Lange hatte es nach der zehnten Pole von Lewis Hamilton bei der Formel 1 in Ungarn ausgesehen, doch in den letzten zwei Minuten des Qualifyings ging am Samstag dann alles schief. Nach einer völlig vermurksten letzten Runde stand Hamilton auch noch Oscar Piastri im Weg. Keine eineinhalb Stunden später folgt die unvermeidliche Strafe - drei Startplätze muss Hamilton im Rennen nach hinten.

Hamilton war auf seinem letzten Q3-Versuch schon als erster Fahrer raus auf die Strecke gefahren. Ein Umstand, dessen Sinnhaftigkeit er nach dem Qualifying anzweifelte. Das spielte potenziell mit eine Rolle für die desaströse letzte Runde von ihm und von Charles Leclerc, auf die sich beide nicht verbessern konnten und Lando Norris die Tür zur Pole öffneten. Mehr zum Ferrari-Kollaps gibt es im folgenden Artikel:

Das Hamilton das Feld auf dem finalen Q3-Versuch anführte, hatte noch eine weitere Konsequenz. Er beendete seine Runde gut 20 Sekunden vor Ende des Qualifyings. Oscar Piastri, der ganz am Ende der Schlange aus der Box gekommen war, hatte da noch nicht einmal angefangen.

Ferrari vergisst auf Oscar Piastri und verschafft Hamilton Strafe

Hamilton war also fertig und rollte nur mehr hinunter zur ersten Kurve. Piastri zog ein paar Meter weiter hinten jetzt das Tempo an und startete seinen letzten Qualifying-Versuch: "Ich sah ihn von der Startlinie weg und habe ihm mehr oder weniger dann zugesehen und gerechnet, dass er jeden Moment zur Seite fährt, bis ich ihm fast ins Heck gefahren bin. Bitter."

Irgendjemand in der Ferrari-Box hatte geschlafen. "Mir wurde es erst gesagt, als er am Scheitelpunkt hinter mir war", ärgert sich Hamilton. "Ich wusste nicht, dass er kommt. Ich dachte, alle seien hinter mir rausgefahren und hätten dort auch ihre Runden beendet." An dieser Stelle muss sich der Fahrer auch absolut auf das Team verlassen. Hin zur ersten Kurve fährt man in Ungarn über eine Kuppe und dann bergab. In den kleinen Spiegeln eines F1-Autos ist da nichts zu sehen.

Einen viel offensichtlicheren Fall des Behinderns auf einer Qualifying-Runde kann es eigentlich nicht geben. Auch wenn es nicht Hamiltons Schuld war, sondern die des Teams, wird Hamilton es am Sonntag in der Startaufstellung ausbaden müssen. Er kassiert die in so einem Fall üblichen drei Strafplätze und wird von Startplatz zwei auf fünf zurückversetzt.

Piastri genervt: Habe in Ungarn jede Qualifying-Runde gebraucht

Charles Leclerc rückt in die erste Reihe auf. Piastri steht jetzt direkt vor Hamilton auf dem vierten Platz in Reihe zwei und wundert sich nach der Pole seines Teamkollegen Lando Norris, ob ihn die Hamilton-Aktion nicht sogar noch mehr gekostet hat: "Ich hatte das Gefühl, dass ich diese zweite Q3-Runde mehr gebraucht habe als an den meisten Wochenenden."

FP1 hatte er aussitzen müssen, weil Leonardo Fornaroli ein verpflichtendes Rookie-Training abgesessen hatte. "Das hatte mit den sehr variablen Streckenbedingungen mehr Einfluss als ich dachte. Natürlich waren die Bedingungen heute komplett anderes, aber es war einfach schwierig, die Lücke zu schließen. Mit jeder Runde im Qualifying kam ich langsam näher." Das Fehlen der letzten Runde sei da "recht frustrierend." So musste er sich Norris am Ende um 0,477 Sekunden geschlagen geben.