Nach dem enttäuschenden Freitag war Mercedes noch vorsichtig gewesen. Am Samstag aber lässt sich Alarmstimmung bei der Formel 1 in Malaysia nicht mehr vermeiden. Mit einer halben Sekunde Rückstand artet das erste Qualifying mit dem großen zweiten Update zu einem Fiasko aus. Teamchef Toto Wolff läutet alle Alarmglocken.

"Es ist unheimlich enttäuschend, weil es genau in die andere Richtung gegangen ist, als wir erwartet hätten", wird Wolff direkt nach dem Qualifying auf Sky deutlich. Mehrere Zehntel hätte man sich vom hier eingeführten Update-Paket erwartet: "Und im Endeffekt sind wir wahrscheinlich um ein paar Zehntel langsamer geworden. So einen Rückstand haben wir nie gehabt."

Damit hat Wolff recht. Malaysia löst Ungarn als das schlechteste Mercedes-Qualifying der Saison 2026 ab. Und in Ungarn war Kimi Antonelli zwar wie in Malaysia auf Platz vier gefahren, hatte den Rückstand aber auf 0,272 Sekunden begrenzt. In Malaysia verlor er 0,501 Sekunden auf die Pole-Zeit von Max Verstappen. George Russell fehlten auf Platz acht weitere zwei Zehntel.

Mercedes-Fahrer verzweifeln an Balance mit neuem F1-Update

"Als Team hatten wir dieses Jahr noch kein schlechtes Rennen, aber das ist absolut ein sehr schlechtes Qualifying", wird Russell deutlich. Als die Fahrer am Samstag darüber reflektieren, steht bei ihnen zuerst einmal die schlechte Balance im Vordergrund. Die reinen Aero-Daten decken sich nämlich eigentlich seit Freitag mit den in den Simulationen erwarteten Verbesserungen. "Aber natürlich zählen die Rundenzeiten, und nicht die Zahlen", weiß Russell.

Die Balance aber war von Beginn an viel zu untersteuernd in langsamen Kurven. Die Suche nach Besserung förderte nur diverse Variationen der Probleme zutage. "Ich denke, da hilft die Strecke nicht, weil der Asphalt so rau ist und es so heiß ist, dass die Reifen nach zwei Kurven aus dem Fenster sind", meint Antonelli. "Dann rutschen wir nur herum, und das macht es uns schwierig, dieses Paket zu verstehen."

Die ersten Erkenntnisse suggerieren auf der Strecke nämlich ein Auto, dessen optimaler Arbeitsbereich sich durch die neuen Teile deutlich verschoben hat: "Unsere Performance in Highspeed-Kurven war dieses Wochenende sehr gut, aber in den langsamen Ecken hinken wir hinterher. Das müssen wir verstehen und verbessern."

Die Fahrer wollen das Paket da nach zwei Tagen nicht verteufeln. "Wir haben dieses Jahr gesehen, dass wir mit sehr rauem Asphalt hadern", verweist Antonelli auf die Vergangenheit. Beim angesprochenen Ungarn-GP, dem letzten richtig schlechten Rennen, war der Asphalt in den langsamen Kurven aufgebrochen und gleichzeitig waren die Streckentemperaturen wie in Malaysia jenseits der 50 Grad gelegen. "Das beeinflusst alle, aber uns offensichtlich mehr als andere", meint Russell.

Wo liegt das echte Problem des neuen Mercedes-Pakets?

Doch Toto Wolff kann nach dem Qualifying nicht umhin, ein weiteres Problem hervorzuheben: "Wir verlieren auf den Geraden. Das haben wir bisher nicht gemacht. Vielleicht haben wir mehr Luftwiderstand. Das hatten wir so nicht erwartet. Es ist uns auch noch nie passiert, dass ein Update so danebengegangen wäre."

Die Telemetriedaten stützen Wolff. Plötzlich ist der Mercedes auf den Geraden dem ebenfalls mit Mercedes-Motor ausgestatteten, aber notorisch aerodynamisch ineffizienten McLaren maximal ebenbürtig. Eher sogar gewinnt McLaren über die Runde unter dem Strich dank etwas unterschiedlicher Deployment-Strategien. Die Topspeed-Zahlen zeigen auf drei von vier signifikanten Vollgas-Stellen plötzlich einen W17, der entweder gleich schnell oder deutlich langsamer ist als der MCL40 und in Summe ungefähr ein halbes Zehntel verliert.

Ein Auto mit mehr Luftwiderstand und schlechterer Balance wäre dann eine durchaus besorgniserregende Kombination. "Im Moment sind wir ein bisschen ratlos", gesteht Wolff. Der fehlende Topspeed lässt ihn das Rennen schon abschreiben: "Die Reifen sollten länger halten, aber da waren wir auch nicht best in class. Das mit dem Drag ist nicht gut, auch im Rennen nicht."

Antonelli will währenddessen noch nichts abschreiben. Schließlich war sein Qualifying nicht optimal. In Q2 musste er wegen eines Track-Limit-Verstoßes eine zweite Runde fahren, hatte dann in Q3 nur mehr einen Soft-Reifensatz: "Mit einem sauberen Qualifying hole ich vielleicht P2 oder P3. Nur nicht P1, Max war heute zu schnell."

Dank einer Motorstrafe bei Isack Hadjar rückt Antonelli in der Startaufstellung sowieso wieder auf P3 auf und verspricht "Attacke" für das Rennen: "Der Undercut ist hier sehr stark. Sobald wir eine Chance haben, sollten wir die, denke ich, nehmen und sie maximieren. Morgen könnten zwei oder drei Stopps werden."

Die ganze Startaufstellung für den Bahrain-GP in Malaysia gibt es hier: