Gestern war es so weit für vielleicht eines der am heißesten erwarteten Rennen dieser Formel-1-Saison. "Max vs. 100", eine Kart-Challenge von Red Bull, bei der Max Verstappen 100 Amateur-Fahrer innerhalb von maximal 30 Runden vom letzten Startplatz aus überholen musste, ist am Mittwochabend über die Bühne gegangen. Motorsport-Magazin.com hat sich das Spektakel in Silverstone natürlich nicht entgehen lassen und liefert den Rennbericht.
Die Regeln und die Ausgangslage zum Kartrennen gibt es in diesem Artikel:
"Max vs. 100": 63 Überholmanöver beim Start
Während sich die Herausforderer in einem zweitägigen Trainingscamp auf die Challenge vorbereiten konnten – sie fuhren mehrere Trainings, Qualifyings und insgesamt vier Rennen mit Arvid Lindblad als Verfolger – hatte Verstappen nur drei Sichtungsrunden, um sich die 2,5 Kilometer lange Kartbahn in Silverstone anzusehen. "Ich hatte keine Ahnung, wie meine Pace sein würde. Dann habe ich die Qualifying-Zeiten [der Herausforderer, Anm. d. Red.] gesehen und mir gedacht: 'Wenn ich eine gute erste Runde habe und nicht zu viel Zeit verliere, dann sollte das schon gut gehen", so Verstappen nach dem Rennen.
Als 101. im Feld startete der vierfache Weltmeister im Eingang der letzten Kurve. Auf der Pole Position war der niederländische F1-Journalist Jack Martens. Als die Lichter auf Grün schalteten, hüpfte Verstappen schon an den ersten Amateuren vorbei. "Das ist ein Trick, den ich im Mini-Kart gelernt habe, als ich sieben war. Dort hatte ich stehende Starts und musste das machen", erklärte er später. Der F1-Fahrer schlängelte sich ohne Probleme durch die Hinterbänkler. Als er über die Ziellinie kam, hatte er schon mindestens 15 Karts hinter sich gelassen.

Dann folgte das Gemetzel, das schon jeder vorhersah. Einige Fahrer hatten sich gedreht, Verstappen musste Kurve zwei übers Gras abkürzen, um einer Kollision zu entgehen. Anders als zuletzt beim Spanien-GP musste er die Positionen nicht zurückgeben. In Kurve sechs gab es dann eine gelbe Flagge, weil viele Karts in der engen Haarnadel verkehrt standen. "Einige haben die Bremspunkte komplett verpasst und es in den ersten Kurven übertrieben", analysierte der vierfache Champion.


Erste Runde: "Absolutes Gemetzel!"
"Ich habe keine Ahnung, was abgeht! Oh mein Gott, es ist ein Gemetzel!" meinte Verstappen während der ersten Runde am Funk. Nach ein paar Kurven wurde das Rennen mit einer Full-Course-Gelb neutralisiert. Der Red-Bull-Fahrer hatte sich bis dahin auf Platz 37 vorgekämpft, hatte also in der ersten Hälfte der ersten Runde bereits 63 Karts überholt. "Es gab überall Unfälle und als ich nach vorne geschaut habe, war Max bereits weg", schilderte Streamer Pieface, der einer von Verstappens ersten Opfern war.
Das Rennen wurde in Runde zwei wieder freigegeben und Verstappen begann die Jagd. Die Amateure hatten aber ein Ass im Ärmel: Sie durften einmal eine Abkürzung nehmen. Die sogenannte "Chucky-Lap", eine Referenz zu "Chucky, die Mörderpuppe" nach einer Aussage von McLaren-Racing-CEO Zak Brown über Verstappen, sollte laut Rennleiter und Streckenarchitekt David Terrien eine Zeitersparnis von fünf bis sechs Sekunden sein.
Über die nächsten Runden ließ Verstappen einen nach dem anderen hinter sich. "Ich hole dich ein, keine Sorge", lautete seine Nachricht an die Gegner. Die hielten sich aber nicht zurück mit ihrem Trash-Talk. "Wir sind so weit vorne, du trittst besser aufs Gas!", stichelte YouTuber Zac Alsop auf Platz drei. Dann starteten die Streckenposten in Kurve zehn eine Sprinkler-Anlage. Die nasse Stelle sollte Verstappen, der sich in Runde vier schon auf P20 vorgekämpft hatte, ein Bein stellen. Doch es führte eher dazu, dass die Amateure Probleme bekamen.
In Runde sechs kam Verstappen dann einmal zu sehr auf den Kerb und musste durchs Gras ausweichen. Dabei fiel ein Zusatzgewicht aus seinem Kart. "Ich habe die Kurve ein bisschen falsch eingeschätzt", erklärte der jetzt einen Kilogramm leichtere Verstappen am Funk. Das hielt ihn aber nicht auf, er machte Jagd auf die Top 5, ohne Rücksicht auf das Betteln seiner Gegner: "Sie sollten sich sputen, ich hole sie nämlich ein. Das ist keine Wohltätigkeitsveranstaltung." Mit allen Tricks, die der Kart-Weltmeister von 2013 in petto hat – beispielsweise sich auf den Geraden ducken, um weniger Luftwiderstand zu erzeugen –, kam er immer näher.
Verstappen siegt in 14 Runden: "Eine Geschichte für die Enkelkinder"
In Runde elf von 30 hatte er die Top 3 bereits eingeholt. Die Rennleitung strich ihm die Möglichkeit, ab der Halbzeit die "Chucky-Lap" zu verwenden, und gab Jack Martens, Osler und Zac Alsop eine Extra-Runde.
Aber nach 35 Minuten und 14 Runden war es dann so weit: Zuerst überholte Verstappen zwei auf einer Innenlinie und drückte sich dann mit einem späten Manöver am Führenden Martens vorbei. "Das war einfach wunderbar [Original: simply lovely]", war seine erste Reaktion aus dem Cockpit. "Ich dachte wirklich, dass meine erste Runde ein Desaster werden würde, aber ich hatte Hilfe von den Leuten, die zu aufgeregt waren und deshalb gecrasht sind. Es war sehr lustig. Ich glaube, das ist mein bester Sieg bisher."
Zum Glück gibt es bei dieser Challenge keine strengen FIA-Delegierten und Stewards, die Verstappen für seine Abkürzung in Runde eins und das Unterschreiten des Mindestgewichts nach seinem kleinen Hüpfer bestrafen könnten. Sonst würde er den Sieg wohl noch am grünen Tisch verlieren.



"Die drei sind sehr gut gefahren, um ehrlich zu sein", lobte er seine finalen Gegner. "Was für eine Geschichte für die Enkelkinder. Unglaublich, das machte so viel Spaß", freute sich Alsop. Für Red Bull war das Event ein voller Erfolg. In der ganzen Motorsport-Welt und darüber hinaus redet man darüber. Die ganzen Herausforderer haben schließlich zusammen eine Reichweite von einer halben Milliarde Menschen. Steht als Nächstes jetzt "Max vs. 200" an? "Ganz genau", lacht Verstappen.



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