
301 Tage ist es her, seit Verstappen das letzte Mal eine Pole Position eingefahren hat. Das war beim Formel-1-Saisonfinale 2025. Doch in dieser Saison starteten die Bullen erst einmal mit äußerst mäßigen Leistungen in die Saison, ehe sich der RB22 und damit auch Verstappen im Sommer stabilisierten. In den letzten Monaten lief er zu einem Dauergast auf dem Podium auf und vor einer Woche in Aserbaidschan war der Bolide erstmals auf Augenhöhe mit dem Mercedes.
"Es ist ein unglaubliches Resultat für uns, wenn man sich die Saison anschaut. Wie es für uns losging und die Entwicklung, die wir seitdem hingelegt haben", staunt der vierfache Weltmeister, dessen Verbleib beim Team aus Milton Keynes bis zur Sommerpause noch unklar war, ehe er einen neuen Vertrag bei den Briten unterzeichnete. "Auf einigen Strecken waren wir nahe dran, aber dieses Wochenende war sehr positiv für uns. Ich denke, seit FP1 ging es bei uns gut los und von da an haben wir einfach versucht das Auto besser zu machen. Es ist unglaublich", so Verstappen.
Unglaublich auch deshalb, da Red Bull nicht erst seit diesem Jahr sehr häufig an der Aufgabe gescheitert war, schon mit einem guten Paket ins Rennwochenende zu gehen und erst durch einen Setup-Totalumbau am Samstag etwas Performance wiederfand – oder manchmal eben nicht. Beim Bahrain-GP in Malaysia gab es dahingehend keine Beschwerden. Nur der Sitz machte Verstappen etwas zu schaffen.
Die jüngsten Upgrades der Bullen, die in Baku ausgerollt wurden, haben dabei wohl eine nicht unwesentliche Rolle gespielt, wie Isack Hadjar betont, dem schon in Baku bei seinem Verletzungs-Comeback aufgefallen war, dass sich der RB22 viel besser anfühlt. Verstappen schob den Aufwärtstrend hingegen nicht nur auf das Upgrade, sondern auch auf das Verständnis: "Wir haben wahrscheinlich das Auto ein bisschen besser verstanden und dann haben die Upgrades auch ein paar Schwachstellen aus dem Auto entfernt."
Bei den extrem heißen Streckenbedingungen von über 60 Grad auf dem Kurs nahe Kuala Lumpur ist ein stabiles Paket besonders wichtig. Denn Rutschphasen oder Lenkrad-Korrekturen treiben automatisch die Reifentemperatur nach oben, was für die ohnehin schon zum Überhitzen neigenden Gummis absolutes Gift ist.
Hadjar widerspricht dem Trend: Rennen wird von Startposition diktiert
Red Bull und Malaysia, das hat schon vor dem Abschied der Königsklasse aus dem südostasiatischen Staat 2017 gut funktioniert. Die letzten beiden Grands Prix wurden jeweils von den Bullen gegen die ansonsten dominanten Mercedes gewonnen, 2017 gewann Verstappen seinen damals erst zweiten Grand Prix in Sepang.
Schützenhilfe von seinem Teamkollegen Hadjar darf sich Verstappen am Sonntag wohl keine erwarten. Obwohl der Dritte aus Baku sich auf P3 qualifizierte, geht es für ihn aufgrund einer Motorstrafe nur von Rang 8 los. Er formuliert trotz des starken Red Bulls die Aussichten für das Rennen pessimistisch. "Ich denke, ich werde sie [Verstappen & Hamilton] morgen nicht sehen. Denn das Rennen wird ziemlich von deiner Startposition diktiert", widerspricht er dem Grundkonsens des Formel-1-Paddocks. "Wenn ich mich letztendlich hinter einem anderen schnellen Auto einreihe – Mercedes, McLaren, Ferrari –, dann ist es nicht so, als ob ich da einfach schnell durchkomme."



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