Die Qualifying-Dominanz von Mercedes in der Formel-1-Saison 2026 endete in UNGARN mit einem völligen Flop. Strategiefehler, keine Pace, Regelverstöße und ein Defekt - die WM-Favoriten um Kimi Antonelli und George Russell ließen am Samstag wirklich nichts aus. Damit nicht genug: Der Championship-Leader muss auch noch zwei Strafen für ein Gelbvergehen und Bummelei fürchten. Die Pole-Serie ist nach zehn Rennwochenenden gerissen, dabei hätte doch auch in Budapest alles so schön sein können.

"In Kurve neun hatte ich eine Böe Rückenwind und habe da eine Zehntel verloren, und dann in der letzten Kurve habe ich im Vergleich zu den vorherigen Runden gut anderthalb Zehntel verloren, weil ich den Grip einfach nicht optimal ausgenutzt habe. Da wäre noch mehr gegangen, und außerdem kam da die gelbe Flagge, als ich in die Kurve fuhr. Ich bin vom Gas gegangen, aber dadurch habe ich im Vergleich zu vorher auch ziemlich viel an Geschwindigkeit eingebüßt", seziert Antonelli seine Q3-Runde und zeigt in typischer Formel-1-Fahrer-Manier all das verschenkte Potenzial auf.

Unter dem Strich fehlten ihm auf Platz vier etwas mehr als zweieinhalb Zehntelsekunden auf die Pole Position von Lando Norris. "Ich glaube, Platz drei wäre sicher gewesen, aber nicht die Pole Position. Ich glaube, ich wäre sehr nah dran gewesen, wahrscheinlich eine halbe Zehntelsekunde hinter Lando, aber immer noch nicht gut genug für die Pole", spekuliert der 19-jährige WM-Führende. Die Zeit für die Pole hätte er seiner Ansicht nach schon am Freitag finden können.

Das FP1 hatte er an Entwicklungsfahrer Frederik Vesti abtreten müssen. Für ihn ein klarer Nachteil "Ich habe das Gefühl, dass man mit dem FP1 vielleicht auch noch ein bisschen mehr aus dem Auto hätte herausholen können", so der Italiener. "Vor allem waren wir bei den Reifen meiner Meinung nach völlig aus dem Fenster, und das hat uns ein bisschen ins Hintertreffen gebracht. Und wenn man dann so einen großen Sprung im Q3 macht, ist das nie ideal, weil sich das Auto dabei ziemlich verändert und es war nicht so einfach, das Maximum herauszuholen."

Kimi Antonelli drohen nach Formel-1-Qualifying zwei Strafen

Das Maximum war für ihn unter den gegebenen Umständen allerdings der vierte Platz - das schlechtes Ergebnis für ihn in diesem Jahr, nachdem er bereits in Österreich von dieser Position ins Rennen gegangen war. Bei Startplatz vier wird es aber vielleicht nicht bleiben. Beim Dreher von Max Verstappen in der letzten Kurve während der Schlusssekunden des Qualifyings soll er nicht ausreichend verlangsamt haben. Dafür haben ihn die Stewards vorgeladen. Darüber hinaus steht eine zweite Untersuchung für unnötiges Bummeln aus.

"Das sieht man sowieso auf den Daten, ob er da vom Gas gegangen ist. Irgendwer hat es auf ihn abgesehen, weil irgendwer ihn auch wegen der Track Limits verpetzt hat - was total legitim ist, aber es ist ein Team, das da besonders lustig ist", so Mercedes-Teamchef Toto Wolff gegenüber dem ORF. Im Q2 hatte Kimi Antonelli eine Rundenzeit wegen Track Limits in der Schikane im Mittelsektor verloren.

Das war im zweiten Teil allerdings nicht das einzige Problem der Silberpfeile. Als einziges Team absolvierten Kimi Antonelli und George Russel lauf dem Soft-Reifen (C5) von Pirelli zwei Preparation-Laps. Ein Fehler, wie Toto Wolff gesteht. "Die Prep-Laps im Q2 waren sicher falsch, wir hätten agiler sein und umswitchen sollen, aber das war nicht ausschlaggebend", erklärt der Österreicher.

Letztendlich fiel Mercedes demselben Problem zum Opfer, das beide Fahrer bereits in den Trainings am Freitag plagte: "Am Ende, wenn die Unterschiede relativ groß sind, dann ist es, weil der Reifen nicht da ist, wo er sein muss. Entweder ist er zu kalt oder zu warm, oder zu warm auf der Oberfläche und zu kalt drinnen. Der Grip ist auf der Runde zu früh oder zu spät, damit haben wir das ganze Wochenende gelitten und auch am Ende."

George Russell stolpert über Max Verstappen und Mercedes-Zuverlässigkeit

Mit Startplatz sieben fuhr George Russell das in dieser Saison schwächste Qualifying-Resultat von Mercedes ein. Auch für den Briten lief im Q3 rein gar nichts zusammen. Seinen letzten Versuch musste er wegen Max Vestappens Dreher in der Zielkurve abbrechen, allerdings wäre der sowieso nichts geworden. Wenige Meter nach der Zieldurchfahrt musste er seinen Mercedes vor Turn 1 abstellen.

"Wir hatten ein Wasserleck. Ich habe in Kurve vier eine Bodenwelle erwischt. Bis dahin fühlte ich mich gut, und dann war die Runde plötzlich nichts. Ich habe mir dabei erst nicht viel gedacht, bis mir das Team sagte, dass Wasser über meine Reifen läuft", erklärt der 28-Jährige. "Sobald wir das Wasserleck in den Daten sahen, wurde klar, dass die Temperatur der Hinterreifen komplett fiel. Mehr als Top-3 wäre definitiv nicht möglich gewesen."

Das Team vermeldete nach dem Qualifying bereits, dass er für das Rennen am Sonntag eine neue Power Unit erhält. Für ihn ist es die vierte in diesem Jahr, damit hat er schon zur Saisonhalbzeit alle per Reglement erlaubten Wechsel ausgereizt. Beim nächsten Motorwechsel kassiert er eine Grid Penalty. Dasselbe gilt für Kimi Antonelli, der zuletzt in Spa mit dem vierten Motor ans Limit stieß.

Toto Wolff will in Ungarn bloß keinen Ferrari-Sieg sehen

Einen neunten Saisonsieg hat Mercedes für das letzte Rennen vor der Sommerpause aber noch nicht abgeschrieben. "Ich denke, unsere Longrun-Pace sieht gut aus - auf jeden Fall deutlich besser als die Single-Lap-Pace. Hoffentlich gelingt uns morgen ein guter Start", ist Antonelli immer noch zuversichtlich. "Wir hatten die stärkste Rennpace", ist sich auch Russell nach den Erkenntnissen aus den Trainings sicher.

Toto Wolff ist was den Start angeht allerdings skeptisch. "Kimi startet auf der schlechteren Seite und Überholen wird hier ganz schwierig mit der vielen Energie, die hier zur Verfügung steht. Ich hoffe, der Longrun war so gut, dass wir überholen können. Aber es wird schwierig", sagt er. Wenn sein Team schon nicht gewinnt, soll es wenigstens nicht Ferrari machen. "Mir ist lieber, Norris gewinnt, als einer der Ferraris - wenn es schon nicht wir sein können."