Lando Norris lässt an seinem Formel-1-Sieg in Ungarn am Sonntag keine Zweifel aufkommen. Doch trotz Pole Position war der Erfolg für den Weltmeister gar keine so klare Angelegenheit. Am Start hatte er sich einmal mehr von Teamkollege Oscar Piastri überrumpeln lassen und setzte daraufhin seinen Kommandostand am Funk unter Druck. Die Unaufmerksamkeit von Carlos Sainz regelte die Sache für ihn letztendlich. Doch auch ohne diese höhere Gewalt sah er sich als sicherer Sieger. Das Theater um die von ihm eingeforderte Teamorder war nach dem Sieg dann auch schnell vergessen.

"Wenn ich ein so gutes Auto wie heute habe, besiegt mich niemand", strotzt der 26-Jährige nach dem ersten Saisonsieg von McLaren vor Selbstvertrauen. Dass Sainz ihm mit seinem Fehlverhalten die Führung zuschusterte, hätte er seiner Ansicht nach nicht nötig gehabt: "Ich konnte die Stints länger fahren, was ich so sicher nicht erwartet hatte. Aber die Pace war so gut, ich konnte jeden Stint noch verlängern und mit den frischen Reifen hätte ich das Rennen sowieso gewonnen."

Im Rennen fiel er nach dem Start jedoch zunächst wieder in alte Muster zurück. Von der Linie weg blieb er beim Erlöschen der Ampeln noch vorne, aber nach zwei Kurven war er die Führung schon an Oscar Piastri los. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was da los war. Ich habe immer wieder das Heck verloren, ich hatte drei oder vier große Rutscher, das war übel", erklärt Norris, der vor Turn 2 harte Kampflinie gegen Piastri gefahren war. "Oscar hat das gut angestellt, er hat den Switchback gemacht und ging vorbei. Ich glaube, ich bin einfach etwas weit gegangen und auf den Dreck gekommen. Das war dann 'game over' für Runde eins."

Danach versuchte er mit aller Gewalt, in Schlagdistanz zum Teamkollegen zu kommen. "Das war nicht meine beste Kurve zwei, Aber als ich danach sah, wie meine Pace war, da war ich einfach in jeder Hinsicht besser, was den Abbau der Reifen anging, bei der Pace. Ich war selbst danach überzeugt, dass ich das Rennen gewinnen würde. Ob ich das über die Strategie mache, ihn an die Box zwinge und länger fahre und ihn auf frischen Reifen hole - ich war überzeugt, dass ich das Rennen heute gewinnen kann und das haben wir getan."

McLaren erteilt Lando Norris klare Teamorder-Absage

Norris versuchte es aber nicht nur auf der Strecke, er machte dafür auch am Funk ordentlich Stress. Mehrmals kündigte er an, in freier Fahrt viel schneller fahren zu können und bat beim Team vor den Pitstops sogar um Priorität gegenüber dem Teamkollegen. "Ich wollte gewinnen und hatte sicher eine viel bessere Pace als er und eine viel bessere Chance, das Rennen zu gewinnen", verteidigt er seinen Ansatz, eine Teamorder einzufordern. "Ich wollte den Undercut machen, denn meine Pace war so gut, dass ich einen ganzen Boxenstopp gegen ihn hätte herausfahren und sogar nochmal hätte stoppen können, wenn ich das gebraucht hätte."

McLaren ließ jedoch nicht mit sich reden. "Am Kommandostand sind wir einfach unsere Prinzipien treugeblieben - das ist McLaren Racing, wir genießen großartiges Racing und wir haben großartiges Racing gesehen", so McLaren-Teamchef Andrea Stella im ORF. In Runde 40 erledigte Carlos Sainz die Sache für Lando Norris, als er Oscar Piastri in Turn 2 beim überrundet werden übersah und ihm ins Auto fuhr. Norris hatte zu diesem Zeitpunkt seinen zweiten Pitstop noch nicht abgeleistet und lag deshalb vor Piastri. Als er in derselben Runde dann reinkam, erlangte er durch den Zeitverlust des Teamkollegen die Führung ohne jeden Stress.

"Irgendwann mussten wir Hamilton covern, und es war schade, dass Oscar durch die Überrundungen Zeit verloren hat", so Stella. Nach dem durch höhere Gewalt herbeigeführten Platztausch konnte Norris an der Spitze mühelos davonziehen, womit auch das Team besänftigt war. "Lando hatte eine unglaubliche Pace auf dem harten Reifen und hat auch die Zeit gefunden, um vor Oscar zu landen", ist er sicher. "Sobald Lando in Führung lag, hat das meiner Meinung nach gezeigt, dass er einen ordentlichen Pace-Vorteil hatte."

Lando Norris träumt von weiteren McLaren-Siegen in 2026

"Meine Pace heute war wahrscheinlich mit die beste, die ich jemals hatte. Das Auto war schön zu fahren und ich hatte großes Selbstvertrauen", betont Norris nach seinem zwölften Sieg in der Formel 1. "Ich verdanke dem Team wirklich viel. Sie haben Großartiges geleistet, um zu diesem Zeitpunkt überhaupt wieder Rennen zu gewinnen. Deshalb bin ich stolz"

McLarens Aufschwung war auf dem Hungaroring kaum zu übersehen, hatte der amtierende Champion doch im Qualifying in allen drei Teilen den Ton angegeben und die Pole Position geholt. "Es ist toll zu sehen, dass das Auto um die Pole Position und um den Sieg fahren kann. Es ist schön zu sehen, dass sich die harte Arbeit ausgezahlt hat", freut sich Andrea Stella.

Norris sieht aber auch den Hungaroring als entscheidenden Faktor. "Wir wissen, dass diese Strecke gut zu uns passt - wahrscheinlich ist sie eine der Strecken, die mir in diesem Jahr am besten liegen. Besser wird es für den Moment vielleicht nicht, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch Rennen gewinnen können."