Wie gefährlich ist McLaren nach zwei aufeinanderfolgenden Siegen jetzt im Kampf um die Formel-1-WM? Bei aktuell noch elf zu fahrenden Rennen läutete Mercedes nach der Zandvoort-Niederlage die Alarmglocken. Und Lando Norris? Der amtierende Weltmeister sieht sich selbst in bestechender Form. Fordert aber von McLaren einen entscheidenden letzten Schritt.

"Ich weiß, ich habe gerade zwei Rennen hintereinander gewonnen, aber momentan habe ich nicht das Auto, das ich für den Kampf um eine Weltmeisterschaft brauche", analysiert Norris nach dem Sieg in Zandvoort. "Ich weiß, das ist eine starke Aussage, aber ich denke, nach dem letzten Jahr verstehe ich, was ich von einem Auto brauche, und was ich von mir brauche."

Auf der Fahrerseite sieht Norris diesbezüglich keine Probleme. Nach Zandvoort hatte er schon voller Selbstvertrauen proklamiert, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Sieges darauf zurückzuführen sei, dass er als Fahrer einen besseren Job als alle anderen gemacht habe. In Ungarn hatte er nach dem Sieg genauso deutlich festgehalten: "Mit einem so guten Auto wie heute denke ich, dass mich niemand schlagen kann."

Zandvoort offenbart Stärken und Schwächen des McLaren

Zandvoort zeigte nun auf der einen Seite, wo der McLaren inzwischen richtig stark ist. "Niemand kommt in Highspeed-Kurven an uns ran, und das ist gut. Mein Pace-Vorteil gegenüber den Mercedes in den Kurven 7 und 8 war verrückt. Aber ihr Vorteil uns gegenüber in den langsamen Kurven ist auch verrückt."

Das ist es, was Norris zu schaffen macht. In der Schikane im letzten Sektor verlor er Runde um Runde viel Zeit, egal ob im Qualifying oder im Rennen: "Besonders wenn es dieses enge und winklige Zeug ist. Wenn es flüssiger ist, dann sind wir nicht so schlecht. Budapest hat immer noch langsame kurven, aber die sind etwas offener und flüssiger, da lief es besser. Aber wenn es so richtig eng wird, das mag das Auto nicht."

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Norris will jetzt von McLaren eine gezielte Attacke in diesem Bereich sehen: "Wir hatten gerade erst unsere großen Dinge, also müssen wir für mehr Updates wohl etwas warten. Aber es braucht einen Fokus, denke ich, auf spezifische Bereiche. Viele unserer jüngsten Upgrades haben das ganze Paket verbessert. Aber jetzt ist klar, wo unsere Schwächen sind, und die müssen wir angreifen. Ehe das passiert, wird es ein zähes Saisonende."

Lando Norris motiviert mit Siegen: Wie lange braucht McLaren mit der Lösung?

Denn aktuell fürchtet Norris beim Blick auf den Kalender, dass es Strecken geben wird, auf denen diese Schwäche einfach zu viel Zeit kosten wird. Wenn McLaren hier aber zeitnah einen Durchbruch erzielen sollte, dann kann es sofort in die andere Richtung kippen, denkt der aktuell mit sehr viel Selbstvertrauen auftretende Norris: "Wenn wir in den langsamen Ecken besser werden, dann bin ich zuversichtlich, dass ich dieses Jahr jedes Rennen gewinnen kann."

Vielleicht braucht es auch nicht einmal ein weiteres großes Update dafür. "Es ist eine Mischung. Wir müssen verstehen, was ich hinter dem Lenkrad tun kann, um die Dinge zu optimieren. Was können wir mit dem Setup machen? Was mit kurzfristigen Upgrades?" Dass Norris als Fahrer einen Unterschied machen kann, zeigte er in Zandvoort, wo er es von Samstag auf Sonntag schaffte, Probleme im Renn-Trimm auch mittels kleiner Anpassungen beim Fahrstil abzumildern.

Das macht Monza gleich spannend. Die Strecke verlangt vor allem effiziente Aerodynamik auf den Geraden, hat zwei eckige enge Schikanen und verlangt nach gutem Verhalten auf der Bremse und hin zum Einlenkpunkt. Alles Dinge, die McLaren bislang in diesem Jahr nicht sehr gut kann. "Es gibt viele Dinge, die wir bestätigen müssen", mahnt auch Teamchef Andrea Stella zur Vorsicht.

"Aber ich denke, bis hierhin können wir bestätigen, dass wir auf solchen High-Downforce-Strecken mit so einem Layout um Siege kämpfen können", verweist Stella auf Zandvoort und Ungarn. Für den Rest will Norris mit den Siegen anständig Motivation für die Lösung der letzten Probleme schaffen: "Ich brauche von den Jungs und Mädels ihre beste Arbeit aller Zeiten, und mehr Fokus denn je, um diese Bereiche zu verbessern."

82 Punkte fehlen Norris momentan in der WM-Tabelle auf den Führenden Kimi Antonelli. Ein Problem für McLaren mag jedoch noch sein, dass Mercedes unweigerlich irgendwann noch Updates bringen wird. Dieses Thema, und die Aussagen dazu von Toto Wolff, sorgten bei Stella in Zandvoort für Zweifel. Mehr dazu gibt es hier: