Die Formel-1-Prozession auf dem Messegelände von Madrid hat bei der Fanbasis der Königsklasse für viel Langeweile und Ärger gesorgt. Überholen war auf der neuen Strecke quasi unmöglich und auch rund um das Event gab es noch eine Reihe von Problemen, die eines modernen F1-Kurses unwürdig erschienen. In den sozialen Medien bezeichneten manche den Madring gar als eine der schlechtesten Strecken überhaupt. Zu Recht? Wir haben unsere Auswahl der schlimmsten F1-Strecken der Geschichte zusammengestellt. Danach könnt ihr selbst entscheiden, ob sich Madrid in diese Liste einreihen sollte.

Die Formel 1 auf einem Parkplatz in Las Vegas

Caesars Palace (Las Vegas)
Die Formel 1 gastierte schon vor 2023 einst in Las Vegas. In den Saisonen 1981 und 1982 bildete der Caesars-Palace-GP jeweils das Saisonfinale und das auf einer Strecke, die trister nicht sein könnte. Auf dem Parkplatz des namensgebenden Hotels steckte man durch Betonwände getrennt einen Kurs ab, der grob an ein Viereck mit zwei aus der Vogelperspektive beinahe identisch aussehenden Infield-Sektionen erinnerte. Die Fahrer hassten die Strecke nicht nur aufgrund des uninspirierenden Layouts, sondern auch, weil der Mickey-Mouse-Kurs gegen den Uhrzeigersinn ging und so den Nacken extrem stark belastete. Nachdem die Königsklasse ihr erstes Vegas-Gamble aufgegeben hatte, gastierte noch zwei Jahre lang die IndyCar-Vorläuferserie CART dort, ehe auch sie den Parkplatz Parkplatz sein ließ.

Alain Prost (Renault) bei der Formel 1 in Las Vegas 1982 (Caesars Palace)
Foto: Imago / ZUMA Press Wire

F1-Rennen in der Hitzehölle von Texas

Fair Park (Dallas)
Juli in Dallas. Wer bei diesen drei Worten nicht sofort ahnt, warum das Formel-1-Event 1984 in Texas eine einmalige Angelegenheit blieb, ist wohl nicht mit den Sommer-Temperaturwerten in Texas vertraut. Denn wenig überraschend war der einzige Auftritt der Königsklasse in der US-Metropole eine wahre Hitzeschlacht mit bis zu 38 Grad Celsius. Kein Wunder, dass vor dem Rennen tagelang Gerüchte um eine mögliche Absage die Runde machten. Und die Strecke? Das Layout war verglichen mit anderen US-Stadtkursen sogar ziemlich abwechslungsreich, aber aufbrechender Asphalt und fragwürdige Auslaufzonen sorgten für keine sonderlich gute Stimmung. Ein schwerer Unfall von Martin Brundle im Training kam noch dazu. Dass das Paddock in einer ansonsten für Viehmärkte genutzten Halle abgehalten wurde, beeindruckte Bernie Ecclestone ebenfalls wenig, der meinte: "Wir arbeiten normalerweise nicht im Kuhmist." Mussten sie auch nicht mehr, denn nach einem Grand Prix war es das auch schon mit der Formel 1 in Dallas.

Belgien-GP auf dem Anti-Spa

Circuit de Nivelles-Baulers
Als Ersatz für die als zu gefährlich befundene 14-Kilometer-Strecke in Spa rückte Nivelles-Baulers als krasser Gegenentwurf zur Ardennen-Achterbahn in den frühen 70er-Jahren im Rotationsprinzip mit Zolder in den Formel-1-Kalender und hielt zweimal den Belgien-GP ab. Der Kurs in Wallonien war vollkommen flach, hatte riesige Auslaufzonen und auch die Streckenführung empfanden die meisten Fahrer als uninspirierend. Die Fans sahen es genauso - mal abgesehen davon, dass sie aufgrund der großen Auslaufflächen weit entfernt waren und sowieso nicht viel sahen. Als sich dann vor der dritten geplanten GP-Austragung 1976 der Asphalt auf der 3,7-Kilometer lange Strecke in einem extrem schlechten Zustand befand und die finanziellen Probleme der Streckenbetreiber eine Neuasphaltierung verhinderten, machte die Formel 1 einen Rückzieher. 1981 schloss der Kurs seine Pforten.

Emerson Fittipaldi (McLaren) beim Formel-1-Rennen in Nivelles-Baulers (Belgien-GP) 1974 vor Niki Lauda (Ferrari)
Foto: Imago / Panoramic by PsnewZ

Der erste Versuch beim Österreich-GP

Flugplatz Zeltweg
In Spielberg schlägt am heutigen Red Bull Ring das Motorsport-Herz Österreichs. Dabei war der 1969 eröffnete Österreichring ursprünglich nur die Reaktion auf einen missglückten ersten Anlauf in der Formel 1. Unweit der heutigen Strecke auf dem Flugplatz von Zeltweg wurde nämlich schon 1964 ein Grand Prix ausgetragen. Der 3,2-Kilometer langen Kurs umfasste gerade einmal vier Kurven – Spaßfaktor: mäßig. Das viel größere Problem war die extrem raue Streckenoberfläche, die für Ausfälle am laufenden Band sorgte. Ein paar Jahre wurden noch Sportwagenrennen auf dem Kurs abgehalten, ehe endlich wenige Kilometer entfernt eine echte Rennstrecke ihre Tore öffnete.

Der geistige Vorläufer von Madrid

Valencia Street Circuit
Spanien. Stadtkurs. Überholen unmöglich. Das hat Tradition. In Valencia wurde ab 2008 der Europa-GP rund um den Hafen ausgetragen, und das auf einer Strecke, die auf dem Papier zwar Überholstellen hätte bieten sollen, in der Realität aber - wie schon in Madrid – aufgrund der kurvigen 'Geraden' das nicht tat. Langweilige Rennen waren die Folge auf einem Kurs, dessen riesige Auslaufzonen ohnehin schnell vergessen ließen, dass es sich eigentlich um eine Stadtstrecke handeln hätte sollen. Immerhin: Der Grand Prix 2012 blieb aufgrund einer grandiosen Aufholjagd von Fernando Alonso in Erinnerung. Es war auch das letzte Rennen dort, denn als es danach Probleme bei der Finanzierung gab, zog die Formel 1 vorzeitig den Stecker.

Rennszene beim Europa-GP in Valencia (Spanien)
Foto: Imago / Thomas Melzer

Als Formel 1 in Le Mans schiefging

Bugatti Circuit (Le Mans)
Formel 1 in Le Mans klingt eigentlich nach dem perfekten Crossover, das an Spektakel kaum zu überbieten ist. Nur mit dem Problem, dass die Königsklasse 1967 nicht auf dem 24h-Kurs fuhr, sondern auf dem kleinen Bugatti Circuit. Heute als Bike-Strecke eine Ikone war der Kurs in seiner damaligen Form für die F1-Boliden der späten 60er-Jahre ein Hort der Langeweile, der weder den Fahrern noch den Fans viel Spaß bereitete. Letztere kamen nur in geringer Zahl, von den Ersteren schafften es gerade einmal fünf ins Ziel. Ein Jahr später fuhr die Formel 1 wieder auf dem wesentlich anspruchsvolleren Kurs in Rouen.

Startaufstellung zum Großen Preis von Frankreich 1967 in Le Mans (Bugatti Circuit)
Foto: Imago / Heritage Images

Nicht alle sahen das Formel-1-Debüt des Madrings so kritisch. Unser F1-Experte Christian Danner widersprach der Kritik. Einige Aspekte an der Strecke fand er "durchaus vielversprechend". In diesem Artikel findet ihr alle Aussagen dazu: