Der Große Preis von Österreich hat noch gar nicht begonnen, da hat die MotoGP schon ihren ersten Aufreger. Francesco Bagnaia, der vergangene Woche bei seinem Heimspiel in Misano mal wieder in ein Debakel geschliddert war, setzte am Donnerstag in Spielberg nämlich zu einer wahren Wutrede an. Dabei im Zentrum seiner Kritik: 'DAZN', der spanische TV-Partner der Königsklasse. Von "Respektlosigkeit" und "falscher Darstellung" war unter anderem die Rede.

Doch was hatte Bagnaia überhaupt derart erzürnt? Ganz einfach: DAZN hatte am Mittwoch ein Video veröffentlicht, indem ein vermeintlich privates Gespräch zwischen Bagnaia und Fabio Di Giannantonio zu hören war. Stattgefunden hatte dieses am letzten Sonntag, unmittelbar nach dem San-Marino-GP und in jenen Räumlichkeiten, in denen die Fahrer am Ende eines jeden Tages ihre Interviews mit den einzelnen TV-Partnern der MotoGP abhalten. Offiziell interviewt wurde zum Zeitpunkt des Gesprächs aber weder Bagnaia noch Di Giannantonio, es handelte sich also um einen Austausch unter vier Augen.

Marc Marquez ist WM-Leader! So kam es zur Aprilia-Implosion (09:24 Min.)

"Sie lassen mich nicht" - Aussage von Francesco Bagnaia geht viral

Offenbar nicht wissend, dass DAZN ihren Austausch aufzeichnete, diskutierten die beiden Italiener über Bagnaias Probleme. Di Giannantonio fragte seinem Landsmann, warum er "dieses kleine Teil am Heck" benutze, woraufhin dieser antwortete: "Das ist das kleinste meiner Probleme. Ich benutze, was sie mir sagen. Ich habe schon alles probiert. Soft oder Medium macht für mich keinen Unterschied an der Front, sie sind gleich. Egal ob gebrauchter Soft am Morgen oder neuer Reifen im Qualifying, sie sind gleich. Es ist, als würde die Kupplung ziehen, sobald ich anfange zu bremsen."

"Ich verstehe. Aber meiner Meinung nach, wenn du ein relativ normales Setup wie meines benutzen würdest … ich sage dir, meines ist wirklich ziemlich simpel", schlug Di Giannantonio daraufhin vor. Und dann jene Aussage Bagnaias, die anschließend viral gehen sollte: "Sie lassen mich nicht."

Booom, das hatte gesessen. Weigert sich Ducati etwa, Bagnaias Wünschen beim Setup der Desmosedici GP26 Folge zu leisten? Es würde jedenfalls zumindest in Teilen erklären, warum der 29-Jährige aus Turin zuletzt wieder in eine derart tiefe Krise abgestürzt ist, die er zuletzt als vermutlich schwerste Phase seiner bisherigen MotoGP-Karriere bezeichnete. Am Donnerstag in Spielberg wurde Bagnaia in seiner Medienrunde natürlich mit jenen Aussagen aus dem DAZN-Mitschnitt konfrontiert - und daraufhin folgte die eingangs erwähnte Wutrede.

"Respektlosigkeit!" - Francesco Bagnaia schäumt über MotoGP-Partner DAZN

"Was nach dem Rennen in Misano passiert ist, ist eine totale Respektlosigkeit von DAZN. Die Audioaufnahme ist völlig aus dem Kontext gerissen, das Video ist nicht vollständig", schäumte der Weltmeister von 2022 und 2023 und enthüllte daraufhin: "Wir haben über etwas anderes gesprochen. Natürlich waren die letzten Worte, die ich gesagt habe, nicht korrekt, aber jeder hat mal schwere Momente. Jeder trägt mal Frust in sich und sagt Dinge dann manchmal auf die falsche Art und Weise. Aber was ich immer gesagt habe: Ducati unterstützt mich sehr und was ich tatsächlich gemeint habe war, dass wir schon mehrfach versucht haben, dieses Teil zu entfernen und Ducati erlaubt es mir jetzt schlicht deshalb nicht mehr, weil wir es schon mehrfach versucht haben und ich nicht mehr so weitermachen wollte."

Keinesfalls würde sich Ducati seinen Forderungen also widersetzen, im Gegenteil sogar. "Ihr kennt mich sehr gut, ihr hört meine Aussagen an einem Rennwochenende jeden Tag. Ihr habt mich schon oft gefragt, ob mich das Team noch unterstützen würde und meine Antwort war immer die gleiche: Ja. Das Team gibt das Maximum, um mir zu helfen", stellte Bagnaia am Donnerstag gegenüber den versammelten Print-Medien klar und Motorsport-Magazin.com kann seine These an dieser Stelle bestätigen. Tatsächlich hatte sich der Italiener in den vergangenen Wochen und Monaten nie negativ über seine Truppe geäußert, er zeigte sich zuletzt lediglich ideenlos und am Ende seiner Mathematik.

Francesco Bagnaia blieb bei den letzten drei Grands Prix ohne Punkte, Foto: IMAGO / ABACAPRESS
Francesco Bagnaia blieb bei den letzten drei Grands Prix ohne Punkte, Foto: IMAGO / ABACAPRESS

Dementsprechend verwundert es auch nicht, dass das Verhältnis zwischen Bagnaia und Ducati weiterhin in Takt sein soll. Ob seine Mannschaft nach Viralgehen des DAZN-Klipps Verständnis gezeigt habe? "Absolut. Wir haben gestern darüber gesprochen", antwortete Bagnaia unmissverständlich. "Aus dem Video heraus sieht das natürlich schrecklich aus, aber sie haben ja auch meine Interviews von Freitag und Samstag. Da sage ich, dass Ducati mich unterstützt. Sie wissen das. Sie wissen, dass ich nicht völlig den Verstand verloren habe. Ich habe mich dennoch für meine Worte entschuldigt, aber unsere Beziehung zueinander bleibt gut - so, wie sie in der Vergangenheit immer war."

MotoGP-Piloten fordern: Privatsphäre muss respektiert werden!

Zumindest Ducati-intern scheint Bagnaia aus seinen aus dem Kontext gerissenen Kommentaren also keinen Schaden erlitten zu haben. Dennoch war es ihm ein Anliegen Folgendes zu betonen: "Was ich gesagt habe, war falsch. Aber was danach passiert ist, ist ein Desaster. Da hat es völlig an Respekt gemangelt. Den braucht es aber zwischen Fahrern und Journalisten. Es ist klar, dass ihr unsere Worte nehmen und sie online so darstellen könnt, wie ihr das wollt. Aber ihr müsst da transparent sein und versuchen zu verstehen, was wir euch sagen wollen." Eine völlig verständliche Botschaft an alle Medienschaffenden natürlich, und das gilt auch für Bagnaias abschließende Drohung: "Ich versuche auch immer, so transparent wie möglich zu sein. Vielleicht werdet ihr in Zukunft jetzt aber nicht mehr so viel von mir bekommen."

Zuspruch gab dafür von Gesprächspartner Fabio Di Giannantonio. "Wir Fahrer, speziell wir Italiener, kennen uns schon lange und wir sprechen immer über unsere Motorräder. Das ist völlig normal für uns. Ich dachte, dass das abseits der Kameras passiert wäre, aber scheinbar war es doch innerhalb einer Kamera", bestätigte der WM-Vierte zunächst, dass beiden Piloten nicht bewusst war, von DAZN gefilmt worden zu sein und klagte dann: "Das war schon etwas unfair. Ein anderer Fahrer hat über etwas persönliches gesprochen. Da wäre es manchmal schon besser, wenn man das respektiert und nicht einfach versucht, möglichst viele Klicks zu generieren."

Fabio Di Giannantonio fordert mehr Feingefühl von der MotoGP-Medienlandschaft, Foto: VR46 Racing Team
Fabio Di Giannantonio fordert mehr Feingefühl von der MotoGP-Medienlandschaft, Foto: VR46 Racing Team

An dieser Stelle sei natürlich auch nochmal erwähnt, dass sich die beiden Fahrer zum Zeitpunkt des Gesprächs in den Räumlichkeiten der MotoGP-TV-Partner aufhielten und von diversen Kameras umgeben waren, die normalerweise durchgehend aufzeichnen. Insofern hätten die Beiden also vielleicht auch einen passenderen Ort für ihr Vieraugengespräch finden können. Aber grundsätzlich gilt natürlich, die Privatsphäre der Piloten zu respektieren und ihre Aussagen nicht aus dem Kontext zu ziehen. "Wir sind ständig von Kameras umgeben. Es gibt überall versteckte Mikrofone", gab auch Di Giannantonio zu. "Aber wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der wir nichts mehr sagen werden. Ich denke, Journalisten sollten ein Gefühl für das Limit haben. Ich muss über Motorräder sprechen können ohne dabei ständig Angst zu haben, dass irgendwo ein Journalist mit einem Mikrofon herumlungert."

Wie seht ihr diese Thematik? Könnt ihr Bagnaias und Di Giannantonios Ärger verstehen oder wollt ihr lieber möglichst viele 'Behind-the-Scenes'-Einblicke in die Königsklasse erhalten, auch wenn sie zum Opfer der Privatsphäre der Piloten entstehen? Sagt es uns in den Kommentaren!

Wie ihr das anstehende MotoGP-Rennwochenende am Red Bull Ring live im TV, Stream oder Ticker verfolgen könnt, verraten wir euch derweil in diesem Artikel: