Nachdem die Formel 1 monatelang auf das zweite große Update-Paket von Mercedes gewartet hat, zitterten alle vor Malaysia: Fahren die WM-Führenden wieder allen davon? Sicher nicht am ersten Tag des Bahrain-GPs. In beiden Trainings haderten beide Mercedes-Piloten .

George Russell schaffte im 1. Freien Training immerhin noch einen zweiten Platz, aber da lag er schon 0,383 Zehntel hinter Max Verstappens Red Bull zurück. Im 2. Training wirkte es zumindest in der Ergebnis-Tabelle dann erst recht schwach. Russell und Kimi Antonelli wurden Siebter und Achter, beide mit ungefähr einer halben Sekunde Rückstand auf Pacesetter Charles Leclerc.

Das sieht aber zuerst einmal schlimmer aus, als es ist. Beide Fahrer machten auf ihren Qualifying-Simulationen im 2. Training Fehler. Antonelli landete in der vorletzten Kurve fast in der Auslaufzone und rettete seine Runde gerade noch über die Linie. Russell verpasste die letzte Kurve komplett und fuhr direkt weiter an die Box, seine beste Runde ist also eine mit dem Medium-Reifen.

Update-Hoffnungen nicht erfüllt: Was ist mit dem Mercedes in Malaysia los?

Da die Soft-Reifen in der brutalen Hitze von Sepang nur eine Qualifying-Runde hergaben, konnten beide keinen zweiten Versuch unternehmen. Eine halbe Sekunde fehlt ihnen auf Ferrari also nicht. Aber die Fehler sind nicht unglücklichen Umständen geschuldet. Wer die Mercedes-Onboards checkt, sieht sofort, dass das Auto besonders bei Antonelli sich weigert, in langsame Kurven einzulenken.

"Ich habe mich verbremst ... überall", funkte Antonelli nach seinem Qualifying-Versuch. Russell schaffte es wenigstens bis zur vorletzten Kurve überall zum Scheitelpunkt, ehe es bei ihm den Bach runterging. "Wir haben das Auto nicht im richtigen Fenster", stellt Russell nach dem Training fest. Permanent haderte man mit überhitzenden Reifen, sah auch im Longrun bei Reifenabbau und Verschleiß durchschnittlich aus und konnte sich nicht an die Spitze der Topgruppe setzen.

"Anstatt den erwarteten Rundenzeiten-Schritt zu sehen, den wir erhofft haben, sind wir den ganzen Tag der Balance hinterhergelaufen", räumt Chefingenieur Andrew Shovlin ein. "Wir hatten ein paar Test-Teile im ersten Training am Auto, die das Bild verwässert haben könnten, aber in FP2 waren beide Autos in einem repräsentativen Zustand, und wir schienen besonders gegenüber Red Bull immer noch hintendran."

"Wir haben ein paar gute Ideen für Setup-Anpassungen", versichert Shovlin jedoch. Bei so einem größeren Update-Paket dauert es immer etwas länger, um etwaige kleine technische Überraschungen zu verstehen, die man nur auf einer echten Rennstrecke entdecken kann: "Wir sind optimistisch, dass die Analysen bei einem so neuen Paket Früchte tragen werden."

Hitze-Probleme für Mercedes - folgt ein zweites Ungarn?

"Mit den Updates hat das nichts zu tun", ist so auch Russell optimistisch. "Hätten wir letzte Woche unser neues Auto gehabt, dann hätten wir gesagt, es wäre unglaublich. Und hätten wir hier unsere alte Version, dann würden die Dinge auch nicht viel besser aussehen." Malaysia ist eben völlig anders als Baku. "Das Kräfteverhältnis auf so einer Strecke mit mehr mittelschnellen und schnellen Kurven geht eher in die Richtung wie Ungarn", vergleicht es Teamvertreter Bradley Lord.

Der Ungarn-Vergleich - wo sich der Mercedes schwertat - wird hierbei durch recht viel Herumgerutsche bei niedrigem Grip-Niveau auf einem staubigen, harten Asphalt bei hohen Temperaturen nur weiter untermauert. In Bedingungen, in denen sich der W17 generell schwertut, wird ein allgemeines Update, das primär mehr Abtrieb in allen Bereichen liefern soll, nur beschränkt helfen.

Dieses allgemeine Ziel wurde zumindest erfüllt. Vor allem in den schnellen Kurven liefern die neuen Teile messbar mehr Abtrieb. Weitere Nahaufnahmen aus der Boxengasse bestätigten hier am Freitag überwiegend die bereits am Donnerstag gemachten technischen Beobachtungen, dass sich das Update auf den Unterboden inklusive der davor liegenden Floor Boards, die Seitenkästen sowie auf die Konsequenzen des neuen Luftflusses am Heck mit neu geformten Aufhängungsverkleidungen und Bremskühlschächten konzentriert.

Technik-Details am Formel-1-Auto von Mercedes in Malaysia
Die Vorderkante des Mercedes-Unterbodens, Foto: Motorsport-Magazin.com
Technik-Details am Formel-1-Auto von Mercedes in Malaysia
Der hintere Bereich des Mercedes-Unterbodens, Foto: Motorsport-Magazin.com
Technik-Details am Formel-1-Auto von Mercedes in Malaysia
Die ganze Heckpartie des Mercedes, Foto: Motorsport-Magazin.com

Weitere Nahaufnahmen von Motorsport-Magazin.com bestätigen am Freitag umfangreiche Modifikationen an der Vorderkante des Unterbodens, die nun praktisch zwei getrennte Lippen hat und nur an den unteren die vertikalen Leitelemente montiert, und außerdem auch deutlich sichtbare Änderungen am Bereich vor den Hinterreifen.

Über den Tag hinweg experimentierte Mercedes auch mit diversen Details am Kühl-Setup, was aber keine großen Unterschiede machen sollte. Hauptproblem ist nicht das Überhitzen des Autos, sondern der Reifen. Über Nacht steht also noch Arbeit an, um den W17 pole- und siegfähig zu machen.

Was sonst alles im 2. Training passierte, gibt es hier im Trainingsbericht: