In der Sommerpause im August müssen die Formel-1-Fabriken zusperren und auf Urlaub fahren. Was aber sicher nicht bedeutet, dass der Fahrermarkt stillsteht. Im Gegenteil. Jetzt werden üblicherweise die richtungsweisenden Entscheidungen für 2027 getroffen. Von dreien solcher Entscheidungen ist aktuell das ganze Feld abhängig.

Ein nicht unwesentlicher Teil der Fahrer hat zwar gültige Verträge für nächstes Jahr. Was in der Formel 1 bekanntlich nicht entscheidend sein muss. An jeder Ecke lauern Ausstiegsklauseln, und ein Ausbezahlen ist ansonsten genauso ein probates Mittel, um bestehende Deals aufzulösen. Genau bei solchen Spekulationen setzt die Fahrermarkt-Hauptattraktion Max Verstappen an.

Mercedes, McLaren, Red Bull: Was wird aus der Verstappen-Zukunft?

Die Verstappen-Lage ist kompliziert. Dass er bis 2028 einen Vertrag hat, ist bekannt. Wenn es nach Red Bull ginge, so ist ein Verbleib von Verstappen und ein Verlängern mit Isack Hadjar die offensichtliche Option. Und praktisch sind Verstappens Optionen für 2027 inzwischen sehr schwierig geworden, wenn er nicht gerade ein Sabbatical einlegen will. Eine Option, die er seit Ewigkeiten herunterspielt.

Ferrari kann man abhaken. Charles Leclerc hat einen Vertrag, und Lewis Hamiltons wiedergefundene Form hat auch dieses Fragezeichen aufgelöst. Bei Mercedes wäre auf dem Papier eine Tür offen. Weniger in der Praxis. Zum einen wird Teamchef Toto Wolff Kimi Antonelli jetzt nirgendwohin lassen. Zum anderen ist George Russell um einiges sicherer, als Social Media nach den letzten Spyshots von Verstappen und Wolff beim Mittelmehr-Urlaub gern glauben möchte.

"Wir müssen das Auto stabiler machen, und da jetzt damit zu beginnen, die Fahrer zu wechseln, wäre nicht das Richtige", äußerte Wolff erst eine Woche davor gegenüber 'Sky Deutschland' ein Bekenntnis zur Paarung Antonelli und Russell für 2027. "Wir haben offiziell noch nichts gesagt, aber es ist das einzig Logische zum jetzigen Zeitpunkt." Ein neuer Deal soll sich auf der Zielgeraden befinden.

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Daraus entstand das jüngste Störfeuer um einen Platztausch von Verstappen mit Oscar Piastri. Während das Verstappen-Lager sehr vage damit umgeht, wurde es von McLaren-Sportchef Zak Brown und von Piastri bereits dementiert. Piastri hat - wie Lando Norris - einen McLaren-Vertrag für mindestens 2027. Einfach zu orchestrieren, wäre so ein Deal also nicht. Verstappen befindet sich daher immer noch in einer Position, in der ein Verlassen von Red Bull schwer vorstellbar ist.

Alonso & Sainz halten Formel-1-Mittelfeld in Vertrags-Geiselhaft

Im F1-Mittelfeld halten zwei andere Fahrer den Betrieb auf. Mit Fernando Alonso ist einer davon ein Weltmeister. Nach dem desaströsen Saisonstart von Aston Martin kam um ihn sehr viel Gemurmel auf. Fest steht, dass er sich aktuell den Rücktritt offenhält. Explizit unterstrich er in den letzten Wochen, dass ihm die neuen Autos generell keinen Spaß machen. Ob er 2027 weitermacht, hängt davon ab, ob die Aston- und Honda-Updates bei den unmittelbar anstehenden Rennen ihn mit Performance-Potenzial motivieren.

Daneben geistern aber seit Wochen Spekulationen über einen Wechsel zu Alpine umher. Ein letztes Hurra mit seinem alten Freund und Manager Flavio Briatore? Alonso selbst will davon nichts wissen: "Ich habe einen Vertrag, also gehe ich schon mal nirgendwo anders hin." Entweder Aston Martin als F1-Fahrer - oder als Rentner und Markenbotschafter.

Keine Frage aber, dass Alpine sportlich nicht besonders an Franco Colapinto hängt, der über 2026 hinaus keinen Vertrag hat. Auch wenn sich seine Leistungen seit der April-Pause stabilisiert haben. Dass sich bei Alpine oder Aston Martin Türen öffnen können, ist dann von immensem Interesse für den anderen Schlüsselspieler auf dem Mittelfeld-Markt: Carlos Sainz.

"Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe des Sommers beginnen werden, eine Entscheidung zu treffen", geht Sainz seit Wochen offen damit um, dass er keinen fixen Vertrag für 2027 hat und nach dem enttäuschenden Williams-Start wieder den Markt sondiert. Wie vor zwei Jahren sitzt er am längeren Hebel. Williams hat keine bessere Alternative. Sainz hat also alle Zeit der Welt, um bis in den Herbst zu beobachten, was bei Aston Martin, Alpine und Williams passiert.

Nur Audi will ihm die Tür nicht öffnen. "So wie ich hier stehe, denke ich, dass es für uns die perfekte Kombination ist", sagt Audi-Renndirektor Allan McNish über seine aktuelle Paarung Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto. Hülkenbergs Deal soll prinzipiell ohnehin auf drei Jahre ausgelegt sein und 2027 noch einschließen, Klauseln sind wohl aktuell irrelevant.

Was kann ein Sainz-Manöver für 2027 auslösen?

Sollte Sainz abspringen, sind die Williams-Optionen dünn. Mit Alex Albon weiterzumachen, scheint wahrscheinlich. Nummer zwei? Entweder ist vorstellbar, dass man Ex-Junior Franco Colapinto zurückholt, wenn er bei Alpine rausfliegt. Oder man versucht es mit dem aktuellen Junior Luke Browning. Der hat seinen F1-Chancen, wohl wissend um die prekäre Sainz-Lage, in den letzten Monaten nie ganz abschwören wollen.

Kann in diesem Karussell die zweite Red-Bull-Reihe eine Rolle spielen? Vor ein paar Wochen wurde der aktuell die F2-Meisterschaft anführende Nikola Tsolov bereits in das Cockpit von Liam Lawson geschrieben. Etwas verfrüht und noch unfundiert, aber dass Tsolov in die Formel 1 drängt, räumte auch Racing-Bulls-Teamchef Alan Permane zuletzt ein. Lawson mag aktuell zwar abliefern, aber er ist bereits im Hauptteam gescheitert. Auf Dauer hat man dann im Konzern keine Zukunft.

Lawson, ein Fahrer mit 46 GP-Starts und in guter Form, wäre natürlich interessant für andere Teams. Tatsächlich hatte 2024 auch Williams einmal nach seinen Diensten gefragt, als man Kurzzeit-Ersatz für den gescheiterten Logan Sargeant gesucht hatte. Aber wie bei dem auf der Red-Bull-Ersatzbank herumsitzenden Yuki Tsunoda ist nicht klar, wie die Vertragslage bei diesen Fahrern genau ist, und vor allem, wie willig der Konzern ist, sie ziehen zu lassen. Konkretes war von ihnen bisher nicht zu hören.

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Was machen Haas und Cadillac für 2027?

Bleiben nur noch die Nachzügler. Bei Haas zeichnet sich ein Ende von Esteban Ocon ab. Von ihm war das Team schon im Vorjahr enttäuscht gewesen. Der Fortschritt im zweiten Jahr ist mäßig. Aber das freiwerdende Cockpit ist nicht gerade attraktiv. Der Start in die neue Regelgeneration ist holprig, das Team hadert mit dem Budget, mit Fertigungsproblemen, und fällt immer weiter zurück.

Mögliche Ocon-Nachfolger kommen von außen. Ein zweiter Ferrari-Junior neben Oliver Bearman in Form des aktuell F2-Zweiten Rafael Camara wäre möglich. Aber sich in die komplette fahrerische Ferrari-Abhängigkeit begeben? Aktuell werden Alternativen evaluiert. Jack Doohan ist bereits Ersatzfahrer. Vor kurzem lieh man sich den amtierenden F2-Meister und McLaren-Junior Leonardo Fornaroli für Testfahrten. Immer wieder sitzen diverse Toyota-Werksfahrer im Haas. Ryo Hirakawa aus der WEC und Sho Tsuboi aus Super Formula und Super GT sind zwar Champions in ihren Meisterschaften - aber 32 respektive 31 Jahre alt.

Der Appeal der Neueinsteiger Cadillac ist genauso begrenzt. Die Leistungen von Sergio Perez und Valtteri Bottas sind schwierig einzuschätzen, da sie von Rennen zu Rennen Testprogramme fahren. Zentral für ihre Zukunft sind die Leistungen von Ex-IndyCar-Pilot Colton Herta, der in der Formel 2 aktuell Erfahrung auf F1-Strecken und mit Pirelli-Reifen sammelt. Mit Gesamtrang 16 läuft das bislang sehr anonym ab. Da Cadillac vor Saisonbeginn klarstellte, dass man auch Leistung von Herta sehen will, scheint ein F1-Einstieg so noch in weiter Ferne.