Nicht wenige Beobachter waren irritiert von Thomas Preinings Vorgehensweise während der Safety-Car-Restarts beim DTM-Sonntagsrennen am Sachsenring. Der Manthey-Porsche-Pilot erweckte bei beiden Gelegenheiten kurz vor dem Zieleinlauf nicht unbedingt den Eindruck, seinen Vordermann und späteren Rennsieger Ben Dörr auch nur ansatzweise unter Druck setzen zu wollen.

Bei beiden Re-Starts in den Schlussminuten des Rennens zog der junge Dörr-McLaren-Pilot scheinbar spielend leicht von dannen und fuhr schon auf der Start/Ziel-Geraden mit mehreren Fahrzeuglängen Vorsprung auf den Zweitplatzierten Preining. "Wie man zweimal so schlafen kann beim Re-Start, das ist mir nicht verständlich", wunderte sich auch David Schumacher in seiner Rolle als TV-Experte für ProSieben.

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Hat Thomas Preining die Safety-Car-Restarts vertrödelt?

In der Tat erweckte es beide Male den Eindruck, als hätte Preining die Re-Starts schlichtweg vertrödelt. Nachgefragt beim DTM-Spitzenreiter aus Österreich: "Der (Ben Dörr) hat das richtig gut gemacht. Ich wollte versuchen, möglichst gut rauszubeschleunigen und eher einen Angriff auf ihn zu machen bei den Re-Starts. Er hat das aber super gemacht und mir keine Chance gelassen."

Ob er überhaupt das Ansinnen verfolgte, Dörr zu attackieren und nach dem Sieg zu greifen, hakten wir nach. Preining: "Ich dachte mir: Alles, was leicht geht, nehme ich mit. Wie das halt ist in so einer Situation, aber es ist nie leicht."

Thomas Preining beim DTM-Rennen am Sachsenring
Szene vom Re-Start: Dörr - links im Bild - ist hier schon meilenweit weggeflogen, Foto: IMAGO/HochZwei

Emil-Frey-Chef nicht happy über Preinings "verspätete Re-Starts"

Dabei darf die Frage erlaubt sein, ob sich Preining wirklich nach vorne und nicht eher nach hinten orientiert hat. Schließlich hatte der Manthey-Pilot beim ersten Re-Start mit Matteo Cairoli (Emil-Frey-Ferrari) einen potenziellen Titel-Gegner hinter sich. McLaren-Pilot Dörr kämpft hingegen nicht um die Meisterschaft. Cairoli mit seinem Emil-Frey-Ferrari ritt nach der Renn-Freigabe auch gleich eine Attacke auf Preining und setzte zum Überholmanöver über die Außenlinie in der ersten Kurve an.

Der Italiener kam dabei aber zu weit raus und musste obendrein mitansehen, wie Preinings Teamkollege Ricardo Feller in Turn 1 innen durchschlüpfte und den dritten Platz übernahm. Aus Sicht von Manthey hätte diese Aktion kaum besser laufen können, wenngleich die Emil-Frey-Truppe nicht allzu begeistert reagierte. "Für Matteo war es schade, dass wir am Ende durch den zweimaligen verspäteten Restart von Thomas Preining die Position gegen Ricardo Feller verloren haben", meinte Teamchef Lorenz Frey-Hilti.

Cairoli selbst erklärte: "Nach dem Safety Car wollte ich um den zweiten Platz kämpfen. Leider waren beim Re-Start die Strecke und die Bremsen noch nicht in der besten Verfassung und ich kam weit raus in der ersten Kurve."

Preining: Beide Safety Cars waren frustrierend

Als Cairoli gerade den dritten Platz an Feller eingebüßt hatte, knallte es direkt hinter ihm zwischen Maro Engel und Kelvin van der Linde. Der Abflug des Schubert-BMW löste eine zweite Safety-Car-Phase aus. Der Re-Start erfolgte wenig später mit einer letzten Rennrunde. Wieder flog Dörr locker an der Spitze weg und machte aus der letzten Bergauf-Kurve bis auf Start/Ziel augenscheinlich sogar noch mehr Boden gut als beim ersten Mal.

Preining hatte diesmal mit Feller als Abschirmung im Rücken keine Gegenwehr zu befürchten. Der Schweizer in seinem Greeno-Porsche machte sich extra-breit gegen Hintermann Cairoli und ließ dem Ferrari-Piloten keine Chance. Beinahe wäre sogar noch Engel (erhielt erst nach dem Rennen eine Strafe) auf der Innenbahn durchgerutscht. Zu Positionswechseln auf den Podestplätzen kam es in der letzten Runde nicht mehr.

Ob Preining mit seinen Bummel-Restarts einen konkreten Plan verfolgte, einfach zu spät reagierte oder ob sein Manthey-Porsche in der Beschleunigung nicht mit dem McLaren mithalten konnte, bleibt ungewiss. Sicher ist, dass der DTM-Champion von 2023 gerne auf die hektische Schlussphase verzichtet hätte: "Die beiden Safety Cars waren frustrierend, weil wir ins in einer komfortablen Position befanden. So musste ich mich bei zwei Re-Starts verteidigen, das war mehr Stress als erhofft."

Thomas Preining in der DTM
Thomas Preining und Ricardo Feller vor Matteo Cairolis Ferrari, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

Sachsenring-Sieger Dörr fürchtete späte Preining-Attacke

Der überglückliche Rennsieger Dörr hingegen war nicht traurig über die Safety-Car-Orgie, obwohl er zum Zeitpunkt der ersten Neutralisation mit gigantischen elf Sekunden Vorsprung auf Preining führte. "Es ist ein bisschen frustrierend, wenn man mit zehn Sekunden führt, dann das Safety Car kommt, und ich meine zwei frischen Reifensätze schon genutzt hatte", erklärte der 21-Jährige.

Denn: Dörr fürchtete, dass Preining mit einem Satz frischer Pirelli-Slicks unterwegs war und ihm nach dem ersten Re-Start hätte gefährlich werden können. "Ich habe meinen Ingenieur dreimal gefragt, welche Reifen Thomas drauf hat. Er hat aber nicht geantwortet, also konnte ich mir die Antwort schon denken... Dann kam zum Glück noch ein Safety Car und wir konnten es heimbringen."

Gefühlte Siege: Preining jetzt klarer DTM-Titelfavorit

Preining verließ den Sachsenring ohne einen Sieg, dafür aber mit zwei weiteren Podestplätzen - Nummer fünf und sechs in Folge - die sich "wie Siege anfühlten", gab er später zu Protokoll. Verständlich: Sein bis dato schärfster Titel-Rivale Engel ging in Folge der nachträglichen Strafe komplett leer aus. Der Gesamt-Dritte Marco Wittmann holte am Samstag zwar einen Pole-Sieg, konnte mit P5 im Sonntagsrennen aber nicht noch weiter an Boden gutmachen.

Und Lucas Auer (Gesamtplatz vier) erzielte nach seinem technikbedingten Qualifying-Unfall am gesamten Wochenende nur 16 Punkte. Damit wurde Preinings Doppel-Podium durch die Patzer der Konkurrenz zusätzlich versüßt. Der Porsche-Werksfahrer reist mit 23 Punkten Vorsprung auf Engel zum großen Titel-Showdown an den Hockenheimring (09.-11. Oktober 2026) und scheint sich seiner Sache ziemlich sicher zu sein, wie ihr in diesem Artikel lesen könnt: