Zehn Qualifyings – zehn Pole Positions für Mercedes. Doch bei Nummer elf endet die Serie: Lando Norris holt sich den ersten Startplatz für das Formel-1-Rennen auf dem Hungaroring und stößt damit nicht nur die Silberpfeile vom Thron, sondern entreißt auch Ferrari den sicher geglaubten ersten Rang. Dass er das Zeug dazu hatte, wusste der amtierende Weltmeister.

Seit dem dritten Freien Training scheint Norris unaufhaltsam. Er führte das FP3 sowie jede Qualifying-Session an. Nach den ersten Runs im Q3 fehlte ihm eine Zehntel auf die Bestzeit von Lewis Hamilton. Seine Runde war aber auch nicht sauber: "Ich hatte plötzlich starkes Übersteuern in Kurve 13, dann habe ich auch Kurve 14 verpasst. Ich bin praktisch gedriftet", beschreibt Norris. Dass ihm da nur so wenig auf den Ferrari fehlte, stärkte ihm den Rücken.

"Ich war selbstbewusst. Ich wusste in der Garage, dass ich mich an ein paar Stellen verbessern konnte. Ich wusste, dass ich schon das ganze Wochenende gut gefahren bin, dass ich konstant war. Ehrlich gesagt wusste ich, dass ich es schaffen konnte", so der amtierende Weltmeister. "Ich war überrascht, dass meine letzte Runde nicht besser war." Nicht viel besser, meint er wohl. Denn er war der einzige Fahrer, der auf der zweiten Runde noch mehr Zeit herausschlagen konnte. Er setzte sich mit 0,012 Sekunden gegen Hamilton durch, das knappste Qualifying-Ergebnis des Jahres.

Kurven-Lotto: Norris patzt sich zur Pole Position

Der Ferrari-Pilot hatte in Parc Ferme bereits vor der Nummer eins geparkt. Die FIA-Verantwortlichen mussten die Schilder noch schnell umstellen, bevor Norris in die Boxengasse einbog. Obwohl er zum ersten Mal in diesem Jahr einen Grand Prix von ganz vorne starten wird, ist Norris nicht zu 100 Prozent zufrieden mit seiner Leistung: "Die Runde war gut genug für Pole, aber es war nicht meine beste."

Bei seiner zweiten Runde musste er in der vorletzten Kurve wieder nachjustieren. Er behielt seinen MCL40 dieses Mal aber unter Kontrolle. "Es ist schwierig, hier eine Runde aufzustellen", betont Norris. Die Streckenbedingungen in Ungarn sind bekanntlich schlecht: windig, wenig Grip, dazu machen die neu asphaltierten Stellen schon das ganze Wochenende Probleme.

"Manchmal fühlt es sich so an, als würdest du in einigen Kurven Lotto spielen", vergleicht der Pole-Setter. "Ich hatte auf der letzten Runde das Selbstvertrauen, um mehr zu pushen. Ich habe mehr und mehr gepusht, dann bin ich in unerforschtes Territorium gekommen, was die Balance angeht. Da habe ich es an einigen Stellen etwas verloren. Hätte ich eine dritte Runde, dann wäre ich sicher um ein Stück besser gewesen."

Ungarn-Pole bestätigt: McLaren-Updates funktionieren!

Einen dritten Anlauf gab es aber nicht, der zweite hat auch schon gereicht. "Ich bin trotzdem sehr glücklich, wieder ganz oben zu stehen. Es ist eine Weile her. Es ist schön, mein Selbstvertrauen in etwas umwandeln zu können", meint der Weltmeister, der seine letzte Pole Position in Las Vegas holte. Schon letzte Woche in Spa fühlte er sich siegesfähig, eine Strafplatzversetzung wegen eines Motortauschs machte aber jede Möglichkeit zunichte.

"Es ist schön, dass wir dieses Potenzial hierher mitgenommen haben", freut sich Norris. Der Schlüssel zu seiner 17. Karriere-Pole sieht der Brite im großen Update-Paket, das McLaren mit nach Ungarn brachte. Ein neuer Unterboden sowie Änderungen an der Vorder- und Hinterachse sollten endlich Verbesserung bringen – und haben das augenscheinlich auch getan. "Es wäre nicht möglich gewesen ohne die Upgrades", meinte er sogar am Funk. "Ich wusste, dass das Auto viel Potenzial hat", bestätigt er nach dem Qualifying. "Es fühlt sich nicht anders an, aber es scheint etwas schneller zu fahren. Das ist immer ein gutes Zeichen."

In den Freitagstrainings machte die Papaya-Truppe noch keinen auffälligen Eindruck. Die wurden von Ferrari dominiert. Norris konnte sich nach keiner schnellen Runde auf dem Soft-Reifen in FP1 im FP2 zumindest hinter den zwei Roten einreihen. Doch schon da war er zufrieden mit den neuen Teilen. "Wir haben von gestern auf heute fast nichts geändert", verrät der Ungarn-Sieger aus dem Vorjahr.

Norris mahnt vor Übermut: Nur ein Qualifying

Was sich geändert hat und Norris in die Karten spielte, war der Wind: "Wir waren gestern schnell in Sektor zwei, aber heute hat uns [der Wind, Anm. d. Red.] in Sektor drei geholfen. Dort hat uns eigentlich der Grip an der Hinterachse im Vergleich zu den Ferraris gefehlt. Dass der Wind da von einer besseren Richtung gekommen ist, hat unseren Verlust minimiert."

Jetzt schon von einem Wendepunkt zu sprechen, ähnlich wie die Miami-Updates von 2024, will Norris aber noch lange nicht: "Es ist nur ein Qualifying", mahnt der Weltmeister. "Du kannst dich nicht auf ein gutes Qualifying verlassen. Ich brauche ein gutes Rennen morgen, dann eine gute Sommerpause und dann müssen wir das alles wiederholen." Dennoch ist der sichtbare Fortschritt, nachdem der Konstrukteursweltmeister bisher im Hintertreffen der Top-Teams war, gut für die Teammoral.

Wieso Oscar Piastris Qualifying von Lewis Hamilton zerstört wurde, könnt ihr im folgenden Artikel lesen: